Ich bin wirklich froh, dass Juri nicht mit uns gekommen ist. Sicher würde sie nicht müde werden mich entweder zu schelten oder aufzuziehen. Das soll mir eine Lehre sein, mich nicht allzu sehr auf mein Wissen zu verlassen. Oder zumindest nicht voreilige Schlüsse zu ziehen. Aber ich will nicht lamentieren, sondern kurz die Ereignisse zusammen fassen, habe ich doch das Gefühl, die Pause wird nur von kurzer Dauer sein, denn es scheint noch etwas Großes hier zu lauern. Also frisch ans Werk und schnell die Ereignisse niedergeschrieben.
Bevor wir die Ruine erkundeten, gönnten wir uns einen leckeren Braten vom Eulenbär. Ich bin immer wieder überrascht, wie gut es Hartmuut gelingt, aus nur wenigen Zutaten eine vorzügliche Mahlzeit zu bereiten. Entgegen meiner Erwartung schmeckte der Braten eher nach Geflügel, als nach Wildfleisch. Aber ich schweife ab.
Wir untersuchten zunächst den oberirdischen Teil der Ruine. Entgegen der ersten Vermutung kein Tempel, sondern mehr eine Akademie der Forschung, sicher aus der Zeit der Runenherrscher, den Zeichen nach von Alaznist. Die Gegenspielerin von Kazoug hatte hier vermutlich an den Chimären geforscht, um einen Vorteil gegen den Herrn der Gier und seine Transmutationszauber zu finden.
Vielleicht wurde hier sogar die Rote Wut aus dem Blut der Donnerechsen synthetisiert. Ich hatte auf der Akademie etwas darüber gelesen. Voller Vorfreude machte ich mich auf, mit den anderen auf den unterirdischen Teil der Anlage zu erkunden, gespannt auf die Wunder, die es dort noch zu entdecken gab.
Der unterirdische Bereich war auffallend sauber, beinahe blank, so, wie er sich wohl zur Zeit der Runenherrscher auch dargeboten hätte. An den Wänden waren die Zeichen und Fresken von Alaznist zu sehen. Und in der Halle, die sich uns am Ende der Treppe darbot, erwartete uns das erste Wunder – oder besser der Schrecken? Das Gesicht der Herrin der Wut manifestierte in der Halle und begann mit einem Willkommengruß. Nun da er in der Art von Alaznist war, wurden wir in einer Lautstärke angeschrien, die noch jetzt meine Ohren klingeln läßt. Ich konnte später die Ansprache entschlüsseln. Sie lautete: „Willkommen im Transmutationslabor. Geht erst zur Desinfektion in den Reinigungsraum. Danach erst vergibt der Laborleiter die Aufträge.“ Eine Botschaft, die immer und immer wieder repetiert wurde.
Dank meiner Ausbildung konnte ich schnell erkennen, dass es ein Trugbild war, das uns nichts anhaben konnte. Ganz im Gegensatz zu den Phasenspinnen, die urplötzlich aus dem Immaterium erschienen und uns angriffen. Nur mit Glück konnten wir die Oberhand behalten, waren wir doch durch das anhaltende Geschrei abgelenkt. Ein taktischer Rückzug durch eine eingestürzte Mauer brachte uns Ruhe, denn Alaznist und die Spinnen blieben im angrenzenden Raum.
Zu unserem Glück hatten wir aus Totholz noch Gegengift. Hatten die Spinnen doch mich und Kazuug erwischt. Schwarze Schwären breiteten sich von den Wunden aus. Doch das Antidot war potent, sonst würde ich jetzt nicht die Ereignisse aufschreiben, sondern würde langsam von einer Spinne ausgesaugt. Sei’s drum, es ist ja noch alles gut gegangen. Wenn auch Kazuug durch einen Raum flüchtete, der eine Säurefalle enthielt. Aber auch hier ging es zumindest noch glimpflich für ihn aus.
Die Höhle in die wir geflüchtet waren, konnten wir aber nicht für eine weitere Erkundung nutzen. Denn Hartmuut offenbarte sich sofort mit kundigem Blick, dass Ankheg dort auf Beute lauern. Also blieb uns nur der Weg durch die Eingangshalle.
Wir debattierten, wie wir die Illusionsfalle beenden können, ohne von den Spinnen getötet werden würden. Dafür müssten wir uns wieder der Gefahr der Spinnen aussetzen. Wir wollten dann versuchen die Spinnen zu den Ankheg zu locken, damit sie sich gegenseitig erledigen würden. Leider hätten alle Pläne beinhaltet mich als Köder zu nutzen. Schließlich werden Phasenspinnen von Magie angezogen. Dieses Risiko wollte ich dann trotz aller Opferbereitschaft nicht eingehen. Denn im Gegensatz zu Juri ist meine Zauberkraft nicht auf Kampf und Konfrontation ausgelegt. Es sind „Mädchenzauber“ wie ER immer wieder betonte. Also blieb uns nur der Weg durch die Halle, an Trugbild und Spinnen vorbei.
Tatsächlich gelang es uns mit Hilfe guter Vorbereitung, Schnelligkeit und Entschlossenheit den Plan in die Tat umzusetzen. Leider sind wir nicht so schnell, wie gehofft. Die Phasenspinnen erscheinen, ebenso, wie das Trugbild. Doch wir schaffen es Dank des Plans nicht nur die Spinnen abzuwehren. James gelingt es mit dem Schmiedehammer die Wand zu zertrümmern, was das Trugbild verschwinden läßt. Leider hatten noch zwei Spinnen überlebt. Doch darum würden wir uns später kümmern, erst wollten wir noch weiter die Anlage erkunden.
Auch der Gang zum Büro des Aufsehers war mit Fallen gesichert. Doch diese waren so offensichtlich, dass sie keine Gefahr darstellten. Genau so wenig, wie die Tür zum Raum des Aufseher ein Hindernis war. Aber zu meiner großen Enttäuschung konnten wir keine Schätze oder Wissen finden. Die Aufzeichnungen war so alt, dass sie unter meinen Händen zu Staub zerfielen. Ich musste mich sehr beherrschen, nicht in Tränen auszubrechen, ob des Verlusts. Denn wie hätte es vor James und Kazuug ausgesehen, wenn die angehende Barbarin für zerfallenes Papier Tränen vergießt.
Also blieb uns nur der letzte große Raum, in dem die Experimente stattgefunden haben müssen. Viele der Geräte und Apparaturen aus der Zeit der Runenherrscher waren noch vorhanden. Welch ein Schatz! Ein alchemistisches Labor zur Untersuchung von Bindungen und Beschwörung. Dem ersten Anschein nach auch weitgehend intakt erhalten! Selbst jetzt zittert mir die Feder vor Aufregung. Sorge bereitet uns aber noch der große Teich mit grüner Flüssigkeit, denn dort könnte sich etwas großes verbergen. Etwas, das die Wand in diesem Raum zum Einsturz gebracht hat. Denn für die Ankheg war die Zerstörung zu groß. Also sollte der Teich mit der grünen Flüssigkeit der Mitte des Labors ablassen werden, damit wir der dort – möglicherweise – lauernden Gefahr begegnen könnten.
Leider war ich von meiner eigenen Genialität geblendet. Ich glaubte mich zu erinnern, dass häufig ein großer roter matter Edelstein gedrückt werden müsse, um einen Reinigungsprozess in Gang zu setzen, was sicher einen Abfluss für den Teich geöffnet hätte. Das tat ich dann auch. Nur leider hatte ich nicht bedacht, was eine Reinigung noch alles beinhalten könnte.
So fanden wir uns kurz drauf auf der Flucht vor eine Säurewolke wieder, die sich aus der Mitte heraus ausbreitete und schnell begann den Raum zu füllen. Es gelang uns mit nur wenigen Blessuren zu fliehen. Durch die eingebrochene Wand, in der Hoffnung dort nicht nur sicher vor der Wolke zu sein, sondern auch nicht auf den Verursacher des Einsturz zu treffen. Zu unserem Glück erfüllten sich beide Hoffnungen. Doch jetzt gilt es den letzten Teil zu erkunden, die Phasenspinnen zu besiegen und den Raum zu den Ankheg zu versiegeln, damit die Skrang hier ihre Rituale abhalten können.
Sonntag, 20. April 2025
Mottes Tagebuch - In the temple of... Teil 2
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