Komm mit mir ins Albtraumland
Der Übergang in die Traumwelt ist abrupt. Es ist nicht das sanfte Gleiten in den Traum. Motte schließt die Augen und befindet sich in der Albtraumwelt. Um sie herum herrscht Chaos und Aufregung. Einen kurzer Moment der Desorientierung, dann kann Motte erkennen, wo der Traum beginnt.
Die Hanse überfällt das Dorf der T’Skrang. Überall herrscht Geschrei. Motte kann nicht erkennen, was die Schergen bezwecken wollen – Sklaven nehmen oder ein Exempel statuieren. Schwaden von Rauch und Schießpulver behindern die Sicht. Der scharfe Geruch des Schwarzpulvers verpestet die Lust, macht das Atmen schwer. Die Hanse-Schergen schießen und schlagen, wie besinnungslos um sich. Zerstören Häuser, legen Feuer. Sie schonen keinen - Kinder oder Alte werden niedergeschlagen oder gleich in Stücke gehackt. Langsam dringt der metallische Geruch von Blut in Mottes Nase. Die T’Skrang wehren sich so gut sie können, mit allem was sie haben. Werkzeuge, sogar Eimer und Säcke, werden zu Waffen. Aber es ist deutlich zu sehen, gegen die Überzahl an Schwertern und Musketen ist es ein sinnloses Unterfangen.
Mitten in dem Chaos aus Schreien, lodernden Flamen und krachenden Schüssen steht Achtmesser. Er ist weniger bemüht den Angriff zu koordinieren, vielmehr stachelt er die Söldner zu Untaten an, fuchtelt mit seinen Waffen, tötet im Vorbeigehen, lacht. Besondere Freude scheint es ihm zu bereiten, T’Skrang mit seinem Metallarm zu töten. Motte meint, das Knacken von brechenden Knochen auch aus der Entfernung hören zu können.
Motte spürt die Rote Wut in sich kochen. Diesem Abschaum der Menschheit muss nicht einfach Einhalt geboten werden. Dieser menschliche Unrat muss vom Antlitz der Welt getilgt werden. Ihre sündhaften Taten werden in Blut vergolten. Ihr Buße kann nur der Tod sein. Motte hört sich selbst eine animalische Herausforderung schreien, während die Winde der Magie durch ihren Körper strömen. Das Gefühl der Macht läßt einen wohligen Schauer durch ihre Glieder fahren, im Bauch breitet sich ein angenehmes, warmes Gefühl aus, ihr ganzer Körper scheint von Gänsehaut bedeckt zu sein. In den Händen erscheinen zwei gigantische Äxte mit zwergischen Runen der Macht, golden verziert. Motte spürt jeden Muskel stahlhart unter der Haut. Größer, stärker, bereit aus dem Körper eine tödliche Waffe zu machen. Sicher leuchte ich von innen heraus oder bin von einem leichten Wind umweht, der mich zur Göttin des Gemetzel macht, sind ihre Gedanken, als sie mit den T’Skrang an ihrer Seite zum Dorf stürmt.
Während Motte die verdorbenen Winde der Albträume formt, konnte sie am Rande ihres Bewußtseins gerade eben noch wahrnehmen, wie James den T’Skrang mit lauter Stimme Befehle zubrüllt. Aus dem Haufen von den Ereignissen eingenommener Echsen Schlachtreihen formt. Die Echsengötter und Helden der Vergangenheit beschwor und den Zorn der Donnerechsen in die Herzen der Krieger pflanzt.
Mit dem Gefühl verheerender als eine Lawine oder Sturmflut zu sein, stürmen die T’Skrang und Motte angeführt von James der Hanse entgegen. Kazuug wirft seine Waffen von sich, ihn beginnt die Rote Wut zu lenken. Seine Krallen werden länger, die Hähne spitzer. Er selbst scheint größer und sein Panzer färbt sich von innen heraus leuchtend Rot. Mit Donnerhall prallt die Woge auf die Schergen. Während die Echsen beginnen mit Steinäxten und Speeren die Reihen der Söldner zu lichten, zerreißt Kazuug mit bloßen Händen Leiber, beißt sich durch Eingeweide. Bald ist er in Blut gebadet. Auch Motte pflügt sich mit den Äxten durch die Gegner. Fällt links und rechts, was sich ihr in den Weg stellt. Das Ziel ist klar – Achtmesser töten, zerstückeln, den Fischen zum Fraß vorwerfen, Labskaus für die Trollhunde aus ihm machen. Weder Kazuug noch Motte hören in ihrem Wahn die Befehle von James, der die Schlachtreihe der T’Skrang koordiniert. Angriffe auf Schwachpunkte befiehlt, Schildwälle zur Verteidigung sammelt, das Chaos der Schlacht überblickt und die Verluste gering hält.
In der Anlage der Runenherrscherin sitzt derweil Hartmuut mit dem Hammer bereit. Sein Blick gleitet immer wieder über die Körper, die in der mutagenen Flüssigkeit lagen. Er mustert die Umgebung. Jederzeit könnten die Phasenspinnen erscheinen, angezogen von der Magie. Selbst er hat die Winde der Magie gespürt, als sie wie Schauer über seinen Rücken strichen. Er schaut auf Motte, schüttelt den Kopf. Was hatte sich der Junge nur gedacht. Er hätte jetzt gut Unterstützung gebraucht, aber nein diese Gier Wissen zu erlangen würde ihn noch umbringen. Gerade als er den Kopf abwendet, nimmt er ein Flimmern war. Im Selben Augenblick ist Hartmuut auf den Füßen und läßt seinen Hammer kreisen. Die Phasenspinnen sind gekommen.
Motte nähert sich Achtmesser. Immer wieder werfen seine Fußtruppen sich in den Weg. Mittlerweile ist auch Motte so von Blut und anderen, widerlichen Flüssigkeiten bedeckt, dass sie dem Avatar der Rache zur Vorlage gedient hätte. Nur noch fünf Schritte, dann könnte sich ein Teil der Rache erfüllen. Mit jedem Schritt näher verdunkelt sich der Himmel, als ob ein Unwetter aufziehen würde. Achtmesser wird langsam von den Schatten verschluckt. Die Sicht ist unscharf. Motte schüttelt den Kopf, hofft den Blick wieder zu klären. Aber mit dem nächsten Blinzeln, ist plötzlich Nacht.
Motte reißt die Augen auf. Die Dunkelheit ist total. Ein Gefühl der Desorientierung, kein oben und unten. Galle steig Motte in die Kehle. Aber sie steht auf festem Boden, in einem Gang. Motte ist allein, ohne Waffen, nur in einem dünnen Schlafgewand. Da ist etwas in der Dunkelheit. Kalter Schweiß läuft ihr den Rücken hinunter. Ineys zittert, presste die Hände vor die Augen, schluchzt in ihrer Einsamkeit.
Motte schüttelt den Kopf, versucht die Vision zu vertreiben. Ein Kampf muss geschlagen werden. Das Wetter hat sich geklärt. Klarere Sicht ist wieder gekommen. Aber immer noch dräut ein Gewitter lila-schwarz am Himmel. Die Schwergen haben sich zum Hafen zurückgezogen. Zwischen der Rache liegen nur die Gassen von Port Grimm.
James hat die Truppen gesammelt, brüllt Befehle. Die T’Skrang bilden einen Kreis um Mutter Bogwin. Motte drängt sich nach vorne, um besser sehen zu können. Ein Ritual – James und Kazuug erhalten Segen von der alten Schamanin. Während James einen Stab oder eine Keule erhält, wird Kazuug offensichtlich erwählt. Er wirft den Kopf zurück, brüllt und wächst. Motte hat das schon einmal bei James gesehen. Kazuug wird zum Avatar der Donnerechse. Kaum ist die Verwandlung abgeschlossen, stapft er los. Einige T’Skrang folgen ihm begeistert. James hat Mühe den Rest mit Rufen und wohl gezielten Schlägen dazu zu bringen seinen Befehlen zu gehorchen. Aber es gelingt ihm den Großteil unter seinem Befehl zu halten. Auf Schleichwegen geht es in die Stadt.
Motte ist unentschlossen. Zusammen mit James und den T’Skrang Kämpfe vermeiden, damit sie mit einer möglichst großen Streitmacht die Hanse angreifen können? Oder doch lieber vorstürmen, damit die Rache erfüllt werden kann? Eine Entscheidung die beim ersten Scharmützel weggeblasen ist. Motte greift nach den verpesten Winden der Magie, schöpft aus der Kraft der Alpträume. Ein Cape aus den Skalps der zuletzt erschlagenen manifestiert sich um ihren Schultern. Die Runen der Äxte beginnen in einem fahlen Licht zu glühen. Mehr zu sich selbst fallen die Worte, dies wird die letzte Schlacht. Ich werde IHN in Stücke hacken und seinen Kopf einsalzen.
Dann stürmt Motte mit den T’Skrang vor. Einige unvorsichtige Bewohner von Port Grimm sind noch auf den Straßen. Motte macht keinen Unterschied. Wer sich in den Weg stellt ist ein Feind. Motte ergötzt sich an den Schreien, den eigenen, wie auch der Sterbenden. Rohe ungefilterte Kraft, Urgewalt, strömt durch ihren Körper. Motte ist unbesiegbar.
Ein fataler Irrtum, denn als der Weg in eine Seitengasse führt muss Motte gegen die Dunkelheit anblinzeln. Zu spät bemerkt sie die Gestalten in der Gasse – mit unglaublicher Kraft werden ihre Arme gegen die Wand gepresst. Motte Füße berühren kaum den Boden. Die Winde der Magie scheinen nicht mehr greifbar. Kaum dass sich die Augen an das Dämmerlicht gewöhnt haben, tritt eine Gestalt vor Motte - Die Rattenmutter. Sie ist älter, größer. Ihr Gesicht ist immer noch entstellt, aber anders. Es ist irgendwie länger, die Nase kleiner, spitzer.
Sie lispelt leicht als sie zu sprechen beginnt. Sie an, Motte, Gisbert oder wie du dich nennen magst. Du traust dich in unser Revier. Ein mächtiges Durcheinander richtest du mit deinen neuen Freunden an. Schön, schön. Aber du hast noch etwas von mir. Das will ich haben.
Motte versucht gar nicht erst sich zu wehren. Zu sehr fasziniert die Rattenmutter. Als sie mit einer sanften Geste über Mottes Wange streift, füllen sich ihre Augen mit Tränen, ein sanftes Gefühl breitet sich in ihrem Bauch aus. Das jäh in einen brennenden Schmerz über geht. Die Rattenmutter hat ihre Klauen in Mottes Bauch gestoßen, wühlt in ihren Eingeweiden. Die Tränen fließen, jetzt vor Schmerz. Die Rattenmutter lächelt, als sie gefunden hat, was sie sucht. Mit einem Ruck zieht sie ihre Klauen zurück, ein Teil von Motte in der Hand.
Die Griffe an den Armen lassen los. Motte fällt in den Straßendreck. Unter Schmerzen kann sich Motte auf die Knie kämpfen, eine Hand vor dem Bauch, Blut zwischen den Fingern. Die Rattenmutter kniet sich vor ihr Gesicht. Wieder streicht sie zärtlich über die Wange, gibt Motte einen langen Kuss und meint, damit ist deine Schuld getilgt. Motte fällt mit dem Gesicht in den Dreck.
Alles ist schwarz. Motte öffnet die Augen. Bin ich ausgerutscht, ist der erste Gedanke. Mottes Bauch schmerzt, ein Krampf. Wo ist James mit den Echsen. Haben sie mich einfach liegen gelassen? War ich bewußtlos? Wollen sie nicht mit einem Weichhäuter kämpfen? Motte kommt schwerfällig auf die Beine. An der Straßenecke sieht sie Kazuug, wie er in Richtung Hafen stapft. Im Vorbeilaufen greift er einen Menschen – Motte kann nicht sehen, ob Bewohner oder Scherge – beißt den Kopf ab und wirft ihn weg. Sein höhnischer Blick trifft Motte, als er ruhig seinen Weg fortsetzt.
Allein habe ich keine Chance, denkt Motte. Die Albträume zehren an meiner Kraft. Ich muss zu James. Mein Mentor. Mit purer Willenskraft kommt Motte wieder auf die Beine. Jeder Schritt bereitet Schmerzen, aber mit jedem Schritt kommt auch die Kraft zurück. An der Straßenecke kann Motte bereits wieder rennen.
In der Wachen Welt hat Hartmuut derweil allerhand damit zu tun die Spinnen von den Schlafenden weg zu halten. Jeder Schlag mit dem Hammer trifft, aber die Kräfte lassen langsam nach. Der Boden ist glitschig von den Überresten der Spinnen. Immer wenn er kurz die Augen schließt, um sich Schweiß (bei den Göttern, lass es nur Schweiß sein) aus der Stirn zu wichen ist da noch etwas anderes. Er hört Schlachtgeräusche. Meint Rauch und Blut riechen zu können. Hat kurze Visionen aus Port Grimm.
Von der Straßenecke aus kann Motte einige der T’Skrang sehen. Sie schlachten menschliche Bewohner von Port Grimm ab. Dabei gehen sie systematisch vor, wie James es ihnen befohlen hat. Tod den Weichhäuten! Ist ihr Schlachtruf. Motte schüttelt den Kopf, eingreifen und den Menschen helfen? Oder doch die eigene Rache vollenden. Gerade hat Motte sich entschieden und will sich in Bewegung setzten, da erscheint der Lehrling von Mutter Bogwin.
Als die T’Skrang Motte sieht wirft sie einen Zauber. Offensichtlich ist es auch ihr Ziel alle Weichhäuter zu töten. Mehr verärgert, als geängstigt greift Motte zu einem Gegenzauber. Offensichtlich aber ist die Nachwuchsschamanin auch in der Lage die Albtraumwinde zu nutzen. Motte wird gegen eine Hauswand geschleudert und schlägt hart mit dem Kopf auf. Kurz wird Motte schwarz vor Augen.
Der Moment dauert kaum einen Augenblick. Wütend springt Motte vor. Aber die Schamanin ist schon verschwunden. Motte atmet durch, fühlt nach den Energien der Albträume, läßt sich von den Winden der Magie umtosen, schöpft Kraft. Ein Gefühl durchdringt den gesamten Körper, größer, stärker, schneller – mächtiger zu sein, als jemals zu vor, als alle anderen.
Mottes Gedanken rasen. Ich werde meine Rache erfüllen. Die T’Skrang, werden mich nicht aufhalten. Keiner wird mich aufhalten! Ich bin Eirlys, das Werkzeug der Schneeprinzessin, ich besitze die Macht der Gletscherdrachen! Ich. Bringe. Den. Tod! Motte schreit. Mit dem Schrei verdichtet sich die Luft. Wasser kondensiert, wird zu Eis. In einem Wirbelsturm aus messerscharfen Eissplittern schreitet Motte in Richtung des Hafens. Um sie herum eine Blase der Zerstörung. Alles, was in ihren Weg kommt wird zermahlen. Motte achtet nicht mehr auf den Weg. Karren, Tiere, Menschen, T’Skrang – alles was in ihrem Weg liegt muss weichen oder wird als blutiger Schnee hinter ihr zurückbleiben. Motte sieht nur noch ihr Ziel klar, die Rache muss vollendet werden, alles andere versinkt in einem roten Nebel.
Endlich ist die „Bunte Kuh“ in Sicht. Zwar wirkt sie größer, dunkler, irgendwie verzerrt, aber dafür hat Motte keinen Blick. James hat das Gros der Echsenmenschen auf Schleichwegen zum Schiff geführt. Gerade sind sie dabei die Reling zu stürmen. Achtmesser koordiniert eine Verteidigung am Achterkastell, während ER hochmütig am Ruder steht. Wie in Mottes Träumen stechen zwei Hörner aus seiner Stirn, Macht umwabert ihn.
Motte schreit wütend auf. Der Tod Bäcker ist ihre Katharsis. Der Kopf von Bäcker gehört Motte, nur deshalb erträgt sie alle Schmerzen, wandelt am Rand des Abgrunds. Als auch Kazuug in seiner Riesengestalt sich nähert, beginnt Motte zu rennen.
Während des Laufens ringt Motte mit Wut und Enttäuschung. Blutige Tränen ziehen Schlieren über ihr Gesicht. Nicht nur das Haar ist weiß, wie Schnee. Der Eiswirbel ist zu einem Sturm angewachsen. Jeder Schritt Mottes hinterläßt den eisigen Fußabdruck des Winters, Schnee sammelt sich in ihrem Weg.
Rücksichtslos pflügt Motte durch T’Skrang und Hanse-Schergen. Einige der Körper zerschellen auf dem Deck. Die Berührung Mottes hat sie in Eis verwandelt. Achtmesser wird von ihr mit einem beiläufigen Schlag an die Seite gewischt. Die Macht Bäcker reicht gerade, um nicht vom Eissturm zerfetzt zu werden. Dem Schlag mit der eisigen Axt kann er nichts mehr entgegen setzen. Sein Kopf fällt mit dem Ausdruck des Erstaunens vor Mottes Füße. Nicht einmal für einige letzte Worte wurde Ihm die Zeit gelassen.
Endlich hat sich der Sinn ihres Lebens der letzten Jahre erfüllt. Endlich kann Motte frei sein. Sie greift nach dem abgetrennten Kopf, hebt ihn hoch über sich. Schreit vor Triumph, genießt das angenehme Gefühl des Sieges. Jetzt da die Rache endlich erreicht wurde, will ein Teil von Motte zurück, zurück in ein Leben, das sie nie führen konnte.
Aber der Weg zurück ist verschwunden. Das kleine hilflose Mädchen, das sich verstellen musste, das nach Wegen und Macht für die Rache gesucht hat ist nicht mehr. Motte hat sich verändert, ist gewaschen, hat Macht erlangt. Sie ist Eirlys die Heroldin der Eisprinzessin.
Als sie mit dem Kopf in der Hand auf das Deck schaut, sieht sie die entsetzten Gesichter der Menschen, die T’Skrang in unterwürfiger Position. Sie ist jetzt bald die Herzogin der Gletscherdrachen. Jede menschliche Wärme ist aus ihr verschwunden, ihr kaltes Herz ist erfüllt von eisiger Macht. Im Triumph schließt sie die eisigen Augen, um den Moment voll auskosten zu können.
Aber ein quälender Schmerz hindert sie. Motte spürt, dass sie wieder allein ist. Sei fühlt, dass ihre Mentoren sie im Stich gelassen haben. James hat den Kampf vermieden, sie machen lassen, hat sie nicht versucht zu unterstützen. Hartmuut hat sie nicht begleitet und Juri ist gar nicht erst mit gekommen. Derweil hat sie eine Hauptlast des Kampfs getragen, hat die Schergen von den T’Skrang abgelenkt. Und jetzt an Bord wollten sie Mottes Rache stehlen. Ein wehmütiges Gefühl beschleicht Motte, das langsam in eine unterschwellige Wut übergeht. Erst der Ruf „Motte was hast du getan?“ läßt sie wieder die Augen öffnen.
Motte steht auf dem Achterdeck, hält einen Kopf in der einen und ihre Axt in der anderen. Zu ihren Füßen liegt ein kleiner Körper. Ein markantes Lachen hallt in ihren Ohren – Bäcker. Motte ist irritiert, lacht der abgeschlagene Kopf sie aus? Dann realisiert sie, dass Bäcker noch lebt. Sie hält den Kopf von Brodert Quink in der Hand. Sie hat in ihrem Wahn den liebenswerten Gelehrten getötet. Jegliche Kraft weicht aus ihrem Körper die Axt entgleitet ihrer Hand. Sie sinkt auf dem Deck zusammen, hält den Kopf in beiden Armen, fängt hemmungslos an zu weinen.
Schwere Schritte von eisenbeschlagenen Stiefeln nähern sich Motte. Durch den Schleier ihrer Tränen nimmt sie kaum wahr, was Bäcker sagt. „Mein kleiner Silberstreif, ich habe dir doch immer gesagt, uns verbindet ein besonderes Band. Denkst du das kannst du so einfach durchschneiden? Glaubst du deine Gefährten sind deine Freunde? Nur ich kann deine Einsamkeit füllen. Sie haben dich beim ersten Angebot ausgeliefert. Du bist ihnen vollkommen egal.“ Bäcker legt beinahe zärtlich die Hand auf Mottes zitternden Körper. Dann greift er hart zu und zieht Motte mühelos auf die Füße. „Aber bevor du wieder mein Sonnenschein sein darfst, werde ich dich natürlich strafen müssen! Das verstehst du doch? Vor allem, da du dir etwas hast nehmen lassen, was mir gehört!“ Motte kann nur noch schreien, nichts ist gewonnen, alles verloren, die zeit des Schmerz beginnt von neuem. Motte kann nicht mehr Weinen, nicht mehr Schluchzen nur noch die Augen schließen, in der Hoffnung, dass es schnell vorbei ist.
Dunkelheit umfängt Motte. Diesmal ist die Desorientierung nur ein Wimpernschlag. Kalte Mauern eines Korridors, rau unter ihrer Hand. Ineys spürt die kalten Bodenfliesen unter ihren nackten Füßen. Sie erschrickt, als etwas pelziges im Vorbeihuschen ihren Knöchel streift. Angst umfasst ihr Herz, Tränen laufen ihre Wangen herunter. Wenn sie doch wenigstens nicht ihren Beschützer Verloren hätte. Aber Tante Agathe der kleine Affe aus Lumpen liegt irgendwo in dem Schlafsaal, aus dem sie geflohen ist. Ein leises Kichern läßt sie schwer schlucken. Sie sind so nahe. Vor lauter Angst kauert sie sich in eine Ecke des Gangs und schließt die Augen.
Als Motte die Augen öffnet überlagert sich ihre Wahrnehmung. Eine Flut aus verschiedenen Bildern schiebt sich übereinander, der Gang aus ihrer Kindheit, das Achterdeck der Bunten Kuh, Port Grimm, das Innere des Tempels. Mottes starker Schwindel läßt ihren Magen rebellieren. Motte muss Galle ausspucken. Dann kommt der Schmerz, ihre Eingeweide verkrampfen, jeder Schnitt, jeder Schlag beginnt zu schmerzen. Genauso plötzlich ist es vorbei. Motte steht wieder sicher auf den Füßen.
James steht mit einer großen Gruppe T’Skrang zu ihrer Rechten. Links steht Kazuug mit einigen anderen Echsen. Dazwischen die Brutmutter. Über allen spannt sich der irisierende lila-schwarze Himmel der Albträume. Um sie herum ist ein Talkessel, ähnlich einer Arena. Sicht ständig verändernde Bäume säumen den Rand, wie Gras im Wind. Undeutlich zu sehen, aber doch deutlich zu spüren nähern sich gigantische Wesen. Die Brutmutter der T’Skrang erscheint und mit ihr kommt die Herrin der langen Nacht. Die Eisprinzessin erscheint.
Mottes Herz hüpft. Der lange Weg der Schmerzen und Angst muss sich gelohnt haben. Die Eisprinzessin wird ihr helfen. Jetzt muss sich Motte nur als würdig erweisen. Ein Lächeln umspielt Mottes Lippen, es ist einer der glücklichsten Momente ihres Lebens. Gerade will sie ihre Bitte an die Herrin der Gletscherdrachen formulieren, da fällt Kazuug ihr ins Wort. Er spricht zur Brutmutter. Motte spürt den Zorn in sich aufsteigen. Was fällt diesem zu groß geratenen Sumpfdrachen ein. Sie wird Herzogin der Gletscherdrachen. Da muss diese Eidechse ihre Bitten hinten an stellen.
Dann mischt sich auch noch James ein. Verhöhnt Kazuug. Stellt seine Ehre in Frage. Schließlich wollte Kazuug nur Weichhäuter töten. Rache nehmen, um jedne Preis. Derweil hat James die T’Skrang-Brut beschützt. Welcher Anführer vergisst seinen Stamm. Nur James ist der wahre held der T’Skrang.
Motte spürt wie eisige Wut in ihr kocht, als die Eisprinzessin sich ihr zuwendet. Mehr in ihren Gedanken als mit Worten spürt Motte die Botschaft der Bringerin des Nordwinds. Motte soll alles hinter sich lassen, sich selbst aufgeben, ihre wahre Stärke zeigen. Als Motte dem Wunsch der Eisprinzessin nachkommt, kann sie am Rande ihrer Wahrnehmung ein Geräusch hören, wie berstendes Eis oder zerbrechendes Glas. Was aber sofort von dem Tosen des Blizzards übertönt wird, den Motte aus ihren Händen strömen läßt. Ein furchterregender Tornado aus Schnee und Eis umgibt Motte, als sie auf die streitenden Kontrahenten um die Führung der T’Skrang zuschreitet. Bereit alles zu vernichten.
In der unterirdischen Anlage hat Hartmuut in der Zwischenzeit alle Phasenspinnen besiegt oder vertrieben. Trotz der irritierenden Einbrüche der Albträume in die Realität. Aber er hat keine zeit zu verschnaufen. Mit einem der letzten Einblicke konnte er sehen, dass Motte von anderen Kräften eingenommen wird. Der Junge hat sich zu sehr auf Mächte eingelassen, die er nicht kontrollieren kann. Für Hartmuut ist klar. Der Junge muss wieder in die Wirklichkeit geholt werden. Tollkühn tritt er in die Albträume ein. Doch er kann Motte nicht erreichen. Der Blizzard ist zur Stark. Denn auch wenn Hartmuut es gewohnt ist durch Schnee und Eis sich einen Weg zu bahnen. Die Winde lassen ihn nur wenige Zoll vorankommen.
So muss er hilflos mit ansehen, wie der Kampf um die Gunst von Brutmutter und Eisprinzessin eskaliert. Denn kaum hat Motte ihre Kräfte entfesselt, stürzt sich Kazuug auf sie, durchdringt den Blizzard und will seine Zähne in das weiche Fleisch von Motte schlagen. Aber Motte ist nicht unvorbereitet. Sie ist keine leichte Beute. Mit ihrer Axt aus Eis gelingt es ihr den Angriff abzuwehren. Dann geht sie zum Gegenangriff über, schlägt Wunde um Wunde in den sich verzweifelt wehrenden Kazuug.
Als er am Boden liegt hindert nur Hartmuut sie daran ihm den Rest zu geben. Mit seinem Hammer versucht er Vernunft in den Jungen zu prügeln. Aber Motte ist erfüllt von der Macht der Eisdrachen. Die Haut schimmert, wie altes Eis, die Augen und Haare sind weiß wir Schnee die Lippen dagegen rot von Blut. Alle Angriffe von Hartmuut währt Motte ab. Aber auch Motte zeigt Schwäche, so dass der Kampf hin und her wogt.
Dann greift James in den Kampf ein. Abgelenkt und geschwächt kann Motte dem nichts entgegen setzten. Ein Stich ins Bein ein Schlag mit der Faust gegen den Kopf. Motte taumelt, spuckt Blut und schlägt, wie ein gefällter Baum zu Boden. Augenblicklich ist der Blizzard vorbei. James stößt einen gutturalen Schrei aus. Er ist der unumstößliche Sieger. Kazuug, mittlerweile auf sein normale Größe geschrumpft, ist der Erste, der mit einer Geste der Unterwerfung die Führung anerkennt – nur der Stamm zählt. Mit Hilfe von Mutter Bodwin wird eine neue Brut aus der Taufe gehoben.
Langsam verblasst die Albtraumwelt, wird vom Brutteich im Labor eingenommen.
In der Albtraumwelt versucht Motte langsam wieder auf die Bein zu kommen. Schwankend schafft sie es aufzustehen. Ihr Gesicht schmerzt, sie schmeckt ihr Blut. Mit einer Hand schützt sie ihren Bauch, auch hier ist eine blutende Wunde. Ihr Körper ist von Schnitten und Schlägen gezeichnet. Die Eisprinzessin steht in all ihrer Herrlichkeit inmitten von toten Körpern. Motte erkannt Feinde, aber auch Freunde unter den Leichen. Sie kann sich nicht mehr aufrecht halten. Als die Eisprinzessin zu sprechen beginnt, fällt sie auf die Knie.
Die Stimme der Herrin der langen Nacht ist gewaltig, wie eine Lawine, als sie sagt: „ Du hast mich enttäuscht! Also büße für dein Versagen. Deine Seele wird gebrochen und auf das Rad geflochten.“ Motte weiß, die Mutter der Gletscherdrachen verzeiht keine Schwäche. Eine bittere Traurigkeit hat Motte erfasst, Selbstmitleid und Versagen mischen sich unter die Erkenntnis gleich ein grausiges Schicksal zu erleiden. Neben der Eisprinzessin erscheinen die anderen Jahreszeiten. Der Grüne Mann hat Ähnlichkeit mit James, während Hartmuut als Avatar des Jägers erscheint. Als Motte die Schwester der Eisprinzessin sieht, füllen Tränen ihre Augen. Die Sommerkönigin erscheint in der Gestalt von Juri. Sie läßt ein großes Wagenrad erscheinen. Sogleich wird Motte auf den Boden ausgestreckt. Auf ein Nicken der Eisprinzessin läßt Juri das Rad auf den ausgestreckten Arm von Motte niedersausen. Mit dem Schmerz kommt die Dunkelheit.
In der wachen Welt sind die Überlebenden wieder zu sich gekommen. Nur Motte scheint in den Albträumen gefangen zu sein. Hartmuut wird vom Mutter Bogwin daran gehindert Motte aufzuwecken. Sie muss es aus eigenen Antrieb schaffen oder ihr Geist bleibt in der Albträumen gefangen, ist ihre Erklärung. Und so starren Hartmuut und James mit gemischten Gefühlen auf die schlafende Gestalt Mottes. Langsam bilden sich Spuren auf ihrem Körper. Spuren von Erfrierung zeigen sich, eine tiefe Wunde am Bauch fängt langsam an zu bluten. Schnitte und Blessuren erscheinen überall auf der Haut. Eine Seite des Gesichts schwillt an. Dann bricht unter lautem krachen Mottes linker Arm an zwei Stellen, so dass die Knochen herausragen. Mit dem letzten Knacken richtet sich Motte mit einem Ruck auf. Ihr lauter Schmerzensschrei läßt alle T’Skrang zu ihr blicken. Motte ist wach. Aber nur kurz bei Bewußtsein, denn vor Schmerzen fällt Motte sogleich in einen Dämmerzustand, nur ihr erbärmliches Wimmern zeigt, dass sie nicht tot ist.
Wieder herrscht totale Finsternis im Gang. Leise sind hallen Ineys Schritte von den Wänden zurück. Nackte Füße, die über nasse Steine tapsen. Dahinter schwere Schritte, von Stiefeln, die immer näher kommen. Motte hört wie ein Gegenstand aus Metall mit der Spitze über den Boden schleift. Dazu die bekannte Stimme, wie sie misstönend ein Kinderlied anstimmt: Flieh Motte, flieh - Im Südmeer herrscht bald Krieg - Es regt sich was im Albtraumland - Dann wird Port Grimm bald abgebrannt - Flieh Motte, Flieh. Dann folgt Gelächter. Motte gibt ein heiseres, erschöpftes Keuchen von sich beginnt zu Rennen.
Sonntag, 3. August 2025
In the temple of ... 3.2.
Sonntag, 11. Mai 2025
Mottes Tagebuch - In the temple of... Teil 3.1
Wir sind wieder im Dorf der Skrang. Was war das für ein Empfang! Ich habe das Gefühl nie wieder etwas Essen zu müssen. Mein Kopf ist ganz leicht. Obwohl es keinen Wein gab, fühle ich mich berauscht. Aber ich schweife schon wieder ab. Ich will von dem Rest unserer Aventurie berichten.
Wir erkundeten also den Gang, der uns mutmaßlich in Richtung der Ankheg bringen würde. Wir kamen an einen Durchgang, der uns zur Höhle führte, wo die Ankheg auf ihre Beute warteten. Bevor wir aber die Bedrohung für die Skrang beseitigen, wollten wir uns beraten. Darauf bestand Hartmuut. Juri wäre sicher Stolz auf uns. Denn wir machten nicht nur einen Plan, wir hielten uns auch daran!
Nun gut der Plan war auch äußerst simpel. Ich nahm einen Stein und warf ihn in den ersten Trichter. Damit wollten wir einen Ankheg hervorholen, den Hartmuut dann mit seinen neu entdeckten Kräften beeinflussen sollte. Das klappte wundervoll. Der Ankheg kam nicht nur hervor, er schleuderte auch den Stein in einen anderen Trichter, so dass gleich zwei Ankheg aus ihrem Versteck kamen.
Nun kein Plan überlebt den ersten Augenblick der Schlacht. Kazuug und James schafften es nicht, den heranstürmenden Ankheg im Fernkampf zu besiegen. Also nahm James seine Glefe und stellte sich dem Monster entgegen. Selbstverständlich nahm ich an seiner Seite Aufstellung. Schließlich dürstete meine Axt nach, was auch immer diese Viecher in ihren Adern haben.
Der Kampf der folgte, war kurz. James erledigte den ersten. Hartmuut ließ den von ihm kontrollierten Ankkheg einen anderen erledigen und erschoß einen weiteren. Nur Kazuug und ich taten nichts bei. Kazuug, weil sein Bogen nicht den Panzer durchdringen konnte. Ich dagegen wollte meine Axt nicht werfen, da ich dann ohne Waffe dagestanden hätte. So wurden alle Monster erledigt, bevor sie in Reichweite von Hansablitz waren.
Ich hätte den letzten Ankheg erledigen können, aber da er immer noch unter dem Einfluss von Hartmuut stand, wäre es eher die Arbeit eines Schlachters. Das war einer Barbarin nicht würdig, so verzichtete ich dankend. Dafür nutzte ich aber die Gelegenheit Hartmuut über die Schulter zu sehen, wie er die Säure eines erschlagenen Ankheg erntete. Wer weiß, wozu ich das Wissen dereinst gebrauchten kann.
Nun gab es die Frage – war damit unsere Auftrag erledigt. Hatten wir den Komplex gesichert? Wir wußten immer noch nicht, ob etwas im Bassin des Zentralraums lauerte. Sicher war, die Gänge nach dem Raum hin, waren nicht von den Ankheg gegraben worden. Also musste wieder ein Plan her!
Zunächst erkundeten wir wieder das Gelände. Die zähe Flüßigkeit, die Farbe und auch wozu die Runenmeister das Gebäude genutzt hatten, ließ James daran denken, dass dies ein Brutteich sein könnte. Der Legende nach hatten die Ahnen der Skrang diese Teiche genutzt, um bei Bedarf Armeen von Kriegern entstehen zu lassen. Daher war dies genau das, was wir suchten. Daher konnten wir das grüne, gallertige Wasser nicht einfach ablassen. Es war zu wertvoll für die Echsenmenschen.
Aber offensichtlich war es auch hochmutagen. Besser wir kamen ungeschützt nicht lange damit in Berührung. Trübe war es natürlich auch, so dass wir nicht einmal eine Fingerlänge weit in die Tiefe sehen konnten. Also mussten wir das Wesen wiedereinmal hervorlocken. Denn während wir den Teich beobachteten, konnten wir sehen, etwas großes bewegt sich in der Tiefe.
Wir wählten die einfachste Methode. Je einfacher ein Plan ist, desto weniger kann schief gehen. Wir warfen einen der Ankheg-Kadaver in die Brühe. Das sollte den Bewohner des Teichs hervorlocken. Natürlich verteilten wir uns entsprechend unserer kämpferischen Fähigkeiten, auf dass wir schnell und effektiv handeln konnten.
Tatsächlich lockten wir das Wesen hervor. Ein gigantischer Ankheg, mutiert mit mehreren Greiforganen und Mündern schnappte nach dem Kadaver. Als er uns gewahr wurde, richtete er sich auf, sicher drei Meter, um sich nun am Lebenden zu laben.
Wie abgesprochen schießt Kazuug sofort einen Pfeil ab, doch dieser prallt harmlos am Panzer der Bestie ab. Ich nutze meine Chance, als das Vieh sich in seine Richtung dreht. Schnell sprinte ich los und versenke meine Axt in eine weiche Verbindung von Klauen und Rumpf. Auch James springt vor. Er stößt und hackt mit seiner Waffe, so dass er tiefe Wunden schlägt. Rasend vor Schmerz schlägt das mutierte Monster dann um sich. Während James geschickt ausweichen kann, gelingt es mir nicht den säbelartigen Klauen auszuweichen. Ein tiefe Wunde am Arm lässt mich zurückweichen. Zum Glück. Denn hätte ich nicht meinen Arm gehoben und wäre erschrocken zurückgewichen, sicher wäre mein Kopf von den Schultern getrennt worden. Nun aber ist Hartmuut bei uns. Mit dem Adamant-Hammer werden Chitin-Panzer zerschlagen. Diese Lücken nutzt James und macht dann dem Vieh ein Ende.
Während James und Kazuug die Überreste des Monsters aus dem Teich bergen, verbindet Hartmuut meine Wunden. Ich muss meine ganze Kraft zusammen nehmen, um nicht los zu heulen. Denn nicht nur hat das Monster mir eine klaffende Wunde geschlagen. Damit in keinen Wundbrand bekommen schüttet Hartmuut mir etwas von seinem Tee-Spezial-Gewürz über die Wunde. Sicher hätte es auch gereicht die Wunde auszubrennen, der Schmerz wäre vermutlich der Gleiche. Leider hatte ich nicht schnell genug reagiert. Denn einen Heiltrank hatte ich noch in meinen Sachen. Sei’s drum. So gibt es hoffentlich eine dekorative Narbe.
Aber nun will ich schließen. Das Dorf erwacht mit Leben. Wir packen alles Wichtige zusammen, denn es geht jetzt zum neuen Heiligtum. Mutter Bogwin wird das Ritual vollführen und den Stamm in die Traumwelt führen, damit sie um Geschenke der Großen Brutmutter bitten können. Als Helden des Stammes sollen wir die Ehre haben daran teilnehmen zu können. Ein Chance Wissen jenseits aller Bücher zu erlangen. Ich habe bereits etwas neue Tinte hergestellt. Denn sicher habe ich viel zu dokumentieren. Ich bin so aufgeregt!
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Wieder bin ich in Eile, will ich doch schnell ein paar Zeilen auf das Papier werfen, bevor wir mit dem Ritual beginnen. Nachdem Naktok und Mutter Bogwin ein kurzes Ritual oder Dankesgebet durchgeführt hatten, setzte sich der ganze Stamm in Richtung der Ruinen in Bewegung. Mit großem Tamtam, seltsam melodischer Musik, schritten wir durch den Dschungel. Es war eine eigenartige Stimmung, die mich ergriffen hatte, als wir dann die Treppe in die Laboratorien herunterstiegen. Die Ahnung Teil eines großen Ereignis zu sein. Im Hintergrund, tief in meinen Eingeweiden, nagte aber auch die Angst vor dem Unbekannten.
Da wir keine Aufgabe hatten, beobachte ich genau, wie der Brutraum mit dem Teich für das Ritual vorbereitet wurde. Die Kampfspuren wurden beseitigt, Blumen und andere wohlduftende Pflanzen wurden in Mustern drapiert. Mit Farbe wurden Runen an Boden und Wände geschrieben. Diese habe ich so gut es ging kopiert. Später werde ich versuchen sie zu entschlüsseln.
Bevor dann das eigentlich Ritual starten sollte, wurde aber James nochmal als Held des Stammes geehrt. Er bekam einen Titel, der ihn sichtlich verlegen machte, den ich aber nicht verstand. Ich interpretiere mal, dass er jetzt so etwas wie ein Häuptling ist. Auf jeden Fall wurde er mit Blumen behängt und seine Haut mit farbigen Symbolen bemalt. Schließlich würde ihm jetzt zukommen den Stamm durch die Traumwelt zu leiten. Ich habe bemerkt, wie sich das warme Gefühl von Stolz in meiner Brust breit machte, dass ich so einen berühmten Lehrmeister habe.
Darauf wurden auch Hartmuut und ich gefragt, ob wir den Stamm zur Brutmutter begleiten wollten. Schließlich sind wir durch unsere Taten jetzt auch Kinder des Stammes. Natürlich war es für mich keine Frage. Die Möglichkeit die Traumwelt als Kollektiv zu bereisen und die Träume der Skrang zu sehen? Dafür würde ich meinen rechten Arm geben, nun gut den Linken, damit ich noch leserlich schreiben kann.
Hartmuut wollte auf keine Fall die Traumwelt betreten. Die reale Welt fand er beängstigend genug. Auch versuchte er es mit auszureden. Er hatte sichtlich Angst um „seinen Jungen“. Aber ich konnte ihm klar machen, dass dies ein Herzenswunsch von mir ist: Wissen zu erlangen, die Möglichkeit Teil eines Lieds zu werden, eine eigene Geschichte schreiben. Schließlich akzeptierte er meine Entscheidung. Auch Naktok fand es gut, dass Hartmuut wachen würde. Schließlich gibt es immer noch die Phasenspinnen.
So machte auch ich mich bereit dem Stamm in die Traumwelt zu folgen. Mein Körper wurde ebenfalls mit Symbolen bemalt. Zum Glück mußte ich mich dazu nicht ganz ausziehen. Ich wurde so schon angestarrt. Denn es war für die meisten Skrang seltsam genug, dass ich an dem Ritual teilnehme. Da hätte ich mich doch etwas geniert. Es war schon seltsam genug, dass das Lehrmädchen von Mutter Bodwin von meinen Brüsten fasziniert zu sein schien. Ihr war nicht klar, warum Weichhäuter Polster an der Brust brauchten. Sei’s drum. Vielleicht gebe ich ihr später noch eine Vorlesung zur menschlichen Anatomie. Die Theorie habe ich ja gelernt.
Nun geht es los. Mutter Bogwin ruft. Hartmuut macht sich bereit – sicher will er mich auch nochmals ermahnen vorsichtig zu sein und keine seltsamen Wünsche, wie einen dritten Arm oder zweiten Kopf, an die Brutmutter zu richten. Sei’s drum. Ich fühle die seltsame Erregung, wie ich sie immer vor dem Griff nach den Winden der Magie verspüre. Die pure Vorfreude auf die Energie, die mich durchfließen wird. Ich werde Teil von etwas Großem sein!
Sonntag, 20. April 2025
Mottes Tagebuch - In the temple of... Teil 2
Ich bin wirklich froh, dass Juri nicht mit uns gekommen ist. Sicher würde sie nicht müde werden mich entweder zu schelten oder aufzuziehen. Das soll mir eine Lehre sein, mich nicht allzu sehr auf mein Wissen zu verlassen. Oder zumindest nicht voreilige Schlüsse zu ziehen. Aber ich will nicht lamentieren, sondern kurz die Ereignisse zusammen fassen, habe ich doch das Gefühl, die Pause wird nur von kurzer Dauer sein, denn es scheint noch etwas Großes hier zu lauern. Also frisch ans Werk und schnell die Ereignisse niedergeschrieben.
Bevor wir die Ruine erkundeten, gönnten wir uns einen leckeren Braten vom Eulenbär. Ich bin immer wieder überrascht, wie gut es Hartmuut gelingt, aus nur wenigen Zutaten eine vorzügliche Mahlzeit zu bereiten. Entgegen meiner Erwartung schmeckte der Braten eher nach Geflügel, als nach Wildfleisch. Aber ich schweife ab.
Wir untersuchten zunächst den oberirdischen Teil der Ruine. Entgegen der ersten Vermutung kein Tempel, sondern mehr eine Akademie der Forschung, sicher aus der Zeit der Runenherrscher, den Zeichen nach von Alaznist. Die Gegenspielerin von Kazoug hatte hier vermutlich an den Chimären geforscht, um einen Vorteil gegen den Herrn der Gier und seine Transmutationszauber zu finden.
Vielleicht wurde hier sogar die Rote Wut aus dem Blut der Donnerechsen synthetisiert. Ich hatte auf der Akademie etwas darüber gelesen. Voller Vorfreude machte ich mich auf, mit den anderen auf den unterirdischen Teil der Anlage zu erkunden, gespannt auf die Wunder, die es dort noch zu entdecken gab.
Der unterirdische Bereich war auffallend sauber, beinahe blank, so, wie er sich wohl zur Zeit der Runenherrscher auch dargeboten hätte. An den Wänden waren die Zeichen und Fresken von Alaznist zu sehen. Und in der Halle, die sich uns am Ende der Treppe darbot, erwartete uns das erste Wunder – oder besser der Schrecken? Das Gesicht der Herrin der Wut manifestierte in der Halle und begann mit einem Willkommengruß. Nun da er in der Art von Alaznist war, wurden wir in einer Lautstärke angeschrien, die noch jetzt meine Ohren klingeln läßt. Ich konnte später die Ansprache entschlüsseln. Sie lautete: „Willkommen im Transmutationslabor. Geht erst zur Desinfektion in den Reinigungsraum. Danach erst vergibt der Laborleiter die Aufträge.“ Eine Botschaft, die immer und immer wieder repetiert wurde.
Dank meiner Ausbildung konnte ich schnell erkennen, dass es ein Trugbild war, das uns nichts anhaben konnte. Ganz im Gegensatz zu den Phasenspinnen, die urplötzlich aus dem Immaterium erschienen und uns angriffen. Nur mit Glück konnten wir die Oberhand behalten, waren wir doch durch das anhaltende Geschrei abgelenkt. Ein taktischer Rückzug durch eine eingestürzte Mauer brachte uns Ruhe, denn Alaznist und die Spinnen blieben im angrenzenden Raum.
Zu unserem Glück hatten wir aus Totholz noch Gegengift. Hatten die Spinnen doch mich und Kazuug erwischt. Schwarze Schwären breiteten sich von den Wunden aus. Doch das Antidot war potent, sonst würde ich jetzt nicht die Ereignisse aufschreiben, sondern würde langsam von einer Spinne ausgesaugt. Sei’s drum, es ist ja noch alles gut gegangen. Wenn auch Kazuug durch einen Raum flüchtete, der eine Säurefalle enthielt. Aber auch hier ging es zumindest noch glimpflich für ihn aus.
Die Höhle in die wir geflüchtet waren, konnten wir aber nicht für eine weitere Erkundung nutzen. Denn Hartmuut offenbarte sich sofort mit kundigem Blick, dass Ankheg dort auf Beute lauern. Also blieb uns nur der Weg durch die Eingangshalle.
Wir debattierten, wie wir die Illusionsfalle beenden können, ohne von den Spinnen getötet werden würden. Dafür müssten wir uns wieder der Gefahr der Spinnen aussetzen. Wir wollten dann versuchen die Spinnen zu den Ankheg zu locken, damit sie sich gegenseitig erledigen würden. Leider hätten alle Pläne beinhaltet mich als Köder zu nutzen. Schließlich werden Phasenspinnen von Magie angezogen. Dieses Risiko wollte ich dann trotz aller Opferbereitschaft nicht eingehen. Denn im Gegensatz zu Juri ist meine Zauberkraft nicht auf Kampf und Konfrontation ausgelegt. Es sind „Mädchenzauber“ wie ER immer wieder betonte. Also blieb uns nur der Weg durch die Halle, an Trugbild und Spinnen vorbei.
Tatsächlich gelang es uns mit Hilfe guter Vorbereitung, Schnelligkeit und Entschlossenheit den Plan in die Tat umzusetzen. Leider sind wir nicht so schnell, wie gehofft. Die Phasenspinnen erscheinen, ebenso, wie das Trugbild. Doch wir schaffen es Dank des Plans nicht nur die Spinnen abzuwehren. James gelingt es mit dem Schmiedehammer die Wand zu zertrümmern, was das Trugbild verschwinden läßt. Leider hatten noch zwei Spinnen überlebt. Doch darum würden wir uns später kümmern, erst wollten wir noch weiter die Anlage erkunden.
Auch der Gang zum Büro des Aufsehers war mit Fallen gesichert. Doch diese waren so offensichtlich, dass sie keine Gefahr darstellten. Genau so wenig, wie die Tür zum Raum des Aufseher ein Hindernis war. Aber zu meiner großen Enttäuschung konnten wir keine Schätze oder Wissen finden. Die Aufzeichnungen war so alt, dass sie unter meinen Händen zu Staub zerfielen. Ich musste mich sehr beherrschen, nicht in Tränen auszubrechen, ob des Verlusts. Denn wie hätte es vor James und Kazuug ausgesehen, wenn die angehende Barbarin für zerfallenes Papier Tränen vergießt.
Also blieb uns nur der letzte große Raum, in dem die Experimente stattgefunden haben müssen. Viele der Geräte und Apparaturen aus der Zeit der Runenherrscher waren noch vorhanden. Welch ein Schatz! Ein alchemistisches Labor zur Untersuchung von Bindungen und Beschwörung. Dem ersten Anschein nach auch weitgehend intakt erhalten! Selbst jetzt zittert mir die Feder vor Aufregung. Sorge bereitet uns aber noch der große Teich mit grüner Flüssigkeit, denn dort könnte sich etwas großes verbergen. Etwas, das die Wand in diesem Raum zum Einsturz gebracht hat. Denn für die Ankheg war die Zerstörung zu groß. Also sollte der Teich mit der grünen Flüssigkeit der Mitte des Labors ablassen werden, damit wir der dort – möglicherweise – lauernden Gefahr begegnen könnten.
Leider war ich von meiner eigenen Genialität geblendet. Ich glaubte mich zu erinnern, dass häufig ein großer roter matter Edelstein gedrückt werden müsse, um einen Reinigungsprozess in Gang zu setzen, was sicher einen Abfluss für den Teich geöffnet hätte. Das tat ich dann auch. Nur leider hatte ich nicht bedacht, was eine Reinigung noch alles beinhalten könnte.
So fanden wir uns kurz drauf auf der Flucht vor eine Säurewolke wieder, die sich aus der Mitte heraus ausbreitete und schnell begann den Raum zu füllen. Es gelang uns mit nur wenigen Blessuren zu fliehen. Durch die eingebrochene Wand, in der Hoffnung dort nicht nur sicher vor der Wolke zu sein, sondern auch nicht auf den Verursacher des Einsturz zu treffen. Zu unserem Glück erfüllten sich beide Hoffnungen. Doch jetzt gilt es den letzten Teil zu erkunden, die Phasenspinnen zu besiegen und den Raum zu den Ankheg zu versiegeln, damit die Skrang hier ihre Rituale abhalten können.
Montag, 31. März 2025
Mottes Tagebuch - In the temple of... Teil 1
Mal wieder geht es gleich los. Daher will ich mich kurz fassen. Schließlich ist nicht viel passiert, aber konnte ich doch einiges interessantes in Erfahrung bringen.
Nachdem Juri uns mit den Dörflern verlassen hatte, machten wir uns auf in Richtung des alten Zwergenklosters und von dort aus in Richtung der Zuflucht der Skrang. James zeigte Hartmuut und mir auch die geheimen Zeichen an denen wir durch die Tunnel das Tal der Riesenechsen erreichen konnten. Eine große Ehre, wie uns bewußt wurde.
Das Tal der Riesenechsen zeigte sich mit seiner üppigen Vegetation noch grüner, als ich es in Erinnerung hatte. Leider war es auch heißer und feuchter als in meiner Erinnerung. Es war, wie in einer Waschküche. Zum meinem Glück ist meine Kleidung recht leicht. Nichtsdestotrotz lief mir der Schweiß in Strömen den Körper herunter. Meine Bemalung hatte sich in weiten Teilen bereits von meiner Haut gewaschen. Sei’s drum. Die neue Zuflucht der Skrang entschädigte selbst diese Strapazen.
Das Dorf war in die Bäume gebaut. Plattformen waren mit Hängebrücken verbunden und einige der Bäume trugen ganze Häuser. Erreichen konnten wir die Siedlung dann über einige Strickleitern. Eine gute und zweckmäßige Art an einem Ort zu bauen, der vor Raubtieren wimmelt. Ganz davon abgesehen, dass er auch gut gegen zweibeinige Predatoren zu verteidigen ist.
Von den Skrang wurden wir mit großer Ehrerbietung empfangen. Uns wurde frisches – und überraschend kaltes – Wasser sowie eine große Auswahl an Früchten gereicht. Außerdem wurden uns betörend duftende Blumenketten um den Hals gehängt. Etwas das an Hartmuut zwar seltsam, aber nicht unpassend aussah. Doch leider waren wir nicht zu einem Fest eingeladen, eine Entscheidung stand an.
Wir wurden zum Haus des Goldenen Wächters gebracht. Bei dem uralten Gragoyle waren auch die beiden spirituellen Führer – die Brutmutter Bogyn und der Blinde Naktock. Sie eröffneten uns, dass die Skrang bedroht sind, da die Träume kein sicherer Ort mehr sind. Denn die Träume wirken sich auf die Entwicklung der Skrang aus, was sich bei den anhaltenden Ablträumen in Mutationen äußern würde.
Uns wurde aber von Mutter Bogwyn eröffnet, dass es Rituale gäbe mit denen die Mutation gesteuert werden könnte. Denn wenn die Traumwelt betreten wird, könne die Mutter Geschenke bringen. Ein interessanter Gedanke kam mir, denn hatte ich doch schon Träume lenken können. Was wäre alles noch in der Traumwelt möglich? Wenn ich mich auf der Akademie doch nur besser mit der Kunst der Traumwelt beschäftigt hätte.
Doch es gab immer noch ein Risiko, es konnten „Nebenwirkungen“ auftreten, unerwünschte Gaben der Mutter waren nicht ausgeschlossen. Denn es musste ein Ort gefunden werden, an dem das Chaos in reiner Form vorkommen würde. Uns wurde darauf Kazuuk vorgestellt, ein Skrang mit roten Schuppen, der eine innere Hitze auszustrahlen schien. Er war bereits durch die gezielte Mutation gerettet worden. An einem Ort, wo es vermehrt Chimären gibt
Daher wurde uns auch die zweite Möglichkeit vorgestellt. Von einem Wesen das uns stark erstaunte: „Regen an einem sonnigen Morgen“ stellte sich uns vor – ein Pflanzenwesen, das zum Stamm gehörte. Es berichtete uns, dass es einen Ort der Elemente gefunden habe. Dort sei ein Stück des blauen Himmels erhalten geblieben. Dort könnten die Skrang in einem Bassin schlafen, bis die Albträume wieder jenseits der Mauer des Schlafs zu finden seien und die Zeit des Wandels vorbei sei. Eine Zeitspanne, die durchaus über Jahrhunderten erstrecken konnte.
Der Goldene Wächter wollte unseren Rat, da sich der Stamm nicht einig war. Das Teilen der Gruppe war keine Option. Wir berieten uns. Es mag daran liegen, dass Juri nicht bei der Beratung war. So waren wir uns schnell einig. Denn sicher hätte die Seehexe wieder eine andere Meinung vertreten, nur aus Prinzip vermutlich. Oder weil sie nicht der Kraft der Veränderung vertraut. Immerhin wäre Naktock auf ihrer Seite gewesen. So aber werden wir zusammen mit Kazuug aufbrechen, um den Ort für das Ritual vorzubereiten. Denn Kazuug kannte die Ruine eines alten Tempels in dem die Kraft der Veränderung stark ist. So war es jetzt unsere Aufgabe den Ort zu sichern und von gefährlichen Wesen zu befreien. Wir wären sozusagen Kammerjäger.
Wir würden aber erst am nächsten Morgen aufbrechen. Was mich zunächst irritierte, denn es war noch gar nicht spät. Aber die Mutter Bogwyn hatte noch etwas zu besprechen. Sie wandte sich an mich, denn sie hatte erfahren, dass ich eine Brüterin wäre, welche die Winde der Magie weben kann und auch die Traumwelt nicht fürchten würde.
Sie war aber verwundert, weil Hartmuut mich immer als Jungen anreden würde. Daher musste ich ihr erklären, dass es bei dem Volk der Zwerge eine einmal getroffene Entscheidung oder Wahl nur selten geändert wurde. Genauso, wie ein Versprechen immer eingehalten werden müsse. Daher ist es für Hartmuut schwer sich daran zu gewöhnen, dass ich den Jungen nur gespielt habe. Ich verschwieg ihr, dass ich es mittlerweile ganz angenehm finden nicht mehr das Mädchen zu sein, das ich einst war. Das hätte sie sicher noch mehr verwirrt, als Hartmuut bei meinem Geständnis war. Sei’s drum.
Hartmuut hatte unser Gespräch mitbekommen und wollte gerne bei dem Gespräch dabei sein. Doch die Mutter eröffnete ihm, dass dies ein Gespräch über die besondere Gaben der Frauen sei. Männer waren dabei nicht erwünscht. So musste ich Hartmuut erst überzeugen, dass ich schon keine Dummheiten anstellen würde.
In der Hütte begannen wir dann mit einem Einstimmungsritual. Es wurde getrommelt, Kräuter verbrannt und ein bitterer Tee getrunken. Da wir dabei uns zuvor aller Kleidung entledigten, war ich nicht ganz unglücklich, dass Hartmuut nicht dabei war. Wobei ich nicht weiß, wem die Nacktheit unangenehmer gewesen wäre. Und nachdem die Mutter mir eröffnete, was sie zu sagen hatte, war ich froh, dass auch Juri nicht bei uns war.
Denn sie offenbarte mir, dass sie im Traum gesehen habe, dass ich unter dem Schutz der Mutter stehen würde. Und da ich auch die Traumwelt formen kann, könnte sie mir ein Geschenk machen. Sie könnte mir die Gabe der Albtraumraserei schenken. Ich würde dann die schlimmsten Ängste meiner Gegner auf mich selbst projizieren und daraus Kraft schöpfen können. Es wäre nicht ohne Risiko, warnte mich die Mutter. Doch ich musste nicht einen Augenblick überlegen. Ich bat die Mutter mich diese Gabe zu lehren.
In der Zeit, die ich bei Mutter Bogwyn verbrachte, waren auch James und Hartmuut nicht untätig. Nun zumindest James war nicht untätig. Er ließ seine Gelfe reparieren. Dank des Artefakt des Handwerks war sie besser als neu. Hartmuut dagegen hatte sich zur Ruhe begeben und gerade dadurch einen wichtigen Hinweis erhalten, denn er ging schlafen und träumte.
In diesem Traum sah er einen gewaltigen Tempel. Geweiht war er der Roten Herrin, der Gebieterin über die Wut, der Runenherrscherin Alaznist. Dadurch war uns klar: Die Kinder der Skrang würden Kinder der Roten Wut sein. Da James – und auch ich – Erfahrung mit der Wut und der Beherrschung selbiger haben, hatten wir weit weniger Bedenken als Hartmuut. Doch auch er fand es einleuchtend, dass die gebändigte Wut, die gerufen werden kann, wenn sie benötigt wird, einen guten Schutz für den Stamm darstellen würde.
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Bevor wir nun den Tempel erkunden werden, will ich die Ereignisse des Vormittags aufschreiben. Es hat sich einiges entwirrt. Ich bin mir sicher, wir haben die richtige Entscheidung getroffen, das hat sich mir deutlich offenbart. Aber noch will ich es nicht mit den Anderen teilen, noch will ich weitere Beweise sammeln.
Vor unserem Aufbruch besprachen wir noch unsere Taktik. Denn wie wir bei unserem Kampf in Totholz gemerkt hatten, mit einem Plan würden wir unser Risiko gering halten. Juri wäre sicher stolz auf uns, ist sie doch stets auf Ordnung und Planung bedacht.
Unter Führung von Kazuug begannen wir unseren Weg in Richtung der Tempelruine. Unser Weg führte uns durch sumpfiges Gelände. Da wir bereits vorgewarnt waren und einen kompetenten Führer dabei hatten, konnten wir eine Gefahr vermeiden. Es war uns nicht klar was dort lauerte, Krokodile oder Schockechsen. Sicher war nur, an einer Weggabelung lauerte ein Rudel auf uns.
Hier zeigte sich zum ersten Mal, dass unsere Wahl sicher die richtige war. Denn wurde uns offenbart, dass Hartmuut in der Lage war die Stimmen der Predatoren zu hören und zu verstehen. Ohne Zweifel – wir sind gesegnet von den alten Mächten. Jetzt da Hartmuut sich zur Inkarnation des Jägers, der den Sommer in den Winter geleitet, wandelt, wird es deutlicher. Ich bin das Werkzeug der Eisprinzessin, James ist der Grüne Mann, Hartmuut der Jäger und es ist nur logisch, dass Juri mit ihrem hitzigen Temperament ein Avatar des Sommers ist.
Aber ich schweife ab. Schnell hatten wir die Schockechsen überwunden. Hartmuut konnte sie aus ihren Verstecken locken. Ein Schlafzauber setzte die Hälfte der Echsen außer Gefecht. Dann war es für uns ein Leichtes den Rest des Rudels zu besiegen. Hartmuut, ganz der Jäger, häutete die Echsen. Sie würden ein formidablen Lederwams abgeben und noch gut gegen Blitze schützen.
Dachten wir, dass wir nun schnell die Ruinen erreichen würden, wurden wir enttäuscht. Kurz vor den Ruinen wartete ein weiteres Hindernis. Ein Paar Eulenbären hatte sich den Ort für ein Gelege ausgesucht. Kazuug machte uns eindringlich klar, dass wir sie mindestens vertreiben müssten, besser töten. Denn sie würden eine Gefahr für alle in Umkreis einer Meile darstellen.
Wieder hielten wir einen Kriegsrat ab. Eulenbären waren gefährliche Gegner. Daher entschieden wir uns mit List vorzugehen. Wir würden die Bären versuchen sie gegeneinander aufzuhetzen. Also begann unser Angriff mit einem Zauber. Ich nutzte meine Kraft und ließ einen der Eulenbären als Donnerechse erscheinen. Sofort griff der andere diesen an. Dann nutzte Hartmuut die Chance und erledigte eins der drei Küken mit einem gut gezielten Schuss. Dann teilten wir uns James und Kazuug erledigten ein weiteres Küken, ich und James das andere. So blieb uns nur noch die beiden erwachsenen Eulenbären. Diese hatten sich schon gut beharkt. Letztlich war es James, der mit seiner Gelfe gleich beide Bären erledigte.
Jetzt steht uns nichts mehr im Weg, um den Tempel zu erkunden. Ich spüre schon die Aufregung. Was werden wir in den Ruinen finden. Das, was wir jetzt schon sehen können, ist riesig. Welche Wunder werden wir wohl hier entdecken können?
Sonntag, 23. März 2025
Mottes Tagebuch - Geh nicht zum Grinderlach Teil 3.2
Die Vorbereitungen waren schon fast abgeschlossen. Ich sah Juri gerade ein Fass mit Teer auf die Brücke rollen, die von dem Rostüberzogenen Schwert des Titanen gebildet wurde. Alle waren auf ihren Posten. So dass ich mich eilte auch meinen Platz einzunehmen. James hatte mir beim Aufwachen nur „Lawine, dahinten“ zugeraunt. Aber ich hatte keine Mühe die vorbereitete Falle zu finden. Jetzt mussten wir nur noch den Plan umsetzen, dann würde der Grinderlach besiegt werden.
Doch leider begann mein Unglück mit dem Erscheinen des Grinderlach. Ich kappte die Seile zu früh, die Lawine ging vor dem Monster nieder. Beinahe hätte es mich erwischt. Zum Glück konnte ich das Monster mit meinem Alchimistenfeuer treffen, aber die Flasche hätte mir auch aus den Händen gleiten müssen, damit ich die riesige Bestie verfehle. Juri konnte Teer auf das Monster kippen und es so daran hindern aus dem Kessel zu klettern. Denn wieder wurde mir einer meiner Fehler bewußt. Die Dörfler schliefen noch in ihrem Albtraum. Ich hatte nicht daran gedacht, dass James sie auch hätte wecken müssen. Das zog natürlich den Grinderlach von unserer vorbereiteten Falle fort.
Aber zum Glück gaben James und Hartmuut ihr bestes und attackierten das Monster. Dann wurde auch James bewußt, was das Ziel des Grinderlach war. Schnell eilte er die Dörfler zu wecken. Derweil nutzte Juri einen Eisstrahl, um die Bestie daran zu hindern die Schlucht zu erklimmen. Der Segen der Eisprinzessin war ihr hold. Das Monster wandte sich wieder unserer Falle zu. Leider hatten Hartmuut und mich die Glücksgötter verflucht. Als Hartmuut seinen Bogen spannt riß die Sehne. Mir dagegen gelang es nicht die Kraft meines Zaubers zu kontrollieren. Mit meiner Zauber Hand wollte ich das letzte Fass Teer greifen. Doch kaum hatte ich es angehoben zerbarst es unter meiner magischen Kraft.
Nun war es wieder an Juri und James den Grinderlach in die Falle zu bekommen. Was ihnen auch unter Auferbietung von Eis und Stahl gelang. Kaum hatte das Monster den Punkt der Falle erreicht, löste Hartmuut sie auch. Der Brustkorb des Titanen stürzte auf die Bestie und nagelte sie auf den Boden der Schlucht. Dann war es für uns ein Leichtes den Grinderlach wieder in die Albtraumwelt zurück zu schicken. Mit dem Ende des Monsters wurden auch die Überreste seiner Opfer frei gegeben. So konnten wir noch einige magische Gegenstände bergen, die wir unter uns aufteilten.
Da die Dörfler mit dem Ende des Grinderlach weitgehend ihres Wahnsinns geheilt waren, konnten wir sie zurück nach Totholz schicken, Damit sie dort entscheiden konnten, ob sie ihre Heimstatt wieder aufbauen wollten. Juri wollte die Gruppe begleiten, hatte sie doch wohl die Monsterjagd arg gebeutelt. Sie wollte nach Port Grimm, Hilfe für die Siedlung und die Überlebenden organisieren. So verabschiedeten wir uns von ihr, während wir jetzt das Höhlensystem betreten werden, das uns zur Siedlung der Skrang führen wird. Ich bin gespannt, was uns dort erwartet, macht James doch ein ziemliches Geheimnis daraus.
Montag, 17. März 2025
Motte Tagebuch - Geh nicht zum Grinderlach Teil 3.1
Wir haben es tatsächlich geschafft das Monster zu besiegen. Ich hätte es ob der vielen Unglücke und Widrigkeiten die wir erfahren haben nicht auf uns gewettet. Aber tatsächlich sitze ich jetzt auf einem Felsen, der das Schlachtfeld überblickt. Juri ist bereits mit den Dörflern aufgebrochen. Erst die Kinder holen. Sie will sie alle nach Isandras Wacht bringen.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das eine gute Idee ist, habe ich doch meine Zweifel, ob sie so unschuldig sind, wie sie scheinen. Schließlich deuten viele Zeichen darauf hin, dass sie der Quell des Übel sein könnten. Denn immer noch ist die Frage nicht geklärt, wie der Grinderlach in unsere Welt gekommen ist. Die Erzählung der Wahnsinnigen aus dem Tempel deutet in diese Richtung. Vielleicht war ihre Idee, die Kinder als Köder zu nutzen, doch nicht so abwegig.
Aber ich wollte Juri nicht damit belasten, scheint die Gute doch gerade schon eine schwierige Zeit zu haben. Sie hat da so Andeutungen gemacht. Wenn wir wieder in Port Grimm sind, würde sie etwas wichtiges mit mir zu klären haben. Ich hoffe das wird nicht wieder eine ihrer Moral-Predigten über Meer, Gezeiten, Schiffe und den Kram, der mich nur langweilt, weil sie nicht auf den Punkt kommt, ist. Sei’s drum! Erstmal werden wir unsere Reise zum Steinernen Wächter fortsetzen. Vorher will ich aber noch von unserer Aventurie berichten, wie wir den Grinderlach überwinden konnten.
Nach unserer Niederlage beim Steinkreis kehrten wir zunächst nach Totholz zurück. Dort versorgten wir nicht nur unsere Wunden. Auch unsere Planung, die wir bereits auf dem Rückweg diskutierten, wurden ausgefeilt. Der Wahnsinn der Dorfbewohner, so wurde uns klar, hatte Methode. Alles was sie taten stand in Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Grinderlach. Aber es war halt dilettantisch ausgeführt. Eine führende Hand fehlte. Zu schade, dass wir Sir Eisenhardt nicht bei uns haben. Etwas imperiale Kriegsplanung war genau, das was uns gefehlt hat. So entwickelten wir den Plan das Monster in einen Hohlweg zu locken, um es dort von allen Seiten angreifen zu können. Hartmuut kannte die Schlucht des Toten Titans, wo ein solches Unterfangen möglich wäre. Gesagt getan – wir musste nur noch Ausrüstung zusammenstellen und zu der Schlucht gelangen.
Um das Monster anzulocken, würden wir die Dorfbewohner in Schlaf versetzen, damit sie mit ihren Träumen den Grinderlach locken. Dazu mussten sie aber in Schlaf versetzt werden. Außerdem wäre es hilfreich wenn ein großer Geist sie begleiten würde, um sie tief in die Albtraumwelt zu führe. Denn so vermuteten wir richtig, das würde das Vieh anlocken. Natürlich fiel die Wahl auf mich, James ist zu fremdartige in seinen Gedanken, Juri verfügt über zwar ihre eigene Piratenschläue und Hartmuut kennt sich in der Wildnis aus, ich aber habe eine akademische Ausbildung. Ich kenne mich zwar nicht im Traumlauf aus, aber ein wenig memoriere ich doch noch, was ich im Buch „Durch die Tore des Silberschlüssels – die 121 Stufen in den tiefen Schlummer“ gelesen habe. Das wollte ich aber nicht zum Besten geben. Ist Juri doch recht empfindlich, was meine Studien mit den Albträumen angeht.
Zunächst aber wurde alles an Material zusammengetragen, was brauchbar im Kampf gegen den Grinderlach erschien. Hacken, Axte und Hämmer, um eine Falle zu bauen. Teer und Fässer mit Rum, damit wir das Vieh in Brand stecken können. Natürlich durften Wagen und Zugtiere nicht fehlen. Auch wenn wir einen Wagen zurücklassen mussten, weil das beladene Gefährt nicht aus den Ruinen herauskam. Und natürlich die Dorfbewohner.
Das war ein dann doch erstaunlich einfaches Unterfangen. Wir versammelten alle, bis auf die Kinder in der Taverne - an diesen hat Juri einen Narren gefressen - Notiz am Rand des Text: Achte darauf wie das Verhältnis weitergeht, vielleicht manipulieren sie Juri, Wurzel allen Übels?! - um sie dort mittels des Schlafmohns zu betäuben. Wir konnten tatsächlich alle, bis auf den Fleischer im Schankraum versammeln. Auch das Betäuben klappte recht gut. Konnte ich die Menge beruhigen, weil ich selbst im Raum blieb, als der Mohn brannte – zur Reinigung vom Wahnsinn, wie ich behauptete. Nur eine wollte fliehen, aber wurde von Hartmuut niedergeschlagen. Damit war nahezu das gesamte Dorf in die Albtraumwelt gewechselt.
Zu meiner Freude hatte ich keine Probleme sie dort zu finden. Auch gelang es mit mit den Übungen aus dem Silberschlüssel-Buch die Welt um mich herum zu formen. Ich würde ihnen den wahnsinnigsten Albtraum bescheren, den ich mir in der kurzen Zeit vorstellen konnte.
Derweil wurden die Schläfer und ich von Hartmuut nach der Schlucht hin gefahren. Juri und James dann mit dem zweiten Wagen samt der Ausrüstung. Der aber, wie schon berichtet, in den Ruinen festgefahren war, so dass sie einen Teil der Ausrüstung tragen mussten. Mit viel weniger Material, als wir gehofft hatten, errichteten sie Fallen im Tal, das seinen Namen zurecht trägt, liegt dort doch das versteinerte Skelett eine Titanen. Nun jetzt nur noch die zerstörten Überreste, denn wir haben beim Kampf gegen den Grinderlach dort arg gewütet. Aber dazu gleich mehr.
Zunächst der Albtraum mit dem wir den Grinderlach auf seinen Weg nach Isandras Wacht abgelenkt und zu uns gelockt haben. Ich habe jetzt noch ein Schaudern, wenn ich mir die Bilder, die ich erschaffen habe ins Gedächtnis rufe. Aber gleichzeitig habe ich das wohligwarme Gefühl der Macht, was mich auch immer noch dazu verleitet, der Magie so häufig den Vorzug gegenüber der Axt zu geben.
Ich erträumte den Steinkreis vor der Höhle, die Dorfbewohner als Kultisten. Mich selbst gefesselt als Opfer auf einem Altarstein – natürlich nackt und mit rostigen Fesseln, wie ich es in den Berichten über einen Slaanesh-Opfer in einer Hexenjäger-Geschichte gelesen habe. Die Vettel aus dem Tempel gab die Hohepriesterin in einer samtenen lilafarbenen Robe mit gelben Runen der Verzückung. Die restlichen Dorfbewohner tanzten in dem seltsam sphärischen Licht der Albtraumwelt ekstatisch um uns herum und sangen einen infernalischen Kanon.
Ich spürte wir hatten die Aufmerksamkeit von etwas erregt und hoffte, dass es der Grinderlach war. Aber darum würde ich mich bei Zeiten kümmern, denn es galt den Albtraum auf die nächste Stufe zu heben. Jetzt ließ ich die Hohepriesterin herantreten. Mit dem aus sich selbst heraus glühenden Dolch schnitt sie mir den Bauch auf – die Schmerzen kann ich jetzt noch fühlen, zum Glück hat es keine Narbe in der wachen Welt hervorgerufen – und die Kultisten stürzten sich auf meine dampfenden Eingeweide. Diese rissen sie aus meinem Körper, begannen damit sie zu fressen. Eine wahrhaft schauderliche Erfahrung, die ich beinahe abgebrochen hätte, aber ich konnte das Monster fühlen, wie es uns suchte. Ich musste weiter machen.
Also wollte ich jetzt die Scharade beenden. Der Horror sollte nicht mich heimsuchen, die Dorfbewohner würden leiden müssen. Ich zerriss die Fesseln mit einer Leichtigkeit, als ob sie aus Pergament wären, begann zu schweben und ließ mir dazu Flügel wachsen. Dann erhob ich mein Haupt. Die Kultisten, mittlerweile von meinen Eingeweide und Blut besudelt kaum noch als Menschen zu erkenne, kauerten sich ängstlich um ihre Hohepriesterin. Diese drohte mit ihrem Dolch, verwünschte mich und macht lächerliche Versuche mich zu bannen. Ich stieß herunter und riss ihr den Kopf vom Leib. Kurz labte ich mich an dem hervor spritzenden Blut, um dann unter den Kultisten zu wüten. Ich bohrte meine Hand in Körper, riss Herzen hervor, die ich sogleich verspeiste. Mit bloßen Händen trennte ich Gliedmaßen von Torsi, spaltete Brustkörbe und ließ Schädel platzen. Ich konnte spüren, der Grinderlach war nahe.
Aber da war auch noch etwas anderes. Ich hatte die Aufmerksamkeit von etwas großem erregt. Im Abgrund regte sich etwas. Es zog an meinen Gedanken. Ich spürte die Kälte zwischen den Sternen, die Heimat der Entität zu sein scheint. Ich hatte zu lange und zu tief in den Abgrund gesehen. Zum Glück wurde ich durch den stechenden Geruch von Riechsalz aus den Albtraumlanden mitten in die Ankunft des Grinderlach geholt. Der Übergang war so abrupt, ich wähnte mich erst in einem anderen Teil der Katakomben des Schlafs.
Oh es geht weiter. Ich werde den Rest bei unserer nächsten Rast zu Ende schreiben.
Sonntag, 2. März 2025
Mottes Tagebuch - Geh nicht zum Grinderlach Teil 2
Eine Rast bevor es wieder weitergeht. Nichts haben wir erreicht, außer an Erfahrung gewonnen. Aber ich will wieder beim Anfang beginnen. Doch ich muss mich kurz fassen.
Nachdem wir die Beute aus der Apotheke aufgeteilt hatten, wollten wir aufbrechen. Doch zuvorderst wollte Hartmuut noch mit dem kleinen Jungen sprechen, der von seinen beiden Gefährten stehts zum Schweigen gebracht wurde. Wie erwartet klappte das wiederum nicht. Mischten sich die beiden Tunichtgute doch immer wieder ein. Daher setzte ich – ein ums andere mal – meine Magie ein. Ein kleiner Hauch von Schlummer und sie wollten lieber ein wenig Ausruhen, als uns zu nerven.
Wirklich neues konnten wir nicht erfahren, aber unser Bild des Grinderlach wurde abgerundet. Er sei groß wie eine Scheune, vorne wie ein Frosch und hinten eine Heuschrecke - nur mit mehr Beinen berichtete uns der Junge. Aber das wichtigste – der Grinderlach hat Angst vor Fackeln. Also würde mein Alchimistenfeuer gute Dienste leisten – dachte ich zumindest zu diesem Zeitpunkt.
Dann aber wollten wir uns sputen. Gemeinsam mit Hartmuut wollte ich den Spuren folgen. Es erwies sich als einfach ihnen bis zum Mühlbach zu folgen. Leider wollte der Rest der Gruppe lieber mit dem Schmied gehen. Sein „Ich weiß wo der Steinkreis ist“ war wohl überzeugend. Warum sollte uns auch die Spur des Wesens zu ihm führen, wenn es auch die Möglichkeit gab einem Verrückten zu folgen? So war unsere Gruppe geteilt. Dass das nicht gut ist, war einleuchtend. Da braucht ich nicht einmal mich an die Schlachtkunde der Akademie zurückerinnern. Denn für ein Ausflank-Manöver waren wir entschiedend zu Wenige. Also schlossen wir uns den Anderen auf der anderen Seite des Bach wieder an.
Es war ein Glück, dass wir auf dem Weg auf die Spuren des Monsters wieder fanden. So standen wir bei der Abenddämmerung bei den Resten eines Steinkreises und blickten auf einen Höhleneingang. Die Menhire wiesen verwitterte Spuren auf, die in die Zeit der Riesen deueten. Sollte der Grinderlach so alt sein? Hatten die Riesen etwa versucht das Monster in die Höhle zu bannen? Wir werden es wohl nicht herausfinden. Aber es war deutlich, dass es hier war. Denn die Spuren waren unübersehbar.
Nun vermuteten wir das Monster in dem Höhlensystem. Aber noch war uns nicht klar, wie tief wir in die Höhle mussten. Also ging Hartmuut voran. Dabei gab es sich wenig Mühe sich zu verbergen. Das führte dazu, den Ginderlach zu wecken, denn hinter der gähnenden Schwärze verbarg sich kein weitverzweigtes System. Vielmehr gab es wohl nur eine kleine Halle in welche das Monster gerade so passte. Welcher dreimal verfluchte Dämon uns so blenden konnte mag ich mir nicht vorstellen.
Nun kam es drauf an. Mit dem Mut des Wahnsinns trat der Schmied dem riesigen Dämon entgegen, schleuderte Verwünschungen – und wurde von der mächtigen Pranke zertreten. Diese Wendung hatte der Plan des Schmieds nicht vorgesehen. Alle Arbeit an der Rüstung war umsonst. Wir dafür um eine Möglichkeit das Vieh zu besiegen ärmer. Also stellten sich Hartmuut und James dem Grinderlach.
James nutzte einen Wachstumstrank, so dass seine Gelfe wie ein Messer in seiner mächtigen Pranke aussah. Während Hartmuut seine Armbrust nutzte. Doch die Bolzen prallten harmlos von der dicken Haut ab. Das Vieh ist zäh. Denn auch die Wunde welche James ihm beibrachte, schließt sich schnell wieder. Auch ich greife in den Kampf ein. Eingedenk des Wissens, das Vieh hat Angst vor Feuer nutze ich mein Alchemistenfeuer und treffe das Monster in der Flanke. Und tatsächlich, dort, wo das Feuer brennt schließt sich die Wunde nicht. Daher war ich reichlich schockiert, als Juri einen Wasserstrahl beschwor. Das magische Wasser würde sicher die Flammen ersticken. Aber zum Glück hatte Juri die Absicht das Vieh gegen die Felswand zu schleudern, was auch gelang. Es schien, wir konnten das Monster verwunden. Und was wir verwunden können, können wir auch töten – dachten wir.
Da keine meiner Waffen die Haut auch nur kratzen würde, wollte ich es mit einer anderen Taktik versuchen. Ich bearbeitete einen Toten Baum mit meiner Axt, um ihn zu entzünden und dann mittels meiner magischen Macht auf das Monster zu werfen.
Derweil zeigten die vereinten Bemühungen von James mit seiner Gelfe und Hartmuut mit dem Hammer des Angrosch Wirkung. So sehr, dass der Grinderlach zu entfliehen versuchte. Ich schleuderte daher den Baum mit meiner Zauberhand auf ihn. Leider hatte ich jedoch nicht mehr die Gelegenheit ihn zu entzünden. So brachte er leider nicht die gewünschte Wirkung.
Der Grinderlach setzte zum Sprung an, um aus dem Gefahrenbereich zu entfliehen. James und Hartmuut setzen ihm nach. Doch sie konnten nicht so schnell folgen. Stattdessen landete das Vieh auf Juri. Wie Zippy durch die Donnerechse wurde sie zu Boden gedrückt. Zu ihrem Glück konnte sie aber sich zu Seite Rollen, so dass sie den messerscharfen Klauen entkam. Neben einigen Schrammen, Prellungen und Stauchungen war vor allem Juris Würde verletzte.
Mutig, wie James es mich gelehrt hatte, stellte ich mich dem Monster in den Weg. Doch es sprang nochmals - einfach über mich hinweg. Rasch drehte ich mich um, damit ich den Grinderlach verfolgen könnte. Mit der Axt in der einen und meiner letzten Flasche Alchimistenfeuer in der anderen Hand, wollte ich dem Vieh eine Herausforderung entgegenschleudern.
Aber Harmuut hatte eine andere Vorstellung. Es sah in einer Verfolgung keinen Sinn. Vor allem nicht, wenn ich diese alleine durchführen würde, war dem Rest der Gruppe doch schon deutlich von dem Monster zugesetzt worden. Das machte er zunächst deutlich in dem er mich am Kragen fasste. Meine Verfolgung endete so schnell auf dem Hosenboden. Nun war ich davon gar nicht begeistert. Weshalb ich meinem Unmut lautstark Ausdruck verlieh. Das wiederum provozierte Juri zu einer handfesten Entgegnung. Die Auseinandersetzung endete mit Atemübungen meinerseits, auf dass ich weder in die Rote Wut verfalle, noch mich heulend auf den Boden werfe.
Meinem Selbstbewußtsein hat dies einen kleinen Dämpfer verpasst. Schließlich dachte ich, die anderen würden mich nicht mehr wie ein kleines Kind behandeln. Aber sei’s drum. Dafür ist meine Gesichtsbemalung jetzt viel ausdrucksstärker. Ich sollte mir überlegen, wie ich die Schlieren um die Augen auf hinbekommen, ohne dass ich mir Zwiebelwasser in selbige träufeln müsste. Aber das soll erst einmal hinten anstehen.
Nach der Flucht des Grinderlach sind wir zunächst nach Totholz zurückgekehrt. Dort ruhen wir uns aus, versorgen unsere Wunden und planen die nächsten Schritte.
Es scheint das Monster wird von Leben angezogen, das es in den Wahnsinn treiben kann. Das spricht dafür, es ist auf dem Weg nach Isandras Wacht. Die Idee nach den Skrang zu schicken, um so noch mehr Kampfkraft zu haben, könnte daher zu lange dauern. Vielmehr reifte in uns die Überlegung den Grinderlach in eine Falle zu locken. Einen Hohlweg oder ein totes ende im Gebirge. Dort könnten wir es mit den Schnapsfässern aus der Apotheke bewerfen, in Brand setzten und dann mit Steinen von Oben zur Strecke bringen. Nun braucht es dafür einen Köder. Da wir nicht wirklich gut in schwierigem Gelände reiten können, wären es wohl James oder ich, denen die Aufgabe zu kommen könnte. Vermutlich ich, weil sicher magische Begung für das Monster attraktiver wäre. Aber Juri meinte, vielleicht könnten wir es auch über die Traumlande locken. Zu schade, dass ich keine Erfahrung in Schamanismus besitze. Ein Eintauchen in die Traumzeit wäre sehr hilfreich.
Dennoch bleiben noch einige weitere Fragen ungeklärt. Das Monster erscheint nur in der Nacht, Nun das ließe sich damit erklären, dass es aus den Albträumen beschworen wurde. Aber dann wäre die Frage, warum erscheint es in Totholz. Gibt es eine besondere Verbindung zu diesem Ort? Der Steinkreis wäre eine Erklärung, doch ist es schon vor Urzeiten zerstört. Das Monster hätte also viel länger sein Unwesen hier treiben können. Haben die Ereignisse der letzten Zeit vielleicht den Riss in der Wirklichkeit gerade an diese Stelle geschaffen? Oder gibt es gar Kultisten, welche mutwillig den Grinderlach beschworen haben? Steckt vielleicht sogar ER dahinter? Haben die Schwergen der Hanse womöglich etwas damit zu tun? Haben sie den Samen gelegt, die Geschichte genutzt? Zuzutrauen wäre es ihnen. Das würde auch erklären, warum ich IHN immer als Dämonen in meinen Träumen sehe. Wenn wir also das Monster verbannen, den Grinderlach töten, wäre das auch ein Schlag gegen die Hanse.
Ich kann kaum erwarten, dass wir aufbrechen. Das wird ein Spass!
Freitag, 21. Februar 2025
Mottes Tagebuch - Geh nicht zum Grinderlach
Ich habe mir vor der Reise noch ein wenig mit meiner Garderobe beschäftigt. Meine blaue Weste habe ich durch eine praktische Schnürweste aus festem Leinen getauscht. Sie ist noch etwas steif, aber bequemer als Leder aber mit etwas Talg wirkt sie dank der braunen Färbung wie Leder – nur dass ich nicht so darin schwitze. Jetzt wo ich schon eine echte Barbarin bin habe ich auch meine Bemalung geändert. Nicht nur meinen Körper, die Arme und Beine sind mit mystischen blauen Mustern versehen. Ich habe mir auch die Augen mit blauer Farbe hervorgehoben. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob ich wirklich den ganzen Weg barfuß laufen will, daher werde ich meine Schuhe zur Sicherheit doch noch in mein Reisegepäck einpacken. Ich bin ja so aufgeregt.
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Bevor wir aus Isandras Wacht aufbrechen, will ich schnell noch meine Gedanken festhalten. Denn irgendetwas seltsames geht vor in dieser Gegend. An Albträume bin ich mittlerweile gewöhnt, aber dieser Traum war bizarr anders, nicht schrecklich, eher verstörend.
Ich träumte von einem violetten Himmel ohne Sterne. Mit einer endlose Ebenen voll formloser - Dinge. Jeder Schritt war dadurch von Wandel gekennzeichnet. Mit jedem Gedanken kam eine Veränderung. Dann war plötzlich überall Grün! Und ein gnadenloser gelber Stern im blauem Himmel blendete mich, brannte sich direkt in meinen Kopf und meine Gedanken. Dann war keine Veränderung mehr! Alles starr, unformbar – als ob ein grimmer Frost alles erstarren ließ. Ich spürte wie auch ich in dieser Starre langsam gefangen wurde. Aber dann dort! Dort waren Dinge, die sich bewegen. Die sich wandeln! Ich wußte sie können mir helfen und den Schmerz lindern!
Bedeckt von eiskaltem Schweiß bin ich aufgewacht. Ein Donner halte nach und es brauchte eine zeit, bis mir klar wurde, dass dies nicht die Nachwirkungen des Traums war. Tatsächlich gab es ein wahnsinniges Brüllen aus der Richtung Totholz. In Isandras Wacht waren alle auf den Beinen. Beängstigt blickten wir in Richtung Totholz. Dort konnten wir den roten Schein von Feuer sehen.
Nun, wir werden sehen, was dort passiert ist. Denn gleich geht es los. James hat schon nach „dem Menschlein“ gerufen. Ich werde mich sputen.
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Ich nutze jetzt jede Pause zum Schreiben, denn wer weiß, wann oder vielmehr ob ich noch dazu kommen werde das erlebte Aufzuschreiben. Und es ist wichtig die Ereignisse festhalten. Schließlich ist das Erscheinen mystischer Wesen nicht ein Ereignis, wie das wiederkehren der Schwalben im Sommer. Aber der Reihe nach.
Noch bevor wir die rauchenden Trümmer von Totholz erreichten wurden wir von einer wilden Horde wahnsinniger Bauern und Stadtleute angegriffen. Nun zumindest versuchten sie es. Mit den vereinten Kräften schlugen wir sie in die Flucht. Nur leider nicht mit roher Gewalt, wie ich es eigentlich hätte tun wollen. Juri und ich nutzten unsere Kräfte. Die Illusion eines Drachen, James Gebrüll und Juris Seekrankheitszauber veranlassten einen panischen Abgang des Mobs.
Totholz war in weiten Teilen vernichtet. Nur wenige Gebäude standen noch, wenn auch nicht unversehrt. Überall lagen Leichen, fürchterlich zugerichtet, zerrissen, zertreten und zerhackt. Ein wahnsinniges Gemetzel. Das mich seltsam faszinierte. Noch jetzt sehe ich mich mit Interesse die verschiedenen Verletzungen betrachten, Notizen und Skizzen machen. Ich habe schon viel von Massakern gelesen. Selbst ja auch schon einiges an Blut vergossen. Aber das Ausmaß des Blutbads war schier unglaublich.
Juri scheint es seltsamerweise stark mitzunehmen, hat sie seit wir in Totholz sind keine Gelegenheit ausgelassen Rum in sich zu schütten. Langsam macht es mir Sorgen. Aber solange sie noch steht ohne zu schwanken, will ich mich nicht einmischen.
Zwischen den Toten und der Zerstörung konnten wir riesige Abdrücke finden. Ein gigantisches Monster muss hier gewütet haben. Aber wohl kein Drache, denn dafür war zu wenig von Feuer zerstört. Auch scheint das Monster immer kurz geflogen zu sein. Wir waren ob der Spuren ratlos.
Daher suchten wir nach Antworten. Diese würden wir nur von Überlebenden erhalten. Also machten wir uns auf die Suche. Wir begannen im erstbesten noch weitgehend unversehrtem Haus. Der Schmiede, wie sich herausstellte.
Hier fanden wir einen wahnsinnigen Schmied samt eines nicht viel weniger wahnsinnigen Gehilfen, die dabei waren eine Chaosrüstung zu schmieden. So sah es zumindest auf den ersten Blick aus. Denn es stellte sich heraus, dass die Rüstung mit Haken und Spitzen versehen wurde, damit der Schmied sich von dem Monster verschlingen lassen kann, um es dann von Innen aufzuschlitzen. Kein ganz dummer Plan, wenn auch vermutlich recht tödlich für den Träger der Rüstung.
Zumindest erfuhren wir zwischen dem Hämmern und dank Hartmuuts mithilfe als „Meisterschmied“ des Zwergenvolkes mehr über das Monster. Doch bevor wir mehr erfahren konnten, mussten wir die Schmiede verlassen, stand die Esse doch kurz vor der Explosion. Zum Glück konnten wir den Schmied überzeugen weniger Feuer zu geben und sich stattdessen in die Rüstung zu schmieden. Als dann auch noch Juri mit einem Wasserstrahl die das heiße Eisen abkühlte verwandelte sich die Schmiede in eine Schwitzhütte, in der vor lauter Dampf nichts mehr zu sehen war. Weshalb wir uns nach draußen begaben.
Wir erfuhren dann auch mehr über das Monster. Es war wohl weniger ein Drache, als mehr ein Riesenfrosch mit viergeteilter Zunge. Der Gehilfe bezeichnete es später als „Grinderlach“, wozu es in dieser Gegend ein Kinderlied gibt, dass ich später versuchen werde niederzuschreiben.Da es aber keine Pestilenz verbreitet, war unser Gedanke ob es wohl dem Nörgel dienen würde ein irriger. Tatsächlich gehe ich davon aus, dass es eher dem Wandler der Wege zugehörig ist. Schließlich hat der Traum, den ich hatte schon in diese Richtung gedeutet. Aber als wir unsere Träume aus der vorherigen Nacht verglichen, war ich mir sicher. Alle hatten Aspekte des Monsters Zunge, klebrige Füße, eiserne Haut im Traum erlebt.
Wir machten uns dann auf, nach weiteren Überlebenden suchen. Schließlich galt es mehr über das Monster zu erfahren. Vor allem, wie es nach Totholz gelangte. Leider brachte uns die zweite Station auch nicht weiter. Wir machten uns auf zum Wirtshaus. Juri klagt über Durst. Aber auch ich konnte nach der Schwitzkur in der Schmiede ein kühles Bier oder etwas Cider brauchen. Doch zunächst mussten wir einen Mann der Scorns retten. Dieser glaube fliegen zu können und wurde von einer Person gerade noch gehindert aus dem Fenster zu springen. Es gelang uns mit Hilfe einer Leiter und viel Matsch seinen Fall zu bremsen. Auch ich konnte etwas beitragen, habe ich mit einigen wohl platzierten Messerwürfen dafür gesorgt, dass der Fettwanst nicht springt, bevor nicht James diese vermaledeite Leiter gefunden hatte.
Doch wenn wir vermutet hatten, wir könnten mehr erfahren, dann hatten wir uns getäuscht. Es gab nur wieder der Lied des Grinderlach, in dem auch Angrosch Hammer eine einschlagende Rolle spielt. Nun zumindest haben wir erfahren, dass das Monster springt, wie ein Frosch, weil seine Flügel zu klein sind. Später, als Hartmuut mit dem Schmied und seinem Gehilfen eintraf und dankbar auch ein Glas Dünnbier nahm, erfuhren wir noch etwas mehr. Nämlich, dass sich wohl auch die Leute gegenseitig umgebracht haben. Etwas, das sich offensichtlich schlecht auf Moral und Kampfkraft gegen das Monster ausgewirkt hat. Sei’s drum – es geht weiter.
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Ich muss mich konzentrieren, damit – sollten wir das überleben – ich meine Schrift lesen kann. Und falls nicht, dass andere die Möglichkeit haben mein Schreiben zu entziffern, um zu wissen, was in Totholz passiert ist. Wir werden aufbrachen in den Wald zum Steinkreis, um dort in einer Höhle den Grinderlach zu stellen und zu vernichten.
Bei unserem weiteren Gang durch Totholz fanden wir noch zwei Wahnsinnige, die in der Apotheke des Orts sich mit Schnaps und Rauschkraut nahe der Besinnungslosigkeit brachten. Dort konnten wir aber immerhin Heilkräuter und andere Drogen finden. Immerhin etwas nützliches. Denn die Information, das Monster habe Hörner brachte kaum Erkenntnis.
Einen Gang zum Damm, der Totholz vor den Fluten eines Sees schütze, würden wir auf später verschieben. Denn wir haben erfahren, dass der Fleischer mit der Frau des Bäckers dabei sei den Damm aufzustechen, um die Siedlung zu fluten. Warum auch immer das sinnvoll sein mag. Mich erschöpfen die Wahnsinnigen ein wenig. Ein paar sind ganz amüsant, aber diese Masse ist ermüdend. Selbst Juri zeigt Anzeichen von Erschöpfung, versucht sie doch sich mit Hilfe des Alkohols aufrecht zu halten. Eine ziemlich aussichtslose Sache, aber wer bin ich mit ihr zu streiten?
Nun zu guter Letzt konnten wir immerhin im hiesigen Angrosch Tempel einige interessante Entdeckungen machen. Bereits am Eingang, wo sich ein letztes Gefecht abgespielt haben muss, fanden wir doch Leichen von zwei Dutzend Personen, vielleicht mehr, aber das ließ sich nicht so genau sagen. Hätte ich etwas mehr Zeit gehabt, würde ich die Einzelteile sortiert haben. Sei’s drum. Wir haben immerhin den Arm der Priesterin gefunden, die noch immer ihren heiligen Hammer umklammert hatte. Harmuut hat ihn an sich genommen, hoffen wir, dass der Zwergengott seine Hand führen wird.
Im Tempel selbst waren einige Kinder damit beschäftigt zu dem Grinderlach-Lied fangen zu spielen. Ich bin mir nicht sicher, aber so wie ich das Liede mir erschließe und auch, was uns die Spuren sagen, kann ich mir ein paar Dinge zusammen reimen. Das Monster ist fähig weit und hoch zu springen. Es hat eine viergeteilte Zunge, Säure als Blut und ist stark gepanzert. Zu allem Überfluss scheint es auch Wahnsinn zu verbreiten. Aber seine Schwachstelle scheint der Kopf zu sein. Zumindest findet es sein Ende, wenn es mit Angrosch Hammer auf den Kopf geschlagen wird.
Hoffen wir, dass diese Information ausreicht. Aber zu trauen ist dem nicht. Denn die Person, welche neben den Kindern im Tempel war, ist – oh Wunder – vollkommen wahnsinnig gewesen. Sie wollte die Kinder als Köder nutzen und dann das Monster bekämpfen. Da ist der Plan des Schmieds schon ausgereifter gewesen. Sei’s drum. Hartmuut und ich konnten sie überzeugen es nicht zu tun. Oder besser, nachdem wir ihr Mandragora gegeben haben, wurde ihr nicht nur die Schändlichkeit ihres Plans bewußt, was sie in Katatonie verfallen ließ. Anscheinend glaubt sie, dass sie Schuld am Erscheinen des Monsters hat, weil sie den Kindern die Sage von Grinderlach erzählt hat und das Monster dann kurz darauf erschienen sei. Hartmuut hält das nicht für komplett abwegig, hat die Öffnung des Dämonentors so einiges an Realität durcheinander gebracht.
Aber immerhin – wir haben jetzt einen Plan. Der Grinderlach soll im Wald in einer Höhle bei einem Steinkreis sein. Dort werden wir jetzt hin gehen. Wir haben den Hammer des Angrosch der Priesterin, heiliges Öl mit dem James seine Waffe gesegnet hat und ich etwas unter meine letzte Falsche Alchemistenfeuer gemischt habe. Juri ist zumindest soweit nüchtern, dass sie eine Zauber werfen kann. Und einen Köder mit Stacheln haben wir auch. Dann wollen wir mal sehen, was dieses Monster ausrichtet. Ich habe auch schon eine Idee, wie wir es zur Strecke bringen können.
Es ist schon fast zu einfach und genau das macht mich stutzig. Wenn ich könnte, würde ich der Eisprinzessin noch ein Geschenk darbringen. Aber ich habe nichts angemessenes gefunden. Ganz davon abgesehen, dass die Zeit auch nicht reicht für ein Ritual. Also muss ich mich auf meine Fähigkeiten, die Rote Wut und meine Gefährten verlassen.
Montag, 27. Januar 2025
Mottes Tagebuch - Ratten im Turmgemäuer Teil 2
Gestärkt mit einem guten Frühstück und einem starken Tee von Hartmuuts Morgenmischung will ich jetzt den Rest unserer Aventurie im Turm aufschreiben. Denn viel Zeit bleibt mir nicht. Sir Eisenhardt meinte zwar ich könnte noch mehr Arbeit mit dem Bidenhänder vertragen, aber James hat mir zukommen lassen, ich wäre soweit. Ich könnte den Kreis betreten. Mein Weg als Barbarin würde beginnen. Ich bin so aufgeregt, ich kann kaum die Feder richtig führen. Aber offene Enden müssen verknüpft werden, also dann, weiter.
Vor der Tür hinter der die Ratten verschwunden waren berieten wir uns nochmal. Denn eigentlich hätte ich gerne gezeigt, wie ich auf barbarische Weise die Höhle der Ratten stürmen würde. Die anderen meinten, das wäre aber vielleicht etwas zu offensiv, vielleicht müssten wir noch Informationen erlangen. Daher war schnell beschlossen, dass ich den Unsichtbarkeitsring nutzen würde. Das würde mir einen Vorteil geben – egal ob bei Kampf oder Flucht.
Aber ich war bannig überrascht, als mich hinter der Tür nicht das dunkle Nest der Ratten erwartete, sondern eine aufgeräumte, saubere und helle Wohnung. Überall waren Kinder, Säuglinge lagen frisch gewickelt in ihren Krippen. Stockbetten, wie im Schlafsaal der Akademie, standen in Reih und Glied.
Ich schlich zu den Ratten. Der kleine Gibbus war gewachsen, die dürre Hilda nicht mehr so dürr und die Schmutzige Annie jetzt wohl die Saubere Annie. Nur Elefantenohr Osman, der hatte immer noch anderthalb abstehende Ohren. Die vier scheinen jetzt so etwas wie die Führungsriege zu sein. Es wurmte sie, dass sie mich nicht erwischt hatten. Nur wo war die Rattenmutter? Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Besonders überrascht mich, als dann eine resolute Frau mit beeindruckenden Muskeln samt einem riesigen Topf mit dampfenden Eintopf erschien - Annika Passerine. Die Frau zu welcher der Oger Kinder brachte, eine Amme. Ich befand mich in einem Waisenhaus, oder besser gesagt in einer Waisenwohnung.
Dann begann Annika das Essen zu verteilen. Es roch verführerisch. Zum Glück war ich nicht so abgelenkt, dass ich bemerkte, wie der Unsichtbarkeitszauber verflog. Ohne groß nachzudenken wirkte ich wieder einen Tarnungszauber und stellte mich in die Reihe für das Essen – nicht sehr barbarisch, aber ich hatte Hunger bekommen. Es war ein solider Eintopf mit reichlich Gemüse und Bohnen. Nicht raffiniert, aber äußerst nahrhaft und wirklich sehr lecker.
Wie ich meinen Teller leer aß, konnte ich mich noch etwas umschauen. Im Ganzen konnte ich kein einziges krankes Kind erkennen – abgesehen von der obligatorischen Rotznase. Erwischt die seltsame Krankheit vielleicht nur die Großen – ist es vielleicht gar keine normale Krankheit?
Noch ein wenig irritiert von der gesamten Situation konnte ich doch ein wenig ich mich grinsen. Als die Ratten von Annika ermahnt werden, dass sie doch wieder in den Wänden gewesen seien, versuchten sie sich mit Lügen herauszureden. In der Folge erhielten sie Ohrschellen mit der Ansage bei der nächsten Lüge die Rute kennen zu lernen. Es wunderte mich, aber sie nahmen es hin.
Aber ich hatte meine Mission nicht vergessen, also bewegte ich mich unauffällig zur Tür und schlüpfte ungesehen nach draußen zu Zippy und Sir Eisenhardt. Wieder hatten wir eine kurze Diskussion, ob wir alle rein sollten. Ob wir vielleicht Zippy als neues Kind abgeben sollten. Doch letztlich (und auch weil es Zippy und mir recht egal war) setzt sich Sir Eisenhardt durch. Er wollte mit Annika verhandeln.
Nur wollte Annika nicht. Die Gesichter der Kinder, die wir hinter der Wand gesehen hatten, reichten nicht als Aufhänger. Auch Kupfermünzen für Bonbons ändern nichts an ihrer Gesprächsbereitschaft, Selbst als Sir Eisenhardt Silber bot – und zwar nicht wenig – brachte es nichts. Annika wollte nicht mit uns reden. Sie war eindeutig. Die Stadtwachen sind doofe Eisenbeißer und die Gesellschaft ist keinen Deut besser.
Letztlich war Sir Eisenhardt dann doch überzeugt, dass weitere Verhandlungen nichts bringen würden. Zippy war schon ein wenig quengelig, wollte er doch seine Neugier befriedigen, denn von unten drangen Laute eines ausgewachsenen Tumults zu uns hinauf. Also ging es nach unten. Was kein leichtes Unterfangen war, denn Zippy nahm die Treppen absatzweise. Ich betete zu allen Göttern, Dämonen und Wesenheiten, dass Sir Eisenhardt nicht stolpern und dann als Eisenkugel mich von hinten überrollen würde. Denn wir konnten kaum Schritt halten.
Unten angekommen bot sich ein seltsamer Anblick. Es schien, dass sich mindestens die Hälfte der Turmbewohner in der Eingangshalle versammelt hätten. Und dann erst der Oger. Er ähnelte einem Nadelkissen, so gespickt mit Armbrustbolzen war er. Unter viel Gewese zog er sie einen nach dem anderen hinaus. Was für eine Memme, als ich auf Okeno die Kaktusstacheln aus meiner Haut zog habe ich jedenfalls nicht so gejammert. Nun gut um mich herum hüpften auch nicht Gossenzwerge, die jeden Bolzen schnell in ihren Taschen verschwinden ließen.
Da ob der großen Menge nicht zu sehen war, warum sich der Mob versammelt hatte, sprach ich den nächststehenden Bewohner an. Erst vergriff ich mich im Ton, denn immer noch beeindruckt von der sauberen Waisenhaus-Wohnung sprach ich mit meinem Imperiums-Akzent – und offensichtlich etwas zu hoch gestochen. Aber als ich den Typen am Schlafittchen packte und etwas schüttelte purzelten die Informationen direkt aus ihm heraus. Typen in Weiß und welche mit Armbrüsten hätten den Turm abgeriegelt.
Ein Blick nach draußen zeigte uns Pfähle mit Tüchern, Abgeordnete der Weißen Hand und gedungene Söldner. Das hatten Sir Eisenhardt und ich schon gesehen: ein „Cordon Sanitaire“ gegen Seuchen. Normalerweise würde dieser einige Zeit Aufrechterhalten, bis eine Heilung nachweisbar ist oder der Befehl zum Niederbrennen des Gebäudes kommt.
Sofort entbrach bei uns die Frage, warum hatte die Weiße Hand diese Maßnahme ergriffen. Wir wurden von der Weißen Hand geschickt, um zu klären ob Joachim im Haus ist, das hätte sie wissen müssen. Gilt diese Maßnahme, um uns in dem Turm zu halten, ich war mir fast sicher. Doch Zippy brachte ein, dass sie vielleicht nur den Paladin loswerden wollten. Einzig Sir Eisenhardt konnte keiner unserer Ausführungen glauben. Für ihn musste es ein Versehen sein.
So oder so – Die Frage war, wie wir mit der Situation umgehen sollten. Den Truthahn, der noch immer vor der Tür wartete, auf die Söldner hetzen? Nun das wäre sicher ein Ereignis gewesen, aber sinnvoller erschien uns, den Paladin zu finden. Doch dazu müsste erst die Menge unter Kontrolle zu bringen. Leider konnte ich weder mit Argumenten, noch mit gezielten Beleidigungen konnte ich die Aufmerksamkeit des Mobs erreichen. Mittlerweile war die Menge so aufgeheizt, dass es schon zu ersten Handgreiflichkeiten kam.
Erst Sir Eisenhardt gelingt es mit Unterstützung von Zippy die Menge zu koordinieren. Auch wenn er es schaffte, dass sich der Mob beruhigte, wäre es sicher schneller gegangen, wenn er ein größeres Fass genommen hätte. So gab es immer wieder Zwischenrufe, wer denn da reden würde. Aber zum Glück reichte Sir Eisenhardts Schlachtfeld gestählte Stimme auch bis in den letzten Winkel.
Nun, da die Situation geklärt war, begannen wir uns nach dem Verbleib des Paladins zu erkunden. Tatsächlich war es uns möglich zu erfahren, dass der Paladin zu einer Frau Doktor Gillady von der Weißen Hand wollte. Besagte Gillady war in den Turm gekommen. um die Krankheit zu erforschen. Sie sollte bei den Sprechers untergekommen sein.
Von einigen Gossenzwergen konnten wir dann noch erfahren, wo der Paladin sein könnte: Im Labyrinth. Aber dort bräuchten wir nicht nachsehen, weil dort verschwinden die Leute wirklich. Das nährte meine Vermutung, dass unter Port Grimm Zugänge zu anderen Orten wären. Begierig versuchte ich mehr von den Gossenzwergen zu erfahren. Aber Sir Eisenhardt wollte schnell vorgehen. Daher versuchte er einen Handel mit den Gossenzwergen. Es kostete ihn dann zehn Goldmünzen, nur um von den Gossenzwergen ein Hinweis auf die Treppen mit dem Weg nach unten zu erhalten. Darauf wären wir sogar selbst gekommen, aber sei’s drum.
Wir stiegen also in den Keller des Turms hinab.Unaufgeräumt wäre noch ein euphemistischer Ausdruck. Der Abstieg durch den engen mit schleimigen Algen bewachsenen Gang führte in ein schummrigen Irrgarten aus halbverotteten Müll und verwesenden Abfall. Es erinnerte mich mit den vielen Kammern an die fünf Mägen einer Kuh, nur dass es bestialisch roch.
In diesem dunklen Ort der Vorhölle mussten wir also unsere Such beginnen. Ich war wenig begeistert, aber Zippy stürzte sich voller Neugier in die chaotische Düsternis. Zippy und Sir Eisenhardt hatten nicht nur den Vorteil, in der Dunkelheit zumindest etwas sehen zu können, sondern aufgrund ihrer Größe konnten sie auch einfacher zwischen dem ganzen Gerümpel einen Weg finden. Ich dagegen musste im Schein der Laterne immer wieder neue Wege suchen. Dafür konnte ich im Schlamm (oh ich hoffe es war Schlamm) Spuren von eisenbeschlagenem Schuhen finden.
Zippy dagegen meinte eine Gestalt zu sehen, die lebende Ratten frisst. Ich fluchte, denn nicht nur gab meine Laterne kaum Licht, sie taugt auch nicht als Waffe. Dann auch noch enge Stellen, die ich umgehen musste. Denn ich wollte nicht riskieren, mir einen Weg mit der Axt durch die wahnwitzigen Stapel von zerbrochenen Möbeln, Körben, Stangen, Unrat und was weiß ich zu bahnen. Das Ergebnis wäre sicher gewesen, dass ich von einer Lawine begraben in das Brackwasser gedrückt werden würde. Kein würdiger Tod - also zu vermeiden.
Zippy und Sir Eisenhardt hatten dieses Problem nicht. Sie setzten dem Schemen einfach nach. Aber dann, als ich einen etwas größeren Durchgang gefunden hatte, erwartete mich ein Überraschung. Der Paladin hockte keine Armlänge entfernt. Totenbleich und mit einer frischen Bisswunde am Hals. Als er mich sah stand er langsam auf, krächzte aufgrund seines zugeschwollenen Hals und machte seinem Zustand spottend einige schnelle Schritte auf mich zu. Er fiel mir förmlich in die Arme, wobei ich ihn reflexartig auffing, weshalb ich meine Laterne fallen ließ, die prompt kaputt ging.
Und dann war da plötzlich etwas hinter mir. Ich war unaufmerksam. Ein Schlag traf mich und ich ging zu Boden. Im Fallen bemerkte ich wie etwas meine Haut aufriss. Sicher würde das bei all dem Dreck hier zu einer interessanten Infektion führen. Ich reagierte, wie mir James beigebracht hatte. Naja vielleicht schlug ich auch in Panik um mich. Sei’s drum - ich konnte mich jedenfalls aus der Umklammerung des Paladins lösen.
Prompt war auch Sir Eisenhardt zur Hilfe gekommen. Doch irgendetwas ist mit der Gestalt, denn Sir Eisenhardt schreckte todesbleich zurück. Die Gestalt fängt an zu kreischen. Dann ist es uns allen klar – es ist ein Vampir. Zippy versuchte es mit seinen Verbündeten aus der Anderswelt. Aber es scheint, die Feen selbst fürchten sich vor dem Wesen. Sie erschienen nicht.
Und auch der Paladin greift wieder an. Er wurde offensichtlich von dem Vampir kontrolliert und sollte seine Flucht decken. Aber nicht mit Sir Eisenhardt, der sich schnell sammeln konnte. Mutig stellt er sich dem Wesen entgegen, kann aber keine Wunde schlagen. Da unsere Waffen wirkungslos scheinen, gehe ich ins Handgemenge über. Mir gelang es die Gestalt festzuhalten, doch durch den Einsatz ihrer Krallen und der übermenschlichen Kraft, gelingt es dem Vampir sich loszureißen. Wieder übernehmen meine Reflexe – doch leider nicht die mühsam trainierten Kampftechniken. Ich zaubere. Doch auch mein Betäubungszauber perlt an dem Wesen ab.
Aber es war unvorsichtig. Sir Eisenhardt hatte die Gelegenheit genutzt, sich einen abgebrochenes Stuhlbein geschnappt. Dieses trieb er nun dem Vampir in die Brust. Ein schriller Schrei und die Existenz des untoten Wesens hatte ein Ende. Was zur Folge hatte, dass auch der Paladin von dem Bann befreit wurde. Geschwächt von dem Blutverlust brach er zusammen, wie eine Marionette, der die Fäden gekappt wurden.
Nun konnten wir uns daran machen ihm zu helfen. Dank eines Restes Heiltrank konnte er sich soweit erholen, dass er reden konnte. Er sprach davon, dass die Doktorin Aufzeichnungen hätte, welche zeigen würden, dass der Vampir die Blutfäule übertragen würde. Es war somit keine Epidemie. Die infizierten Menschen können wieder geheilt werden. Das war natürlich ein Hallo! Uns war klar, wir müssen schnell die Situation aufklären. Dr. Gillady könnte sicher die Weiße Hand davon überzeugen, den Cordon sanitaire aufzuheben. So zumindest unsere Hoffnung. Denn seien wir ehrlich, ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass die Weiße Hand nicht wußte, dass Gillady hier nach der Ursache forschte.
Aber zu diesem Zeitpunkt galt es die Doktorin zu finden. Zum Glück war das weniger aufwändig. Vor allem mussten wir nicht durch Unrat kriechen. Ich hatte das dringende Bedürfnis mich zu waschen. Denn auf unserem Weg schien es so, dass die Bewohner über uns, vielmehr unseren Geruch, die Nase rümpften. Tatsächlich konnten wir dann mit vereinten Kräften von Harlander und der Doktorin die Weiße Hand davon zu überzeugen die Quarantäne aufzuheben.
Wo ich diese Zeilen niederschreibe überkommt mich wieder das seltsame Gefühl, dass die Aktion der Weißen Hand kein Zufall war. Sollte so die Konkurrenz der Kirche der Churun zu schaden in dem der Paladin beseitigt wird? Und wie steht es mit uns? Sollte die Gesellschaft mit hinein gezogen werden? Waren wir nützliche Idioten oder so etwas wie eine Rückversicherung? Wer verarscht hier wen? Sicher ist, ich werde Pokarius von Alttor im Auge behalten. Schließlich hat er uns zu dieser Mission geschickt. War diese ganze Joachim-Geschichte erfunden? Vielleicht sollte ich mal seinem Zimmer einen Besuch abstatten.
Aber vorher habe ich noch etwas anders zu klären. Denn was mich besonders verwirrt, sind die Ratten. Dass sie sich in Annikas Obhut begeben haben, kann nur bedeuten, dass die Rattenmutter verschwunden ist. Ich kann mir kaum vorstellen, das die Ratten einfach das Nest verlassen haben. Aber was kann ihr nur passiert sein? Ich muss mir hier Gewissheit verschaffen. Wie soll ich sonst meine Erinnerungslücken füllen.
Aber genug jetzt mit diesen Grübeleien. Ich werde mich jetzt darauf vorbereiten in einen neuen Abschnitt meines Lebens zu treten. Vor allem da ich gerade heute morgen in meinem Buch über die Geschichte der Völker des Nordens einen Abschnitt gefunden, der mich inspiriert hat. Hatte einer der Stämme doch eine Art von Kampfhexen, die nicht nur gute Kämpferinnen, sondern auch magisch begabt waren. Und ein anderer Stamm war dafür bekannt List und Heimlichkeit zu fördern, also eine Art Barbarendiebe. Vielleicht muss ich mir also gar nicht so viele Gedanken machen, welchen Weg ich einschlage - Hauptsache ich kann schlagen. Und zwar als erstes Beckers Kopf vom Hals.
Genug zu tun also für die nächste Zeit – aber eine große Persönlichkeit verlangt nach großen Plänen!