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Freitag, 16. August 2024

 

Mottes Tagebuch - Großer Trubel in Okeno - Teil 5

Lose Ende verknüpfen


Es zeigt sich, dass Aurelia uns mit Korva wirklich eine große Hilfe geschickt hat. Sie hatte sich bereits im Vorfeld umgehört, wie der Sklavenmarkt funktioniert. So war uns klar: wir müssen zum Wunschmarkt. Dort werden die besonderen Sklaven verkauft. Aber bereits der Weg dorthin ist schwierig. Es herrscht ein angespannte Stimmung, schon fast eine Unruhe in Okeno. Wir versuchten unauffällig zu sein, aber Juri bringt den Fluch der Bekanntheit mit sich. So müssen wir uns unserer Haut erwehren, da sie erkannt wird.


Als wir den besagten Wunschfleischmarkt erreichen stockt uns der Atem. Es ist voll. Alles was Rang und Namen hatte und ein Haufen Gaffer: Der Rote Lindwurm ist vor Ort. Pawoki die Klinge mit zwei Kakteenmenschen. Die Tochter Isandras haben eine hochrangige Kapitäna, eine Seehexe mit Hyänen und Gnollen geschickt. Auch die dreimal verfluchte Hanse ist gekommen. Natürlich der Liebling der schwarzen Dämonen – Seven-Knives. Dieser hat, wie in meinen Albträumen vorhergesagt einen Metallarm. Aber schlimmer auch ER ist dort. Kurz bevor die Versteigerung beginnen soll, kommen sogar noch Vertreter der Weißen Hand. Alle waren bereit für ein Schauspiel, nur, dass sie sich im Stück vertan hatten, das wußten sie noch nicht.


Ein Umstand, der sich schnell änderte. Denn wir hatten eine Plan. Juri fängt an gegen die Hanse zu agitieren. Ich würde versuchen die Töchter Isandras zu überzeugen, dass die Hanse die Gelbe Flotte vernichten will. Ein brillanter Gedanke, da es ja einen Angriff auf die Gelbe Flotte geben würde und so der Verdacht auf die Hanse fallen würde. Derweil es so zu Unruhe und Diskussion kommen würde, schleicht Korva herum und beobachtet. Galt es doch noch ein Detail unseres Plans mit Leben zu füllen: wie wir an „Blume – XVIV – Ibis“ herankommen würden, um sie zu befreien.


Es galt diesen Umstand schnell abzuschaffen, denn als Korva und ich noch beratschlagten, wie wir die Wache am Hintereingang überlisten könnten. Schwang sich Juri plötzlich auf eine der aufgebauten Bühnen. Von dort hielt sie eine flammende Rede. Da wir in der Weiterführung unseres Plans beschäftigt waren, konnten weder Korva, noch ich Juri von dieser großartigen Ablenkung, wie sie es später nannte, abhalten, noch der Rede folgen. Sie argumentierte wohl gegen das Imperium und palaverte irgendwas mit Besmera, die viel toller sei, als Sigmar. Als ER sich dann provoziert fühlte und gegen Juri argumentierte, war Korva und mir klar, schnell diese Ablenkung zu nutzen.


Da die Auktion jederzeit starten sollte, improvisierten wir. Korva gab sich als Xan-Meisterin der „Schönen Künste am Menschen“ aus mit mich als ihrem Gehilfe. Ich schaffte es mit Mühe und Not, unseren Namen per Zauberei auf der Liste erscheinen zu lassen. Nicht zum ersten Mal seit wir diese von Staub und Gefahren verseuchte Insel erreicht hatten, kann ich mein magisches Talent nur schwer beherrschen – wenn es mich nicht gleich im Stich läßt. So dass hier nicht zum ersten Mal mein Entschluss reifte, den ich gleich in die Tat umsetzen werde. Nur muss ich zunächst den Eintrag beenden.


Wir schafften unseren Weg vorbei an der Wache ins Innere, dass sich als überaus geschmackvoll eingerichtet und magisch gekühlt erwies. Sicher hätte ich mich hier an den Diwanen für die reiche Kundschaft, den üppigen Topfpflanzen und dem Tinnef sattsehen können. Denn wir hatten einen Auftrag. Aber verflucht, selbst die Käfige waren mit Seidenkissen ausgestattet und auf hochglanzpoliert sogar waren die Rollen mit duftenden Ölen geschmiert. Zu allem Überfluß waren die Handschellen mit rotem Samt ausgeschlagen. Vermutlich waren wohl die Peitschen dann aus extraweicher Ziegenwolle geflochtenen. Mein Schlafplatz auf dem Schiff ist sicher weniger bequem, als die einfachste Bank in diesem Zelt gewesen ist.


Nur der von grimmigen Wüstenelfen mit Krummsäbeln und gar nicht gepolsterten Speeren bewachte Eingang in die Fleischwege zeugte davon, dass wir auf einem Sklavenmarkt waren. Der Blick, welcher sich uns dann bot, als die Falltür geöffnet wurde, war dann eine Ahnung, wie der Weg in die Niederhöllen aussehen mag. Noch jetzt läuft mir bei der Erinnerung sofort der kalte Schweiß der Angst den Rücken hinab.


Wir hatten gerade die rechte Zeit gewählt, kam doch kaum, dass wir das Zelt betreten hatten, eine tätowierte Zwergin „Blume – XVIV – Ibis“ deren kaum verheilte schwere Wunden von Mißhandelung der schlimmsten Sorte zeugten. Jetzt war unsere erste und wohl auch einzige Chance. Diese nutzten wir in fast wortlosem Einverständnis. Während ich der Zwergin den Unsichtbarkeitstrank zusteckte. Begann Korva ihre Rolle zu spielen und beschimpfte die Wachen als Taugenichts, die nur im Weg rumstehen würden, sich schnell nützlich machen sollten. Sie erreichte so, dass sie durch verschiedene Aufgaben abgelenkt waren. Das so entstandene Durcheinander nutzen wir, um mit der jetzt unsichtbaren Zwergin aus dem Zelt zu fliehen.


Gerade als wir aus dem Zelt stürmen, setzte Juri dazu an um SEINE Vorliebe für junges Fleisch herauszustellen. Ein Umstand, der die Schergen der Hanse und die anderen Anwesenden aufs Äußerste gegeneinander aufbringt. Was wir wiederum nutzen, um in der Menge untertauchen zu können. Doch leider scheint ER einen siebten (oder achten) Sinn zu haben. Denn kaum, dass wir den Platz verlassen wollen, um in den Gassen zum Hafen zu gelangen, fällt SEIN Blick auf uns und die Schergen sind uns auf den Fersen.


Doch schlimmer noch: aus dem Untergrund bricht ein verderbter Albtraum aus Fleisch und Kadavern hervor. Erst denke ich einen kurzen Augenblick, wir wären wieder in der Albtraumdimension. Doch leider ist dies die Wirklichkeit. Der mutierte Schrecken aller in den Fleischtunneln ums Leben gekommener hat sich mit den Resten ihrer Körper zu einer gigantischen Masse magisch belebter Mordlust zusammengefügt. Eigentlich faszinierend – wenn es nicht wild um sich schlagen würde und alles in seiner Nähe als Feind oder besser Futter für die Rache betrachten würde. Dies war sicher die intensivste Erfahrung der rohen Chaosenergie, die ich je erlebt habe – bisher. Das Gebrüll war unglaublich und die Angst beinahe fühlbar. Nun begann alles, was nicht starr vor Schreck (und damit in wenigen Augenblicken tot) war, die Beine in die Hand nehmen.


Doch selbst diese Ablenkung konnte die Hanseschergen nicht davon abbringen, uns zu verfolgen. Zu unserem Glück gelingt es Juri uns einzuholen. Wenigstens gelingt es ihr, ihre Zauber einzusetzen, so dass einige Schwergen sich dank plötzlicher Seekrankheit an Land nur schwer an der Verfolgung beteiligen können. Um nicht nochmal die Schmach zu spüren, selbst die einfachsten Zauber nicht mehr wirken zu können, lasse ich meine Axt sprechen. Schon ist mir die Glücksgöttin hold zu sein. Denn die Gnollhexe, welche mich mit einem Zauber binden will, wird von dem Albtraum aus den Fleischtunneln mit nur zwei Bissen verschluckt. So kann ich mich wieder an die Fersen von Korva und der Zwergin heften. Einige Hanseschergen, die es an mir vorbei geschafft haben und die Beiden ergreifen wollen, bekommen meine Axt zu spüren.


Selbst jetzt, wo doch das Gemetzel einige Tage zurückliegt, beginnt mein Herz wie wild zu schlagen und ein Lächeln kriecht in mein Gesicht. Auch wird mir ganz warm im Bauch und wohlige Schauer jagen meinen Rücken entlang. Daher denke ich meine Entscheidung gleich den Schritt zu tun ist richtig. Doch weiter mit den Ereignissen. Denn im Hafen herrschte Aufregung. Es hatte geklappt, die Gelbe Flotte ist sabotiert. Kaum, dass wir, jetzt zu viert, wieder an Bord waren, wurden in Windeseile Segel gesetzt. Es ging Richtung Port Grimm.


Viel Zeit blieb nicht, sich auszuruhen oder das vollkommen durchschwitze und mit Blut verschmierte Hemd zu wechseln (nicht, dass ich noch ein sauberes, geschweige denn überhaupt noch ein Wechselhemd besessen hätte). Kaum, dass wir die Insel hinter uns gelassen hatten, wurde ein Rat einberufen, was mit den Gefangenen zu tun sei. Schließlich hatten wir neben der ehemaligen Kapitänin Wardrack, die bei der Besatzung der Atsea wegen des Sklavenhandels verhasst ist, noch den Grauen Konrad, der aber vor Aufregung katatonisch vor sich hin starrt außerdem Jaana von der Technik-Liga von dem wir wissen, dass er auch nach Xin-Shalast sucht. Aber vergessen will ich auch nicht Umagla Tochter der Befreiung sowie die gerade befreite tätowierte Zwergin, die den Weg nach Xin-Shalast weisen soll und sich Carmina Boorah nennt.


Ich erspare mir hier die ermüdende Diskussion, bei der ich irgendwann angefangen habe, meinen schon kargen Rumvorrat weiter zu reduzieren, um nicht vollkommen die Fassung zu verlieren. Letztlich musste die Abstimmung mehrfach wiederholt werden bis keiner mehr wußte worüber eigentlich abgestimmt wurde. Mich amüsierte dieser köstlich absurde Witz – wie ein Theaterstück des Montgomery Würgeschlange.


Der einzige Lichtblick war, als wir eine Pause einlegten, um dann doch kurz von unseren Erlebnissen zu berichten. Dabei wurde mein Entschluss, den ich gleich in die Tat umsetzten werde, weiter gefestigt. Schließlich zeigte James Respekt, als ich davon erzählte, dass ich meiner Axt jetzt endlich eine passenden Namen gegeben habe: Hansaspalt der Eisenblitz des Roten Zorns. Hartmuut meinte zwar, das wäre ein recht langer Name, war aber auch er war von der Zahl der gefällten Gegner beeindruckt und ich habe noch nicht einmal übertrieben, zumindest nicht so sehr, dass es Korva oder Juri aufgefallen wäre. Auch James und Hartmuut hatten viel zu erzählen von der Sabotage der Gelben Flotte. Kämpfe mit Haimenschen, das Trinkwasser vergiftet und auch die Ruder zerstört. Eine überaus erfolgreiche Aktion. Vielleicht hilft Juris Geschichte ja und die Hanse wird zunächst verdächtigt. Aber das wäre zu schön.


Letztlich wurde dann beschlossen. Wardrack und Jaana auf einer Insel auszusetzten. Während Wardrack damit recht zufrieden war versuchte Jaana uns mit einem Artefakt zu bestechen. Eine Art Weitsichtzauber zur Navigation in einem Kasten. Aber die Welt scheint dort eine Kugel zu sein. Was natürlich Quatsch ist. Wir alle Wissen, dass die Welt eine Schüssel ist – sonst würde das Wasser ja herunter fließen. So ein Idiot, da geschieht ihm die Insel ganz recht.


Umgala nehmen wir als Verbündete mit nach Port Grimm. Sie ist zwar noch nicht restlos überzeugt, aber besser als Aussetzen auf eine Insel ist es alle mal. Nur aus Carmina brachten wir nicht wirklich Information heraus. Sie wollte nicht mit dem Fußvolk reden, sondern nur mit den wirkich wichtigen Leuten der Gesellschaft. Sei’s drum. Es war nur ein wenig peinlich für Hartmuut, dass er nicht die berühmte Verwandtschaft, die Gebrüder Boorah, kannte. Das sind wohl berühmte Schatzjäger und Forscher, die irgendwo im Süden verschwunden sind. Das wußte jedenfalls James zu berichten. Angeblich waren sie sogar schon in Sternenfall wegen des Wissens und sind auch Berater des Fürsten. Mag so sein. Wir bringen sie zur Gesellschaft.


Es blieb nur noch die Mannschaft und das Schiff. Hier setzte sich Juri ohne Widerrede durch, dass der Besatzung das Angebot gemacht wird, dem Gezeitenarchipel beizutreten, dann wären sie wieder Freibeuter. Die Mannschaft scheint das okay zu finden. Sie werden dann wohl dem Fetten Mann vorgestellt.


Ich war da schon mit den Gedanken an meine Vorbereitungen beschäftigt (und wie ich meine Rumvorrat unauffällig auffüllen könnte). Letzteres stellt mich noch vor ein schwer lösbares Problem, wurden die Vorräte doch jetzt doppelt weggeschlossen, weil nur noch wenig in den Fässern sei. Doch bin ich mit meinen Vorbereitungen fasst fertig, dann kümmere ich mich um dieses Problem.


Ich habe meine Axt poliert und die Waffengurte gefettet. Mein letztes Hemd habe ich, genauso, wie die Bandagen weggeworfen. Das Hemd war vor Schweiß, Blut und Salzwasser schon fast steif. Nun als nur noch die Weste. Sie ist immerhin noch von innen mit halbwegs weichem Leinen gepolstert und schubbert nicht so unangenehm über meine nackte Brust. Jetzt muss ich nur noch meine Haare und Stirn als Zeichen für den Roten Zorn mit dem Blut färben, für das ich die Ratten in der Bilge gejagt habe. Schließlich kann die Prophezeiung der Eisprinzessin „dann sollst du mit dem Grünen Mann tanzen“ und dass ich mich meinen Gefährten offenbaren soll heißen, dass mir James den Klingentanz beibringen soll. Das könnte auch helfen, um IHN zu besiegen und diesen Dämon in Menschengestalt vom Angesicht der Erde zu tilgen.


Mein Herz schlägt schon wie wild und ich kann kaum die Feder führen. Denn jetzt gehe ich auf Deck gehen, werde Hansaspalt, den Eisenblitz des Roten Zorn, kniend vor James präsentieren und hoffen dass er zustimmt, wenn ich sage:


„Ich Ineys, Cirella von Falkenheim, Baccelaurea academica magica artis canae, die ich mir selbst entsagt habe und zu Motte wurde, bitte darum als Lehrling der Klinge in die Dienste des Kriegers zu treten, um ein Werkzeug des Roten Todes zu werden.“