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Montag, 22. Januar 2024

Mottes Tagebuch - Großer Trubel in Okeno Teil 3

 Auf der Suche nach Information

 

Gleich werde ich mit der Entschlüsselung der Papiere des Grauen Konzils von Okeno beginnen. Aber vorher will ich noch festhalten, wie wir in deren Besitz gekommen sind. Ein wahrlich spannde Geschichte. Vor allem da es viele Papiere sind und ich so nichts wichtiges vergessen werde. Wer weiß welche Geheimnisse sich hier verbergen. Gut nur, dass ich noch etwas von dem Mittel, das James aus den Kakteen gewonnen hat gefunden habe. Es wird mir helfen notfalls die ganze Nacht zu arbeiten. Aber vor allem ist mein Verstand jetzt scharf, wie ein Messer. Es wird ein leichtes sein, die Verschlüsselung zu knacken. Wer sollte dazu auch besser geeignet sein, als ich?


Aber halt – zuvorderst die Ereignisse niedergeschrieben. Zunächst hatte wir besprochen, wie wir weiter vorgehen wollen. Was sollten wir priorisieren? Ich war dafür uns auf IHN zu fokussieren. Oder auf die Sabotage der Gelben Flotte, wenn wir es dann der Hanse in die Schuhe schieben könnten. Aber – und das kann ich einsehen – Rache kann warten. Ist die Vorfreude nicht die Beste Freude? Denn mit den Informationen der Grauen könnten wir vielleicht auch etwas finden, das uns hilft die Sabotage der Gelben Flotte zu arrangieren. Leider brachte das uns auf eine unfruchtbare Diskussion, wie wir die Sabotage durchführen könnten. Von unserem neuen Mitglied Korva kam der berechtigte Einwand, dass wir nicht zu auffällig sein sollten. Sonst kämen wir nicht Lebend aus Okeno heraus. Wir müssen Bedenken, wer die wichtigsten Feinde sind. Daher wollten wir uns erst mal auf die Beschaffung der Informationen konzentrieren. Jetzt wo ich es schreibe, merke ich, dass Korva einen seltsamen Unterton hatte. So als würde sie uns nicht zutrauen, unauffällig zu sein. Nun wir werden sie eines bessern lehren.


Wir begaben uns also in den Gelben Hafen, um den besagten Ort zu finden. Es war fast seltsam, fanden wir uns am Markt dort doch in einer fast normalen Situation wieder. Es hätte auch ein Markttag in Port Grimm sein können. Schnell war der Ort gefunden – keine Lagerhalle, wie vermutet, sondern ein Stand, der billigste Öllampen feil bot. Ich nährte mich in der Rolle als Händler. Dank meiner Brillianz, fand ich schnell die richtigen Worte, so dass ich eine der „besonderen“ Öllampen erstehen konnte. Aber wir wollten ihre Geheimnisse nicht vor Ort ergründen. Es wäre zu auffällig gewesen. Die Leute beäugten uns schon misstrauisch und eine auffällige Zahl an Gossenzwergen lungerte auf dem Markt herum.


Noch immer ist uns nicht klar, sind die Gossenzwerge der Feind unseres Feinds? Sie spielen ein eigenes Spiel. Und Brettschneider mit ihnen, wie wir in Port Grimm erfahren konnten. Und meine ehemaligen Bundesgeschwister? Ist das Graue Konzil auf unserer Seite und wird nur durch IHN mißbraucht. Ich hätte damals nicht gedacht, dass die Hanse so niederträchtig ist, aber ER hat mir mit seinem Verhalten die Augen geöffnet. Sicher ist ER der schlimmste, denn es ist nicht unmöglich. Kann es sein, dass ER mit dem Chaos paktiert? und der Tod mag noch zu gnädig für all seine Untaten sein. Ihm ein Messer in seinen feisten Wanst zu stechen und seine Eingeweide vor ihm auszubreiten. Sein Herz herauszureißen. Der Gedanke lässt mich wohlig erschaudern. Ich hoffe, dass er so lange lebt, um mitzubekommen, wie ich sein Herz an die Haie verfüttere. Letztlich aber werde ich seinen Kopf an die Eisprinzessin übergeben.


Aber zurück zu unserer Exkursion auf den Markt. Denn Juri konnte es sich nicht nehmen lassen, mit den Gossenzwergen zu fraternisieren. Wirklich Überraschendes konnte sie jedoch nicht erfahren. Zumindest scheinen sie nicht auf Seiten der Hanse zu stehen, die seit einer Woche hier ihre Segel zeigt. Zum Dank aber ließen die Gossenzwerge einen dreckigen Abdruck auf Juris Mantel. Korva, ich und auch die anderen sahen darin ein Zeichen, uns leichter wieder zu finden. Daher wollten wir nicht, dass sie mit diesem Zeichen herumlief. Dies sah Juri zu meinem Erstaunen sofort ein. Also packte sie den Mantel in ihren Rucksack, bevor wir zum Schiff liefen. Eine gute Entscheidung, denn überall waren Gossenzwerge. Sicher nicht nur, um uns zu beobachten, aber auch. Ich hoffe nur, dass sie keine Verbindung zum Kriecher im Unrat haben. Eingedenk meines letzten Traums will ich vorsichtig sein. Der Abgrund lauert und ich mag nicht hineingezogen werden. Nicht, wo ich so nah am meiner Rache und vor einer neuen Zukunft stehe.


Als wir endlich wieder auf dem Schiff ankamen, konnte die Lampe untersucht werden. Auch wenn ich nicht wirklich erwartet habe, enthielt sie doch zu unser aller Bedauern keinen Dschinn, der nur darauf wartete unsere Wünsche zu erfüllen. Dabei hätten wir genug Wünsche gehabt: Die Gelbe Flotte versenken, die Hanse vernichten und für mich SEIN Kopf auf einem Silbertablett. Leider war es war nur eine Murmel. Da ich zu diesem Zeitpunkt nicht den Rest des formidablen Krauts von James entdeckt hatte, waren meine Gedanken noch langsam. Sicher schneller als die der Meisten, aber zu langsam, so dass es länger dauerte, bis wir gemeinsam das Geheimnis ergründen konnten. Es war eine Träne von Myst, ein magisches Artefakt. Es dauerte dann aber wieder bis sich heraustellte, wie sie zu verwenden ist. Letztlich war es der Zufall, der uns erkennen lies, dass sie zusammen mit dem Amulett des Grauen Magisters sich zu einem Kompass verband. So zeigte uns nun Ulgurs Wind der Schatten den Weg zum nächsten Ort.


Wir wechselnden wieder unsere Verkleidung hin zu unaufälligerer Kleidung. Bei der Suche nach dem Versteck der Grauen wollten wir so wenig Aufsehen, wie möglich erregen. Doch leider war es weniger einfach unauffällig zu sein UND dabei die Richtung zu finden. Und wie so oft machte mich Juri mit ihren Ratschlägen wahnsinnig. So dass wir in einer Sackgasse landeten. Aber bevor ich Juri zurechtweisen konnte, meine Konzentration nicht zu stören. Griff Hartmuut ein, nahm sich den Kompass und führte uns sicher und ohne Umwege zum Versteck.


Ein verlassener Laden mit einer eisenbeschlagenen und einem großen Vorhängeschloss gesicherten Tür im Keller. Beim Öffnen ließ Korva mir großzügig den Vortritt. Nicht dass ich mich vorgedrängt hätte, aber sie meinte, falls es eine magische Sicherung gäbe, wäre ich sicher kompetenter. Wahre Worte, doch wo ich jetzt diese Zeilen niederschreibe wird mir gewahr: so würde ich auch als erster Opfer von Fallen werden. Wo ich jetzt darüber nachdenke, sehr perfide. Es wird immer deutlicher, warum Aurelia sie zu uns geschickt hat.


Bei der Untersuchung wurde mir schnell klar, dass etwas mit dem Schloss nicht stimmen konnte. Ich hatte ein ungutes Gefühl, aber erst der Hinweis von James, auf die seltsamen Verzerrungen ließ mich die Illusion endgültig durchschauen. Kaum war dies klar hatte Juri, die sich vorher vornehm zurückhielt, wieder einige gute Ratschläge, wie die Illusion umgangen werden könnte. Und so lag es sicher auch an ihr, dass ich abgelenkt war und den Giftdorn übersah, der sich prompt in meine Hand bohrte. Doch nichts desto trotz - meine Sinne waren aufs Äußerste geschärft und so konnte ich meine Hand schnell genug zurückziehen, so dass ich nur wenig Gift abbekam.


Mittlerweile ist das taube Gefühl auch aus meiner Hand verschwunden, nur die Fingerspitzen kribbeln noch unangenehm. Aber für mich stellt sich dies nicht als Problem dar. Bin ich doch mittlerweile schlimmere Unannehmlichkeiten gewohnt.


Doch konnte ich auf die Vergiftung keine Rücksicht nehmen. Es gab eine weitere Sicherung: Eine alchemistische Feuerfalle. Jetzt war schnelles handeln gefragt. Und es zeigte sich – wenn es notwendig ist, kann diese Gruppe schnell und gezielt handeln. Wir gaben unser Bestes. Juri war geistesgegenwärtig und nutze ihre Elementarkräfte, um die Blätter mit Feuchtigkeit zu schützen. James hielt geistesgegenwärtig die Tür auf, während ich mittels meiner Zauberhand die Blätter aus dem Tresor riß und Hartmuut jeden Brandherd schnell mit seinen Händen erstickte. Nur Korva beteiligte sich nicht. Aber es hätte für sie auch keinen Platz zum Handeln gegeben, denn wir standen ihr im Weg. Doch konnte ich sehen, dass sie die Augen rollte und sicher verbarg sie ein Grinsen hinter ihrem Fächer. Ich kann es ihr jetzt, wo ich es niederschreibe nur wenig verübeln, musste unser hektischen Handel doch wie das von Dilettanten wirken. Sei's drum, wir hatten die Papiere. Jetzt mussten sie aufgewertet werden. Also machten wir usn – so unauffällig, wie es uns nun einmal möglich ist – auf den Weg zurück.


Wieder auf dem Schiff zeigte sich, dass die Papiere verschlüsselt waren. Ich war sofort begeistert. Wie nicht anders zu erwarten, wurde die allgemeine Standardverschlüsselung benutzt: eine magische Sicherung der es unmöglich machen sollte den mit einem Code verschlüsselten Text in alter Sprache lesen zu können. Eine Übung genau nach meinem Geschmack. Beinahe schon zu einfach. Leider konnte sich Juri nicht dafür begeistern, dabei hätte ich zu Abwechslung ihre magische Hilfe gut gebrauchen können.


Sei's drum, so ist das mit den Hexen. Es sollte mich nicht wundern. Aber Dank des Krauts und meines persönlichen Rumvorrats – den ich noch schnell aufgestockt habe – werde ich zur Not die ganze Nacht durcharbeiten. Das wird herrlich! Magie, Wissen und ein Rätsel, alles was ich Liebe. Wofür ich an der Akademie geschwärmt habe. Für das ich die letzten 10 Jahre meines Lebens geopfert habe. Meine Hand zittert ein wenig vor Aufregung.


- -


Wieder ein Albtraum – Ich muss es schnell aufschreiben – war der letzte Traum bizarr, ist dieserr überaus seltsam. Ich war gefangen. In einem Eingeborenendorf irgendwo im Süden der Umgebung und Pflanzen nach zu urteilen. Meine Hände waren auf den Rücken gebunden – es sollte ein Tribunal geben – mein Tribunal. Eine Schwarze Frau spricht: Du bist Liebling, der Hanse! Du bist Liebling, des Kriechers! Du bist Liebling, der Gesellschaft! Du bist Liebling, der Anderswelt! All das wurde gewogen und für zu leicht gefunden. Du willst unserer Ahnen entehren. Dir ist es egal, wenn unsere Geschichte vernichtet wird. Du denkst nur an dich selbst. Das ist dein Tod.


Ich habe keine Ahnung, was sie damit meint. Aber es rührt etwas in mir.


Dann bin ich auch schon gebunden. Gespannt zwischen zwei Säulen, Arme und Beine gespreizt. Die Frau tritt wieder vor, ein Dolch in ihrer Hand. Sie schlitzt meinen Bauch auf. Reißt mir die Geärme heraus. Dann stößt sie den Dolch in die Brust und schneidet mein Herz herraus. Sie hält es vor meine Augen – es geht in Flammen auf. Dann erst kommt die Dunkelheit und meine Leiden enden.


Doch der Albtraum ist noch nicht vorbei. Ich schwebe im Dunklen, es ist kalt. Dann erscheint die Eisprinzessin. Ihre Stimme ist eisiger als ich mich erinnere: „Du hast mich enttäuscht, Eirlys. Weder hast du deine Rache vollendet noch dich deinen Gefährten offenbart. Daher werde ich dich nicht in Schar meiner Wendigo aufnehmen. Dir soll das Los der Verräter zu Teil sein. Deine Seele wird zerschmettert.“ Die Enttäuschung trifft mich in meinem Innersten, ich falle und schiere Verzweiflung greift mein Herz. Unter mit dreht sich das Rad des Schicksals. Als Ich auf das Rad pralle wache ich auf.


Ich habe keine Ahnung, was mir dieser Traum sagen will. Aber ich bin wiedereinmal schweißnass, als ob mir ein Eimer Wasser über geschüttet worden wäre. Langsam gehen mir die Hemden aus.


- -


Zumindest bin ich gerade noch rechtzeitig vor der Rückkehr der Anderen erwacht. So konnte ich nicht nur noch schnell ein trockenes Hemd anziehen. Auch konnte ich meine Notizen ordnen und so den Anderen meine Ergebnisse präsentieren. Aber zuvor bin ich begierig die Geschichte der anderen zu hören. Und ich will sie auch schnell niederschreiben bevor wir anhand meiner Erkenntnisse überlegen, was zu tun ist.


Die anderen sind nicht sofort zum Haus Korta Hagen. Erst wurde eine kleine Verschnaufpause eingelegt. Diese nutzte Juri, um sich zum Stand der Hanse in der Stadt umzuhören. Wie es schien ist die Hanse unter Vielen in Okeno wohlgelitten, so wohl, dass sie sich wünschten Okeno würde ein Außenposten des Imperiums. Juri reizt der Umstand, dass sich ein Piratenhafen einfach der Hanse ergeben will, dass sie eine flammende Rede gegen die Hanse hält. Unter den Zuhörenden stimmen ihr Schmuggler und Piraten zu, während Andere sie ausbuhen. Heftige Diskussionen und Handgreiflichkeiten entbrennen. Die Menge ist aufgepeitscht.


Händel scheinen sich über die Stadt auszubreiten. Was dazu führt, dass auf dem weiteren Weg zum Haus Karta Hagen immer wieder Scharmützeln ausgewichen werden muss. Juri wird sogar von Hanseschlägern angegriffen. Es gelingt zwar, sie zu vertreiben, aber es zeigt auch, die Situation ist gefährlich geworden.


In der Niederlassung angekommen, übernimmt dann Korva die Führung. Sie überzeugt Novaria Karta Hagen, sie sei eine Abgesandte von Port Grimm, welche Verträge mit Karta Hagen verhandeln will. Für die Einrichtung von sicheren Wegen in oder aus der Stadt wird dem Haus ein guter Handelsvertrag angeboten. Dies seit notwendig, weil das Imperium in Gestalt der Hanse immer mehr die Macht übernehmen wollen. Die aktuellen Ereignisse - welche wir ja zum Teil angezettelt haben – zeige das nur zu deutlich. Dies würde sicher dann auch bald für den Handel von Haus Karta Hagen problematisch werden. Da wäre Port Grimm ein guter und sicherer Hafen.


Die Verantwortliche zeigt sich schon fest überzeugt. Sie sieht die Möglichkeit, hat aber eine Bedingung, weil sie von den Motiven der Gesellschaft nicht wirklich überzeugt ist. Denn es gibt Vorbehalte gegen die Gesellschaft. Daher soll ein Vertrauensbeweis her. Es gibt in der Stadt wohl eine Räuberin Umgala, welche immer wieder Artefakte von Haus Karta Hagen raubt. Es wäre im Interesse des Hauses, dass sie unschädlich gemacht wird. Am nächsten Morgen wäre ein Transport geplant. Hier könnten wir Eindruck machen und die Worte untermauert werden.


Alles könnte so schön einfach sein, aber Juri zeigte plötzlich ihre romantische Seite. Denn Umgala soll eine Freiheitskämpferin sein. Die Gerüchte, welche Korva und Juri eingeholt haben besagen. Sie würde nur Artefakte rauben, welche zuvor ihrem Volk gestohlen wurden. Offensichtlich aber verkauft die Organisation von Umgala die Artefakte dann den Völkern von denen sie stammen sollen wieder zurück.


Leider ist nicht klar, ob sie nicht sogar zuvor die Artefakte selbst an Karta Hagen über Mittelsleute selbst verkauft haben. Ein klassischer Kreislaufhandel in dem die Ware unendlich verkauft wird, ohne je gebraucht zu werden, wie Frederikus Celstialius sagen würde. Eines der wenigen merkantilistischen Gesetze, die ich tatsächlich behalten habe.


Und nicht zuletzt wissen wir nur wenig über die Völker von denen die Artefakte stammen. Sie können von den friedlichen Fischerkulturen ebenso stammen, wie von den chaosanbetenden Stämmen. Beides ist im Südmeer vertreten.


Ich wurde mich nur, dass kaum ruft jemand Freiheit und Juri ist Feuer und Flamme. Ich glaube nicht, dass es sie als Piratin sonst stört, ob sie die Hanse-Schiffe oder Kauffahrer aufbringt. Ob sie der Südmeer-Gesellschaft einen Schlag versetzt oder die Familien von kleinen Kaufleuten ins Elend stürzt. Sei's drum. Ich habe aufgegeben hier einen Sinn zu sehen, solange ihre Launenhaftigkeit nicht vom Chaos herrührt, soll es mir Recht sein. Ich hoffe nur mein Traum hat nicht zu sehr mit dieser Umgala zu tun.

Freitag, 5. Januar 2024

Mottes Tagebuch - Großer Trubel in Okeno Teil 2

Ankunft in Okeno 

 

Wir haben Hartmut an Bord der Atsea wieder getroffen. Er erzählte uns, dass er dort plötzlich war. Erwacht aus einem Albtraum. Wir wunderten uns nur wenig, so viel ist mittlerweile unerklärlich. Stattdessen machten wir ihn mit Korva bekannt. Korva trau ich noch nicht. Sie hält sich eher zurück. Dafür strahlt sie die Gefährlichkeit eines hungrigen Panthers aus. Aber ich denke, das wird sich im Laufe der Zeit noch ändern. Schließlich bürgt Aurelia für sie.


Auch wenn ich mich freute Hartmuut und seine herzlich-raue Art wieder zu treffen – ich bin ausgelaugt. Daher nahm ich es auch gleichmütig, dass die Besatzung der Atsea in den letzten Tage ebenfalls ihre Albträume erlebte. Sie litten fürchterlich – hatten sie ja auch einiges mehr auf ihr Gewissen geladen, als wir – nun zumindest ich. Aber das kümmerte mich ebenso wenig, wie, dass Juri ihre Fähigkeit im Fabulieren nutzte und den Seeleuten mit einer wohl inspirierenden Ansprache neuen Mut zu sprach. Ich nahm vor allem wahr, dass sie ihre Energie nicht nutzte, um mir irgendwelche Vorhaltungen zu machen. Das einzige, was mich wirklich im Innersten rührte, was das Lichten des Ankers. Endlich ging es weg von der vermaledeiten Wüste und auf See in Richtung Okeno.


Auch wenn ich den Himmel kaum mehr als ein Blinzeln schenke – er ist immer noch verstörend. Es scheint, dass andere Sterne stehen. Die Sonne ist, wie hinter Schleiern verborgen. Aber schlimmer ist noch, dass die Albträume mit jedem Schlaf in unsere Welt kommen. Alle – auch die Härtesten der Besatzung, haben Angst zu schlafen. Rote Augen und fahrige Bewegungen zeugen davon. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis die ersten einem Unfall erliegen oder sich selbst ein Ende setzten. Juri meinte es wäre ein Werk der Albtraum-Hexen. Ich bin mir nicht sicher. Träume senden Botschaften. Albträume wollen uns warnen.


Ich habe daher einen Selbstversuch gestartet. Natürlich ohne die Wasserhexe davon in Kenntnis zu setzten. Sie hätte sicher wieder irgendeinen Grund, um es mir auszureden. Auch Hartmuut und James habe ich nicht informiert. Ersteren, weil ich mehr Rum benötige, als meine Ration zu lassen würde, um meine Nerven zu beruhigen. Letzteren, weil ihn das kaum zu interessieren scheint. Ich weiß nicht einmal, ob Echsen träumen. Ich sollte es in einem nächsten Schritt herausfinden.


Aber zurück zu meinem Experiment. Ich suchte mir ein ruhiges Plätzchen. Schließlich will ich mich ungestört meinen Albträumen stellen, aber vor allem umgehend aufschreiben, was ich erträumt habe. Der Schlaf kommt schnell und mit ihm die Träume. Was lange währt, ist nach dem Erwachen wieder ruhig zu werden, so dass ich die Feder führen kann. Denn trotz aller Vorbereitung zehrt die Erfahrung an Geist und Körper. Der Rum hilft ein wenig, läßt aber bereits in der Wirkung nach. Stärkeres will ich aber noch nicht probieren.


Seit wir auf See sind, durchlebe ich bislang immer wieder den gleichen Traum. Meine erste Strafe durch IHN – fünf Hiebe der Disziplin mit der Bullenpeitsche, vor der versammelten Besatzung, befehligt von Five-Knifes. Das zumindest bleibt immer gleich, aber die Details ändern sich. Mal ist es die Besatzung, die dämonisch verzerrt ist, mal der Himmel, ein andermal sind wir nicht auf dem Schiff. Aber immer wird deutlich, ER hatte etwas besonderes mit mir vor und will meinen Willen brechen.


Jetzt am Tag bevor wir in Okeno einlaufen war das Ende ein anderes. Sonst liege ich, wie damals, wimmernd, blutend und mich vor Schmerzen windend auf dem Boden, bis mir ein Eimer Meerwasser über den Rücken geschüttet wird, was mich schreiend und mit schmerzendem Rücken aufwachen läßt. Diesmal aber kam kein Wasser. Stattdessen erschien die Rattenmutter. Sie flüsterte mir beruhigende Worte ins Ohr. Dann begann sie vorsichtig und zärtlich meine Wunden lecken. Ein wohliger und süßer Schauer ging durch meinen Körper, als sie sich an mich schmiegte. Wieder flüsterte sie, doch diesmal mit zischelnden Lauten. Auch war ihr ansinnen ein anderes. Und als ich spürte, ihre Haut war mit Fell bedeckt und ein langer Schwanz drängte sich um meine Beine, merkte ich – sie war zum Avatar des Kriechers im Unrat geworden. Sie wollte mich mitnehmen in die Tiefe und tatsächlich hatte Finsternis bereits uns beide umgeben.


Ich bin schreiend aufgewacht. Das Hemd völlig von Schweiß durchtränkt, mein Rücken brannte, wie Feuer. Ich brauchte drei Versuche die Rumflasche zu öffnen. Danach trank ich sie in einem Zug aus. Noch ist mir nicht klar, was der Traum mir sagen will, sicher ist aber, ich brauche ein Bad und meine Kleidung muss gewaschen werden.


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Gleich werden wir einen Landgang in Okeno unternehmen. In die Kaschemme namens Warp. Das hebt gleicht meine Laune. Endlich wieder eine Stadt. Schluss mit dem staubigen Einerlei dieser dreimal verfluchten Wüste im Hinterland mit ihren mörderischen Kakteen. Damit wir nicht sofort erkannt werden – sicher ist sicher – mache ich mich ein wenig zurecht. Ich bin nicht gut im Verkleiden, aber für die Stadt wird es reichen. James wird mein treuer Leibwächter sein. Die anderen sind sie selbst. Nun gut Harmuut hat einen lächerlich großen Hut mit einer protzigen Feder aufgesetzt (er nannte es imposant) – für Okeno muss das reichen.


Die Besatzung scheint erleichtert – es besteht die Aussicht auf Rum – und vielleicht sind die Albträume in der Stadt nicht ganz so schlimm, wenn Viele auf einem Haufen sind. Die Stadt zumindest platz aus allen Nähten. Fast alle Liegeplätze sind besetzt. Die Gelbe Flotte scheint komplett versammelt zu. Auch Schiffe der Hanse – sogar drei Galleonen – liegen im Hafen. Mich wundert, dass die Hanse hier so offen auftritt. Selbst für sie ist dies ein Piratenhafen. Etwas ist im Gange. Ich frage mich, ob die Kaiserlichen davon Wissen. Wird vielleicht das Graue Konzil ausgenutzt. Ist es gar korrumpiert? Langsam fange ich an so zu denken, wie die verfluchten Hexenjäger.


Aber meine Experimente mit den Täumen bestärken mich. Es ist offensichtlich: Träume lügen nicht – nur ist ihr Wahrheit tief verborgen. Denn unter den Hanse-Schiffen ist auch die Bunte Kuh – SEIN Schiff. ER hatte schon immer einen Hang den Schrecken hinter harmlosen Namen zu verstecken. Das erklärt auch warum in ich meinen Albtraum stets von einem buntgescheckten Minotaurus ausgepeitscht wurde. Nur Frage ich mich immer noch, was mein letzter Traum wohl bedeuten könnte. Es war überaus seltsam und ich kann mir keinen Reim darauf machen.


Ich war in einem hellen Raum auf einen Tisch aus Metall gefesselt. Als ich den Kopf bewegte waren dort Gestalten in weißen Rüstungen mit Masken aus Glas und Stoff vor den Gesichtern. Die Wände waren mit funkelnden Lichtern bedeckt. Alles beunruhigend, aber noch kein Albtraum. Dies änderte sich, als ich merkte, dass ein Golem aus Metall an den Tisch trat – oder über mir schwebte, ich weiß es nicht mehr genau – und begann meinen Körper mit präzisen Schnitten zu malträtieren. Er entfernte meine Beine und ersetzte sie durch Prothesen aus Metall. Als er dann meine Augen mit Murmeln ersetzen wollte, bin ich schreiend aufgewacht.


Wo ich jetzt darüber sinniere merke ich: Ich freue mich nicht nur auf den Rum – langsam kann ich mal wieder einen guten Schluck gebrauchen.


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Gute Güte, was für ein Tag. Ich kann gar nicht alles so exakt aufzeichnen, wie es sich zugetragen hat. Aber ich gebe mir Mühe. Das Warp ist tatsächlich der Sammelpunkt des Abschaums der Südsee. Selbst meine Erfahrungen in Port Grimm und die schlimmsten Beschreibungen in den Abenteuern Eritha Kreuzfahrers wurden hier tatsächlich übertroffen. Da fiel es schwer sich des Mottos der Infiltration zu bedienen: willst du unauffällig sein, benehme die auffällig. Aber wir gaben uns trotzdem alle Mühe uns so zu benehme, als ob die Kneipe uns gehören würde. Es tat mir gut, endlich alle Flüche und Beleidigungen los werden zu können, die mit seit Wochen auf der Zunge liegen. Selbst der gepanschte und mit Gewürzen versetzte Rum konnte mich nicht schrecken. Ich fühlte mich großartig.


Aber wir waren ja nicht nur zum Vergnügen im Warp. Wir wollten ja herausfinden, wie wir mit den Agenten des Grauen Konzils in Kontakt kommen könnten. Also suchten wir zwischen den Steckbriefen und Angeboten die verschlüsselte Botschaft der Grauen Magier. Es war ein Leichtes die Nachricht zu finden. Auch der Code war leicht geknackt. Es war ein Liegeplatz im Gelben Hafen.


Zu meinem großen Bedauern nahmen wir auf den Erfolg keine zweite Runde. Stattdessen kam es Dank der impulsiven Art von Juri zu einer Begebenheit, die eine ganz Kette von Ereignissen in Gang setzte. Ich will gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn ich so gehandelt hätte. Mich mahnt Juri immer zur Vorsicht, aber selbst springt sie kopfüber in unbekannte Gewässer. So sind die Seehexen wohl. Sei's drum - Wir wurden von einem Werber der Hanse angesprochen, der Schläger für eine Expedition anheuerte.


Aus welchen Gründen auch immer – vielleicht lag es ja am gewürzten Rum – Juri und Hartmut wollten sich zum Schein verdingen. Es blieb uns anderen nicht viel übrig als mitzuspielen. Schließlich konnten wir nicht mitten im Warp eine große Diskussion beginnen. Als aber ein Zeichen in die Haut geritzt werden sollte, läuteten bei mir alle Alarmglocken. Zeichen? Wie Bindungszeichen? Wer wusste, was dieses Zeichen bewirken konnte? Aber mir war es egal, ob sie uns in Schwierigkeiten bringt. Ich fühlte mich lebendig, wie lange nicht. Daher ging auch ich auf den Handel ein. Aber um nicht gezeichnet zu werden griff ich zum Mittel der Illusion. Der Zauber glückte formidabel. So sorgte ich dafür, dass ich nicht gezeichnet werde und James konnte ich ersparen, ein Sklavenhalsband angelegt zu bekommen.


Mir war klar – Zwei von uns mussten handlungsfähig bleiben. Denn dann ging es in Richtung unseres Schiffs. Hier wurde es kritisch, weil Ja'ama – der Werber – sich überrascht zeigte, dass die Gelbe Flotte zur Hanse überlaufen will. Denn dies ist eigentlich ein Vertrauensbruch und wird mit dem Tod vergolten. Aber wieder kann Juris Talent Geschichten zu erzählen, die Situation retten. Es ist offensichtlich, die Hanse will keinen Streit mit der Gelben Flotte.


Als Ja'ama mit seinen Gehilfen auf unserem Schiff ankommen, gab Juri das Zeichen zum Angriff. Sofort griff ich nach meinen arkanen Kräften. Wenn es mit der Illusion so gut geklappt hatte, sollte es doch auch mit Geistesschlag gelingen. Ich fühlte, wie sich die Macht des Zaubers in mir sammelte, meine Fingerspitzen zu kribbeln begannen und die beinahe körperliche Erleichterung als sich die Magie ihren Weg bahnte. Und wie erwartet konnte ich damit Ja'ama niederschlagen.


Dann brach die Hölle los, als die Gehilfen sich gegen uns wendeten. James, Hartmuut und Korva nutzen ihre Waffen, Juri und ich die Magie. Bereits zuvor war uns aufgefallen, dass etwas mit den Gehilfen nicht stimmen konnte. Und tatsächlich - das Knirschen und die Funken zeigten, es waren keine Menschen – es waren Metallgolems. Aber auch diese waren durch uns schnell überwunden.


Denn endlich gelingen auch meine Zauber wieder. Vielleicht lag es ja an diesem Höllenloch von Wüste? Jedenfalls konnte ich hier, in Okeno, auf einem Schiffe ohne Probleme einen Schergen mit meiner Zauberhand greifen. Sogar ihn einige Schritt in die Höhe heben klappte ohne Anstrengung. Die Idee ihn dann auf einen Schergen fallen zu lassen, hätte ich nochmal überdenken sollen. Denn sie durchschlugen ob der Wucht das Deck – aber zum Glück nicht die Hülle. Sicher hätte dann nicht nur Juri geschimpft. Sei's drum – es ist ja nichts passiert und das ist, was zählt.


Nachdem die Metallgolems ausgeschaltet waren, konnten wir uns an die Durchsuchung und Befragung Ja'amas machen. Dieser hatte meinen Zauber nicht abschütteln können – vielleicht sollte ich wirklich nachforschen, ob die Wüste einen Einfluss auf meine arkanen Kräfte hat. Aber ich will mich auf das Wesentliche konzentrieren. Die nachfolgende Befragung und Untersuchung war aufschlussreich.


Wie vermutet war das Zeichen magisch. Das eingesetzte Salz senkte die Willenskraft. So wäre es ein leichtes Zauber der Illusion und Beherrschung über die Träger zu wirken. Nochmals ein Hoch auf meine erfolgreichen Zauber – nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn Ja'ama Hartmuut oder Korva so beherrscht hätte, dass sie sich gegen uns gewendet hätten. Dann wie sich zeigte war Ja'ama selbst ein Magier, wohl ein Thaumaturg, dann er trug allerlei seltsame Artefakte bei sich – Diamantenstaub, Schutzringe, Amulette und Fläschchen über Fläschchen. Außerdem eine Art Miniaturklistier – so klein, dass ich mich fragte, wem dies wohl zugedacht sei – aus einem Material, wie Glas, nur leichter und mit einer Hohlnadel.


Zu unser aller Erstaunen erkannte James dieses wundersame Artefakt. Er meinte, damit werden Tränke in Muskeln injiziert. Es stamme wohl von der Technikliga. Diese würden in der großen Wüste östlich von hier einen Metallberg, der vom Himmel gefallen sei, verehren. Laut den Legenden würde er von Höhlen durchzogen sein, die gefüllt wären mit thaumaturgischen Wundern. Auch die Metallgolems sollen von dort stammen.


Ich bin immer noch von diesen Geschichten fasziniert. Besonders groß ist bei mir die Frage, wie sie es schaffen die Metallgolems mit arkaner Energie zu koppeln. Bisher wusste ich nur, dass organisches Material und bestimmte Steine für Golems geeignet sind. Metall war ein Mythos – soviel Orichalkum wäre ein Königreich wert. Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit hier mit Ja'ama noch ein wenig zu plaudern.


Zu seinem Ansinnen berichtete er, dass er im Auftrag der Technik-Liga das geheimnisumwitterte Xin-Shallast finden wolle. Etwas, dass auch die Gesellschaft gerade beschäftigt. Aber noch interessanter – Ja'ama meinte, dass ER ebenfalls auf der Suche nach der magischen Stadt sei – auf eigene Faust!


Es scheint, dass wir hier einen Verbündeten haben könnten, aber können wir ihm trauen? Und sollen wir den Auftrag Aurelias einfach ignorieren? Wir dürfen den Fokus nicht verlieren. Die Gesellschaft verlässt sich auf uns. Es gilt schließlich noch eine Invasion auf Port Grimm zu verhindern. Auch sollen wir ein Netzwerk aufbauen, dass die Gesellschaft mit Informationen aus Okeno versorgt. Vielleicht ist meine Ausbildung doch zu etwas gut. Und auch meine Rache scheint greifbar. Denn vielleicht läßt sich der Angriff auf Port Grimm verhindern, indem wir die Gelbe Flotte gegen die Hanse ausspielen und dies kann ich nutzen, um den Schlag zu führen, der mich von IHM befreien wird. Das klingt nach einem Plan!