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Sonntag, 12. Februar 2023

Mottes Tagebuch - Von Sklaven und PriatenTeil 3

 Tagebuch von Motte - Vom Wasser in die Wüste

 

Nachdem wir uns mit der Besatzung der Atsea gut gestellt hatten, ging es daran der Kapitäna Informationen zu entlocken. Dazu begaben wir uns – mit Ausnahme von James, der die Besatzung im Auge behalten sollte (sicher ist sicher) – unter Deck in die Kajüte der Kapitäna. Während Hartmuut die Wunden der erstaunlich jungen Frau versorgte, nutzten Juri und ich die Zeit, um die Kajüte gründlich zu durchsuchen. Leider ohne Erfolg. Zwar konnten wir im Logbuch erfahren, dass auch die Kapitäna überrascht war, die Flutdämon im Hafen von Port Grimm zu sehen, aber sonst gab es keine Neuigkeit.


Leider wurde es danach unerfreulich und ich frage mich immer noch woran es liegen mag. Hartmuut nahm Juri bei Seite, um zu besprechen, wie die Kapitäna befragt werden sollte. Es war, als ob ich nicht existierte. Ist das schon ein Teil des Fluchs der Eisprinzessin? Darf ich nicht auf den rechten Zeitpunkt warten, sondern muss mich hier offenbaren? Oder trauen die Beiden mir, dem „Jungen“, einfach nicht zu, eine Hilfe zu sein? Muss ich mich doch noch mehr beweisen? Letztlich habe ich zur Eroberung des Schiffes ja auch nichts handfestes beigetragen. Aber was erwarten die Anderen denn auch von mir? Habe ich doch Erfahrung im Diebeshandwerk und der Spionage, nicht im Kampf. Sei’s drum – ich flätzte mich jedenfalls aufs Bett und beschloss, die Aktivitäten der Beiden zu beobachten. Letztlich könnte ich vielleicht etwas lernen.


Die Befragung entsprach dann dem klassischen Vorgehen mit Verteilten Rollen. Hartmuut gab den Bösen, Juri die Gute. Zwar begann Wardrag nicht zu reden, wie ein Wasserfall, aber antwortete bereitwillig auf viele Fragen. Die Geschichte war aber mehr als merkwürdig. Auf Okent wurde sie wohl von Gnollen des Steinkieferstamms angesprochen. Diese seien im Auftrag Isandras unterwegs und hätten ein Angebot. Als die Kaptiäna noch Bedenkzeit wünschte, erschien ihr in der selben Nacht noch Isandra im Traum – eine mächtige uralte Elfe, schön aber stets das Gesicht mit einem Schleier bedeckt, wie sie sagte. Es war wohl eher ein Albtraum, als eine Vision. Aber es brachte Wardrag dazu den Auftrag Isandras, oder viel mehr der Steinkiefer-Gnolle, anzunehmen. Ab hier deckte sich ihre Erzählung mit dem, was wir von der Hobbitfrau erfahren hatten.


Doch dann machte sie eine Erwähnung, die Juri den Atem stocken lies und mich dazu veranlasste an der Befragung teilzunehmen. Wardrag erwähnte, dass sie eine Verbindung zu Isandra hätte und diese immer wüßte, was sie tat. Sie würde ihr erscheinen, wenn sie vom Weg abweiche, der ihr aufgetragen wurde. Mein Interesse war geweckt. Wenn es den Link gab, musste es einen Fokus geben. Tatsächlich war meine erste Idee sofort die richtige. Im Gesicht der Kapitäna gab es ein Muttermal. Nicht besonders auffällig, aber durchaus groß genug, um den Blick darauf zu lenken. Besonders, das sie sonst eher über eine ebenmäßige, wenn auch vernarbte Haut verfügte. Ich machte direkt den klassischen Test, wie ich ihn im Hexenjägerbuch gelesen hatte. Mit einer silbernen Nadel stach ich unvermittelt in das Muttermal. Weder Schmerz noch Blut war die Folge – eindeutig ein Hexenmal!


Da Wadrag meinte, Isandra würde ihr immer in spiegelnden Flächen erscheinen, reagierte ich impulsiv. Ich riß mein Kopftuch herunter und warf es über den Spiegel. Juri nahm es direkt wieder herunter. Mit einem stichhaltigen Argument. Würden wir den Spiegel verhüllen, würde dies Isandra warnen. So müssten wir im Toten Winkel des Spiegels bleiben. Das leuchtete mir ein und ich zollte Juri Respekt, für ihre schnellen Gedanken.


Doch trotzdem brachte uns das zunächst nicht weiter. Wie wir jetzt wußten, war Wadrak schnell aus Port Grimm gesegelt, da auch die Flutdämon Ruhe in Port Grimm haben wollte. Es gab keinen neuen Auftrag. Wir beschlossen dann, zunächst nicht direkt Kurs auf Okent zu nehmen, sondern erst die Küste entlang zu segeln, in der Hoffnung, Isandra möge sich mit der Kapitäna in Verbindung setzten. Dafür würden wir immer in der Nähe von Kapitäna und Spiegel sein. Das war zumindest der Anfang eines Plans. Dann würden wir immer noch Zeit haben, den Kurs zu ändern und nach Okent zu segeln.


Es gab dann aber doch noch einen Disput zwischen mir und Juri. Ich weiß nicht, ob ich mich gegängelt fühlte oder es verletzter Stolz war. Denn schließlich hätte ich bei dem Verhör auch noch versuchen können in die Gedanken der Kapitäna einzudringen. Was aber von Juri und Hartmuut einfach ignoriert wurde. Sei’s drum, ich will versuchen nicht zornig zu sein, auch wenn es mir immer noch schwer fällt. Besonders wenn ich wie ein Kind behandelt werde. Aber zurück zum Disput. Denn ich wunderte mich über den Schleier, den ich auch in den Gedanken der Hobbitfrau gesehen hatte. Alle Berichte, die ich gelesen hatte, berichteten von der Eitelkeit Isandras. Dass sie nie einen Schleier trage. Warum sollte es jetzt plötzlich anders sein? Juri hielt dagegen, sie hätte Geschichten gehört, dass Isandra einen magischen Schleier hätte, mit dem sie in die Seele – also den Geist – ihrer Gegenüber blicken könnte. Ich blieb skeptisch, doch Juri bestand – wie immer – auf ihrer Ansicht. Sei's drum, mir schien es, hier könnte noch eine Überraschung auf uns warten. Etwas, dass sich später noch bewahrheiten sollte, aber ich greife vor.


Wir segelten dann zunächst einige Tage die Küste entlang und warteten. Langsam wurde die Mannschaft unruhig. Bis schließlich der Orc-Maat uns deswegen ansprach. Er fragte ob wir auf ein Zeichen warteten oder wir eine Zeige schlachten müssten, um selbiges zu erhalten. Leider kam mein Scherz – zur Not müssten wir die Eingeweide eines Piraten nutzen – nicht gut an. Harmuut gab mir sogar eine Kopfnuss. In diesem Moment, wo ich dies niederschreibe, verletzt es mich mehr, als zu dem besagten Zeitpunkt. Zusammen mit den Ereignissen bei der Befragung bin ich nicht sicher, ob die Prophezeiung der Eisprinzessin sich selbst erfüllt. Ich bin so verunsichert, was ich tun soll. Aber zurück, denn Juri rettete die Situation, in dem sie ihre Begabung für das Wasser nutzte, eine kleine Erscheinung formte und meinte, dass uns das Meer selbst Zeichen gäbe. Das beeindruckte den Maat und wir hatten die Besatzung beruhigt.


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Ich habe mich zum Schreiben in Krähennest zurückgezogen. Ich kann etwas Ruhe gebrauchten. Denn leider hat unsere Fraternisierung mit der Besatzung bei mir dazu geführt, dass mir der Tilleaner nicht mehr von der Seite weichen will. Mittlerweile weiß ich praktisch alles über Schwarzpulver, Pistolen und die Abenteuer des Postillieros. Kaum, dass er meiner ansichtig wird, will er mit etwas Neues erzählen. Manchmal habe ich das Gefühl, meine Ohren bluten. Aber immerhin konnten wir einiges erfahren. Die Besatzung ist nicht gut auf die Kapitäna zu sprechen, weil seit einem Jahr nicht kapern, sondern Sklaven und Tierhandel das Geschäft der Atsea war. Zwar brachte es Geld, aber die Mannschaft wurde unruhig. Immerhin konnten wir auch etwas über die Gnolle erfahren.


Wir waren nämlich etwas beunruhigt, weil sie gut Spione Isandras vom Steinkieferstamm sein könnten. Beliebt waren sie ob ihrer Faulheit nicht. Aber die Aussagen der Kapitäna deckten sich mit dem, was James aus den Gnollen mit sanfter Gewalt entlockte. Denn eigentlich wollten sie auf das Schiff eines berüchtigten Gnoll-Käpitäns, das Teil der Flotte der Flutdämon ist. Aber wir konnten auch nützliches erfahren, über den Stamm der Steinkiefer. Die wohl vom Sklavenhandel leben, in einer Festung tief im Innern der Insel leben und von kaum mehr als 30 Individuen umfassen. Außerdem gibt es eine Prophezeiung unter den Gnollen. Die Zeit der Gier sei angebrochen, die Stämme machen sich auf den Weg und die Hyäne wird frei durch die Länder streifen.


Jetzt heißt es einen Plan fassen. Denn von meinem Aussichtspunkt kann ich bereits die Insel Okent sehen. Bislang wissen wir nur, dass die Kapitäna steht's allein die besonderen Sklaven auf den Fleischmärkten erstand. Daher werden wir gleich nochmal mit der Kapitäna sprechen. Wir wollen sie überzeugen uns zu helfen. Denn wenn wir Isandra besiegen, wäre auch sie wieder frei zu tun, was ihr beliebt. Aber auch, wie wir die Loyalität der Besatzung erhalten. Zwar gehen wir davon aus, dass es kein Problem wäre von der Insel zu entkommen. Aber mit einem eigenen Schiff wäre es sicher leichte.


Ich dagegen grüble noch immer über einiges nach. Nicht nur die Frage, ob die Zauberin bei den Steinkiefern wirklich Isandra ist – was ich mittlerweile immer mehr in Zweifel zieh. Auch die Prophezeiung der Eisprinzessin, dass ich ehrlich sein soll. Kommen mir die Gnolle doch mittlerweile wie eine Inkarnation der Wendigos vor. Ihr Kichern ist so entnervend, wie das heisere Wispern des Wendigos in meinen Träumen. Die haben an Intensität zugenommen, seit wir unseren Kurs auf Okent geändert haben. Aber nun werde ich mich zu den Anderen gesellen und nachher weiter schreiben, schließlich will ich wissen, ob wir die Kapitäna überzeugen können.


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Gleich gehen wir an Land. Wir konnten zwar die Kapitäna nicht überzeugen uns wirklich zu helfen, aber sie hat uns einige wertvolle Informationen gegeben. So würden wir sicher den Ort finden, an dem wir die Steinkiefergnolle finden und zu ihrem Versteck folgen würden. Nur mit der Idee mich als Köder zu nutzen, bin ich nicht einverstanden. Juris Versuch mich zu überzeugen, war mehr als dünn. Zwar bin ich immer daran interessiert, mir Wissen anzueigenen. Aber ich habe keinerlei Lust, dass mein Gedächtnis verändert wird. Etwas, das passieren kann, wenn die Anderen mich nicht schnell genug befreien könnten.


Nun zumindest bei der Mannschaft herrscht Einigkeit. Wir werden den Schatz der Kapitäna unter der Besatzung verteilen, damit sie sich ein paar Tage die Zeit vertreiben könnten. Auch sollten sie das Schiff wieder klar machen, damit wir sofort auslaufen könnten. Wir selbst wollten nicht länger als eine Woche die Besatzung alleine lassen, dann hätten wir kein Schiff mehr. Riskant, da es wenig Zeit ist, aber machbar. Besmera war uns am Anfang hold, warum nicht auch weiterhin.


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Was für eine von den Göttern verdammte Insel. Nicht nur die Sklavenmärkte, die ganze Insel ist ein Vorgeschmack der Niederhölle. Meine rechte Seite schmerzt noch immer und dass, obwohl ich schon ein wenig Heiltrank auf die Wunden getupft habe. Kakteen, die ihre Stacheln verschießen – ich dachte Hartmuut macht wieder Späße, als er davon erzählte. Und nicht einen Tag später muss James mir 37 (!) Stacheln aus meiner Haut entfernen. Mein Glück, dass wir den Gnollen bei Nacht folgen, so dass ich den dicken Umhang gegen die Kälte getragen habe, der mich ein wenig gegen die Wucht der Stacheln geschützt hat. Trotzdem war sie noch ein Fingerglied tief in meine Haut eingedrungen, Nur gut, dass ich meinen Kopf schnell wegdrehen konnte, das wäre sonst ins Auge gegangen.


Aber ich will schnell die Ereignisse der letzten Tage zusammen fassen. Letztlich habe ich mich doch dazu durchgerungen den Köder zu spielen. Nicht nur die Idee Teil einer Abenteuergeschichte zu werden gab den Ausschlag. Ich wollte auch beweisen, dass ich mit meinen Fähigkeiten nützlich sein könnte. Leider konnten wir die Gnolle nicht überzeugen, dass uns die Wadrag geschickt hätte. Sei's drum, sie würden uns jetzt trotzdem zu ihrem Versteck führen. Natürlich hätte ich die Gestalt der Käpitäna annehmen können, aber die Anderen davon zu überzeugen, wäre sicher mühselig gewesen. So verfolgen wir jetzt seit einigen Tagen die Gnolle. Immerhin konnte James aus einigen Kakteen ein Mittel herstellen, dass unsere Kraftreserven vergrößert, damit wir den Gnollen durch diese verdammte Einöde folgen können, die am Tag vor Hitze glüht und in der Nacht das Wasser gefrieren lässt. Nicht, dass es viel davon geben würde. Dafür aber mussten wir uns sogar vor einem Rock verstecken. Und ich dachte die Hyänen wären schon schlimm – von diesen vermaledeiten Kaktus ganz zu schweigen – aber der Rock war noch größer als ich mir vorgestellt habe. Sicher kann er ein Pferd oder ein Kamel ohne Probleme schlagen.


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Ich bin aufgeregt. Ich konnte die Anderen überzeugen, dass die Infiltration der Festung der Gnolle, meine Aufgabe sein würde. Endlich kann ich meine Fähigkeiten einsetzten. Schleichen, Klettern, den Gegner überlisten. Auch kann ich endlich den Schlaf-Zauber einsetzten. Aber wir müssen uns sputen. Denn sicher haben die Gnolle bereits der Hochstaplerin, die sich als Isandra ausgibt, Bericht erstatten. Jetzt bin ich froh, dass ich das Schlafgas nicht bei der Eroberung des Schiffs eingesetzt habe. Es wird uns sicher gute Dienste leisten können. Nun werde ich mich noch ein wenig im Staub wälzen. Sicher ist sicher, denn so werde ich weniger auffällig sein.