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Freitag, 29. Juli 2022

Mottes Tagebuch Auf Güldensterns Spur Teil 3

Tagebuch von Motte - Im Tempel der Skrang

Am frühen Nachmittag haben wir das Kloster erreicht. Die Ruine machte wohl einen anderen Eindruck, als bei der letzten Visitation vor zwei Wochen. Die Eingänge waren verbarrikadiert und von Pflanzen überwuchert. Hartmuth machte sich auf die Lage zu erkunden. Zuvor drückte er mir seine Armbrüste in die Hände und meinte, ich solle damit den Rückzug decken. Es war mir zweifelhaft, wie. Hätte ich damit auf Angreifer werfen sollen. Weiß ich doch gerade, wie eine Armbrust gehalten wird. Zippi und ich sollten mit den anderen warten. Aber, wie es wohl die Art des Gnomen ist, schlich er sich von dannen.

Es dauerte eine ganze Weile, so daß ich schon eine leichte Unruhe verspürte. Aber dann kam die Stimme von Harmuth, ich solle auch in den Innenhof kommen. Ich diskutierte mit den Goldgräbern, waren sie doch nicht erpicht darauf sich einer unbekannten Gefahr auszusetzen. Letztlich wollten sie am Waldrand warten und den Rückzug decken.

Als ich mich der Anlage näherte, wurde Tante Agathe unruhig. Sie wollte aus ihrem Versteck und auf meiner Schulter sitzen. Auch wenn die Verbindung noch nicht stark ist, ich spürte ihre Aufregung. Etwas beunruhigte sie. Im Innenhof angekommen musste ich meinen ganzen Mut und meine Willensstärke zusammen nehmen. Fand ich meine Gefährten im Gespräch mit mehreren Echsenmenschen. Offensichtlich entlaufene Sklaven. Sind sie mit dem Sklavenband schon ein angsteinflößender Anblick, waren diese schrecklich.

Wie ich bemerkte, waren zwei Wachen auf den Wällen, welche den Waldrand musterten. Drei andere waren offensichtlich von größerer Bedeutung. Zwei erschienen von ihrer Art her, wie Schamanen oder Priester. Eine Frau – die wohl eine Priesterin der Brutmutter ist und Mutter Bokwin geheißen wurde – sah einer Kröter ähnlicher als den Echsenmenschen, mit denen ich bisher in Kontakt kam. Ein älterer Mann, dem Anschein nach blind, wurde Naktok genannt. Er ist wohl der Droska-Priester. Der Echsenmensch, welchen ich zunächst für den Kriegshäuptling hielt, stellte sich als Gefährte von Hartmuth und Zippie heraus. Er war schaurig anzusehen, hatte so viele Speere dabei, daß ich mich dahinter verstecken hätte können. Um seinen Körper hatte er zudem eine Klingenkette geschlungen. Und wenn er sprach, entblößte er fingerlange Reißzähne.

Das Gespräch zwischen meinen Gefährten war schon weit fortgeschritten. Einen großen Teil erfuhr ich erst später. Trotzdem will es es der Reihe nach aufschreiben, so kann ich auch meine Gedanken besser ordnen. Auch Zippi war zu der Gruppe gestoßen und wurde von der Brutmutter, wie ein interessantes Schoßtierchen behandelt. Ich hoffte es zu diesem Zeitpunkt zumindest, daß sie ihn nicht als Nachmittagsmahl auserkoren hatte.

James – der Echsenmenschgefährte – war zu Verhandlungen hier im Kloster und hatte beim Bau der Barrikaden und der Fallen, in die wir geraten sind, geholfen. Dies beruhigt mich ein wenig, dann haben Untote und Fallen nicht die gleiche Ursache. Interessant ist die Pflanzenmagie, welche Mutter Bokwin offensichtlich zu wirken in der Lage ist. Aber Fragen müssen hier hinten an stehen. Und wenn ich ehrlich bin, war ich noch zu geschockt und verängstigt von den Echsenmenschen ohne Sklavenband, als daß ich hier hätte sinnvolle Fragen formulieren können. Zumal ich auch noch Tante Agathe beruhigen musste, die immer noch in Richtung des linkerhand gelegenen Gebäudeteils entweichen wollte.

Aber weiter in der Erzählung. Aurelia und Juri kamen wohl vor zwei Wochen am Kloster an und verschafften sich Zugang zu den Kellergewölben. James war gerade wohl wieder in Richtung Port Grimm aufgebrochen. In den Gewölben haben Aurelia und Juri wohl versucht Steine zu stehlen und damit den Schlaf des „Goldenen Wächters“ gestört. Dies führte wohl dazu, daß die Gewölbe teilweise zerstört wurden. Das befreite wohl die Festrog, die untoten Echsenmenschen zu denen die Toten der Skrang, welche Droska anbeten, werden.

Dies beides bestätigt meine Vermutung, daß hier eine magische Sicherung gestört wurde. Nun ist nur die Frage, wozu diente diese Sicherung? Die Untoten sind meiner ersten Hypothese nach deutlich jünger als die Sicherung. Sie wurden nur durch Zufall befreit. Aber trotzdem scheint unter dem Kloster eine größere Macht verborgen zu sein, die an Ort und Stelle gebannt wurde. Etwas, das wohl auch die Echsenmenschen zu beunruhigen scheint. Haben sie bereits an einer Lösung gearbeitet.

Unter Anleitung von Naktok sind sie dabei ein Goldenes Halsband zu schmieden, das den Goldenen Wächter beruhigen oder kontrollieren soll. Dazu nutzen sie „Weichhäute“ - also Menschen - welche zu Sklaven Droskas werden. Soweit ich es verstanden habe zumindest. Es scheint, sie werden nicht getötet, aber es steht ihnen, wie mir scheint, ein ähnlich schlimmes Schicksal bevor. Daher haben wir eingewilligt, die Lösung der Mutter Bokwin zu unterstützen. Ihr war in einer Vision offenbart worden, wo sich Eier der Donnerechsen finden würden. Mit deren Hilfe könnte ein Wächter geschaffen werden. Dies interessiert auch mich. Würde „nur“ das Ei ausgebrühtet und die Donnerechse gezähmt oder gäbe es ein magischers Ritual, mit dem eine Arte Riesenechsenmenshc geschaffen wird.

So oder so könnte sich die Möglichkeit ergeben, daß wir auch in die Kellergewölbe vordringen könnten. Es düngt mir, daß Aurelia und Juri dort verschüttet sind. Nach zwei Wochen sind die Chancen aber gering, daß sie noch leben. Doch nichts desto trotz wäre eine Erkundung der Gewölbe von Interesse. Wenn ich mit meiner Deduktion richtig liege, ist dort ein Hort magischen Wissens oder zumindest ein alter Zauber zu finden. Wobei ich nicht sicher bin, ob ich wirklich wissen möchte WARUM ein starker Schutzzauber in den Tiefen gewirkt wurde.

Meine Aufzeichnungen werde ich später fortsetzen. Denn jetzt brechen wir auf, um die Schlucht zu finden, wo das Gelege der Donnerechsen zu finden ist. In den Gefahren des Südmeers war nur wenig darüber zu lesen. Schnell, fressüchtig, aggressiv und riesig waren ihre Attribute. Auch James spricht nur ehrfürchtig von ihnen. Ich bin gespannt.


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Ich hoffe ich kann meine Schrift auch später noch lesen. Schnell werfe ich diese Zeilen auf das Papier, bevor wir uns auf den weiteren Weg zur Schlucht machen – doch das ist nicht der Grund. Wenn ich daran denke, war passiert ist, füllen sich meine Augen wieder mit Tränen von Wut und Scham, so daß ich Angst habe, sie verwischen die Tinte.

Nachdem wir uns einige Meilen vom Kloster entfernt hatten, schnappte sich James plötzlich Tante Agathe, welche die ganze Zeit unruhig auf meiner Schulter saß und sich kam beruhigen wollte, seit wir das Kloster verließen. Es sah aus, als ob er sie als Abendessen auserkoren hätte. Nur mit Mühe konnte ich mich nicht verleiten lassen so zu handeln, daß ich wieder einen Teil meiner Geheimnisse preis gegeben hätte. Genauso konnte ich nur mit Mühe den zweiten Drang unterdrücken meine Waffen zu zücken.

James behauptete das Tante Agathe eigentlich Baunz heißen würde und das Familiar von Juri wäre. Welche wie ich nebenbei erfuhr nicht nur eine Hexe ist, sondern aufgrund eines Vorfalls bei meinen Gefährten nicht gut gelitten ist. Er wollte mir nicht glauben, daß Tante Agathe mir zugelaufen ist, kurz bevor ich Akbash getroffen habe. Ich war außer mir vor Zorn, daß ich wieder wie ein kleines dummes Kind behandelt wurde. Da mir nichts anderes blieb, wollte ich ihn mit Worten verletzten. Doch während ich mir Beleidigungen zurechtlegt, stupste Zippi mich immer wieder an, so daß ich kichern musste. Auch überschlug sich meine Stimme. Ich musste wirklich den Eindruck eines kleinen, dummen und verärgerten Kindes gemacht haben, daß keine kandierten Nüsse bekommt und sich schreiend auf den Boden wirft. Eine solche Demütigung habe ich seit DAMALS nicht mehr erlebt. Ich wollte im Boden versinken, was die Situation nur noch schlimmer machte. Gerade konnte ich mich davon abhaltend heulend in den Wald zu rennen. Aber sicher haben alle bemerkt, daß mir einige heiße Tränen über die Wangen liefen.

Oh bei Io-Re und Besmera, wieder verschwimmt meine Sicht und ich muss schniefen. Denn zu allem Überfluß scheint mir, daß sie Recht haben könnten. Denn als James die Vermutung äußerte, daß Tante Agathe schon von Juri gebunden sei, da verhielt sie sich seltsam. Sie schien zu nicken und zeigte in Richtung des Klosters, als ob sie uns etwas zu Juri mitteilen wollte. Aber vielleicht hatte diese Konfrontation auch ein Gutes – wurde doch von Harmuth vermutet, ich könnte der Sohn von Juri sein. Auch wenn sie mit Juri Streit haben, immerhin eine bessere Geschichte, als die Wahrheit.

Nun ist aber Zeit die Tränen zu trocknen und nach vorne zu sehen. Es scheint nicht mehr weit bis zur besagten Schlucht. Wenn wir dort wirklich die Eier der Donnerechse stehlen wollen, kann ich nicht, wie ein kleines Kind flennend bei den ersten Problemen wegrennen. Ich bin Motte und ich werde zeigen, daß ich für die Gesellschaft von Nutzen bin. Schließlich kann ich nicht ewig wegrennen.


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Zu Anfang waren wir noch frohen Mutes. Der Abstieg ging leicht. Wir knüpften aus einigen Affenbäumen Netze für die Eier. Und hofften nebenbei, daß der Gestank der Schlingpflanzen den Geruch der Eier überdecken würde, um so die Echsen nicht auf unsere Spur zu locken. Der Gang tiefer in die Schlucht war zunächst auch problemlos. Nur die feuchte Hitze zehrte an uns. Doch dann geschah das erste Ungemach.

Wir kamen an eine Stelle, die von Feuerameisen besiedelt war. Wie wir erkennen konnten, hatten sie bereits ein Opfer gefordert, das vor uns auf dem Weg lag. Kaum, daß wir uns genähert haben, kamen sie auch schon hervor. Zwei große Schwärme griffen uns an. Während Harmuth versuchte eine Fackel zu entzünden, versuchte Zippi es mit seinem Feen-Zauber. James nutzte sein angeborne Stärke und zertrampelte die gut daumengroßen Ameisen mit seinen Füßen. Ich nutzte eine Lücke und eilte zu dem Toten, war mir doch aufgefallen, daß er im Tode noch etwas aus seiner Weste greifen wollte. Eine gute Entscheidung, fand ich dort mit einem schnellen Griff eine Flasche mit Alchemistenfeuer. Sofort schüttete ich es über den mir am nächsten Schwarm. Das gab ein heiteres Feuerchen. Die Ameisen ploppten in der Hitze, wie Maiskörner. Schnell war die Gefahr des Schwarms gebannt und ein durchaus Appetitanregender Geruch von geröstetem Fleisch lag in der Luft. Und dank der feuchten Umgebung konnte sich das Feuer auch nicht ausbreiten – sonst hätten wir in der engen Schlucht wohl doch in der Falle gesessen.

Wir wollten an dem Ort nicht verweilen. Aber eine kurze Visitation der Leiche wollte ich nicht auslassen. Konnte doch der Reisende noch weitere wertvolle Dinge bei sich haben. Und tatsächlich fanden sich viele nützlich Dinge, neben einem Heiltrank auch ein Unsichtbarkeitstrank und magische Öle sowie Waffen. Aber auch einen schockierende Botschaft war in seinem Gürtel versteckt. Ein Brief von Fünf Messer – die Rechte Hand von IHM, hier in der Gegend. Der Tote sollte auch Eier besorgen. Ich frage mich, was die Südmeer-Handelsgesellschaft damit will. Sicher nichts Gutes.


WAS WAR DAS?

Freitag, 15. Juli 2022

Mottes Tagebuch - Auf Güldensterns Spur Teil 2

 

Tagebuch von Motte- Wildnis und Untote

 

Wieder eine Rast im Schein des Lagerfeuers. Ich habe die letzte Wache. Vor dem Sonnenaufgang ist kalt und dunkel. Untote sollen in der Umgebung herumstreifen. Aber die Angst in meinen Gliedern sitzt tiefer.Meine Hände zittern immer noch. Er ist es. Ein Jahr, elf Monate und 27 Tage. Aber er hat mich nicht erkannt – hoffentlich. Er war damals gut im Verstellen. Aber der Reihe nach. Schreiben beruhigt.


Direkt nach der Ankunft in Totholz erregten wir Aufsehen. Zippi hat mich mit einem Zauber belegt. Plötzlich schwirrten Fee mit einem seltsamen grünen Schimmer um mich herum. Erst dachte ich, zu meiner Verwirrung, aber es schien, daß es anderen zur Ablenkung dienen sollte. Nun Unbemerkt blieben wir nicht.

Die Prätorin des Orts von der Familie Scorn nahm uns in Empfang. Schnell führte sie uns in ein Hinterzimmer. Zu ihm. Eiskalt lief mir ein Schauer über den Rücken. Wäre das meine Entdeckung? Aber ich musste mich fassen. Und es gelang mir. Ich war nicht allein. Ich habe Gefährten. Das gab mir Kraft.

 

Die Prätorin machte ein Angebot. Informationen über Aurelia und Juri für diejenigen, welche sich um das Untotenproblem kümmern wollten. Wir hatten zunächst nicht viel zu bieten. Er führte aus, daß die Südmeer-Handelsgesellschaft nicht nur über mehr Wissen zu den Untoten, sondern auch über mehr Schlagkraft verfügte. Aber letztlich konnten wir die Prätorin überzeugen, daß wir für Sie einen vorteilhaften Handel mit Port Grimm garantieren könnten. Geld zieht immer mehr als Ochsen. Er stürmte aus dem Zimmer, hochrot vor Zorn. Sein Blick traf mich. Ich bin mir nicht sicher, ob er mich erkannt hat. Mein Vorschlag schnell aufzubrechen wurde von allen geteilt. So machten wir uns schnell im Dunkeln auf den Weg nach Richtung Süden.

 

Die Informationen der Prätorin waren wenig aber interessant. Im Süden suchen sie nach alten Artefakten und Zugängen zu den Minen der Zwerge. Nachdem Aurelia und Juri in Richtung des alten Zwergenklosters aufgebrochen waren, kam es dann gut eine Woche später zu den ersten Angriffen von Untoten. Die wichtige Frage ist nun, wurden die Untoten befreit oder durch eine andere Macht erschaffen?


Die Art, welche hier häufig zu sein scheint, sind die Festrogs. Untote, erschaffen von Necromanten oder mächtiger magischen Entladungen. Keine Seuche, wie die der Ghule. Das macht es wahrscheinlich, daß Aurelia und Juri etwas ausgelöst haben. Kann es sein, daß sie einen Schutzzauber gestört haben? Vielleicht war ein Necromant in das Kloster gebunden. Es scheint mir aber unwahrscheinlich, daß es eine magische Entladung gegeben hätte. Ein Ereignis dieser Stärke wäre wohl aufgefallen. - Nachtrag: Wie ich später erfuhr glauben die Zwerge, daß Droska die Festrog erschafft. Könnte es also auch rituelle Magie sein? Wie passt das aber zeitlich zu Aurelia und Juri? Haben sie vielleicht einen Untoten Priester befreit?


Das Schreiben tut mir gut. Meine Hand zittert nicht mehr. Es gilt Geheimnisse zu bewahren – andere zu lösen. Die Dämmerung zeichnet sich lila am Himmel, ich werde meine Gefährten wecken.


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Wieder nur eine kurze Pause, bevor das alte Zwergenkloster in Sicht kommen soll. Ein aufregender Tag und es ist gerade früher Nachmittag. Ich habe die mystischen Steine der Runenherrscher gesehen. Es sind wirklich Hexagone. Ich konnte es mir nicht vorstellen, daß sie natürlich seien, als ich davon gelesen hatte. Aber hier waren sie.


Schnell wurde ich aber wieder ins hier und jetzt geholt. Wir stießen auf das Lager der Schatzsucher. Dort gab es ein Massaker. Tote überall – und Untote. Wir hatten mit drei Festrog zu tun. Aber schnell waren sie erledigt. Ich konnte einen durch einen glücklichen Wurf erlegen. Zippi brachte zwar keinen zur Strecke, aber wirkte einen beeindruckenden Zauber. Wieder kam grünes Feenvolk. Es schleuderte einen der Untoten aus seinem Versteck. Mit einer solchen Wucht, daß er zunächst, wie tot liegen blieb. Doch musste Hartmuth ihm ein Ende machen, als der Untote aufsprang und Zippi fressen wollte. Auch den letzten Festrog mußte Hartmuth erledigen. Mein Messergurt löste sich, als ich ein weiteres Mal einen Wurf versuchen wollte. Auch Zippi schaffte es nicht den Festrog aufzuhalten. Aber die sichere Axt des Zwergs spaltete den Kopf des Untoten bis zu den Schultern.

In all dem Chaos des zerstörten Lagers fanden wir noch Überlebende. Sie gaben uns weitere Informationen, daß Aurelia und Juri tatsächlich sich nach dem alten Zwergenkloster aufgemacht haben. Auch erzählten sie von dem Auftauchen der Untoten. Da es sich hier ehemals um Echsenmenschen handelte, teilte ich meine Vermutung über die mögliche Entstehung. Hartmuth bedachte mich dabei wieder mit einem fragenden Blick. Habe ich vielleicht schon wieder zu früh etwas von mir preis gegeben? Wenn die Gefahren weiter auf uns einstürmen, werde ich wohl bald weiteres offenbaren müssen.


Unsere Reisegesellschaft ist mittlerweile um die drei Überlebenden angewachsen. Die Aussicht zwischen Untoten und einer möglichen Versklavung durch die Südmeer-Handelsgesellschaft wählen zu können, machte es attraktiv für sie uns zu begleiten. So sind jetzt ein Elf, ein Halbling und eine Menschenfrau unsere neuen Gefährten.


Daß wir jetzt einige mehr sind, macht uns nicht unauffälliger, aber zumindest etwas sicherer. Kam das nächste Ungemach doch an einer Brücke. Dort waren Fallen aufgestellt. Zippi entdeckte sie mit seinem scharfen Blick und löste sie absichtlich aus. Sofort wurden wir von Todeshyänen angegriffen. Eine stürzte sich auf Zippi, doch er sprang über sie hinweg. Leider gelang es ihm nicht sie mit Hilfe des Feen-Zaubers von der Brücke zu stoßen. Einer unserer neuen Begleiter schaffte es aber, mit einem geziehlten Steinwurf sie zu töten. Als ich eine andere Hyäne mit einem Messerwurf erledigen wollte, ereilte mich wieder das schwarze Pech. Der vermaledeite Gurt löste sich wieder und ein weiteres meiner Messer ging verlustig. Letztlich wurde auch die zweite Hyäne bezwungen. Hartmuth schlug sie aus der Decke, um die Felle für später zu nutzen.


Im weitern Weg nahm Hartmuth mich zur Seite. Ich sollte Zippi Anerkennung zollen. Das fiel mir leicht, ob der Zauber, die er gewirkt hatte. Auch wenn mir die rechten Worte fehlten. Mein Interesse welche Art der Magie er nutzt, ist bereits geweckt. Leider konnte – oder wollte? - er mit keine Auskunft geben. Aber vielleicht war dies auch ein erster Schritt, um Vertrauen aufzubauen?


Doch war das Ungemach noch nicht vorüber. Auf dem weiteren Weg kamen wir an einen Ort an dem Xtabays wachsen. Ich erkannte die fleischfressenden Pflanzen sofort, anhand der Zeichnungen aus „Gefahren des Südmeers“. Erschreckend war jedoch, daß sie ein Opfer bereits aussaugten. Schnell war beschlossen, daß Hartmuth die Person retten würde. Geschützt mit vielen Lagen Kleidung, mit einem Feen-Zauber versehen und unter unser aller Zurufen, schaffte es Hartmuth den Halbling zu befreien – ohne daß die Pflanzen ihr Gift versprühten. Wieder war es Zippi, der uns – wie bereits an der Brücke – darauf aufmerksam macht, daß im Gebüsch zwei weitere Wesen lauerten. Ein Grüner Manta und ein Pflanzengolem. Beide hier heimisch, wie ich erfuhr. Seltsam ist, daß auch sie abzuwarten scheinen. 

 

Wie die Hyänen an der Brücke. Sollten die Xtabay ählich, wie die Fallen die Pflanzenwesen zum Angriff treiben? Gibt es eine Macht, die sie dazu bringt? Welche Kraft könnte das sein. Wenn es Magie ist, wird es kein Novize sein, dem wir dann entgegen treten. Ich hoffe es sind Relikte alter Zauber, vielleicht wiedererweckt durch Aurelia und Juri. Sonst wird es sicherer und einfacher sein. kehrt zu machen und sich der Südmeer-Handelsgesellschaft zu stellen. Eine Person, welche die Macht hat, in kurzer zeit Untote und Fallen zu schaffen, braucht sicher mehr als zwei Helden und mich um bezwungen zu werden.

Dienstag, 12. Juli 2022

Mottes Tagebuch - Auf Güldensterns Spur Teil 1



 

Tagebuch von Motte - Der Weg nach Totholz

 

Endlich finde ich wieder Zeit meine Gedanken und Erlebnisse niederzulegen. Es tut gut sie aus meinem Kopf zu verbannen. Auf Papier scheinen sie nicht mehr mir, sondern jemand anders zu gehören. Das ist wohltuend.

Wieder habe ich eine Familie verloren. Aber ich konnte nicht mehr bei den Ratten bleiben. Unrecht zu handeln fällt mir nicht schwer. Aber nicht zu helfen, und dann noch einem Heiler, während einer Epidemie. Es hat mir die Augen geöffnet. Soviel Chaos trage ich doch nicht in mir.

Aber wie die Druiden sagen, wenn etwas endet, beginnt etwas. Das Rad hat sich gedreht und der Fluss der Zeit spült mich weiter. Vielleicht bietet mir die Begegnung mit Akbash die Möglichkeit. Erst kam Tante Agathe, dann Weißhaupt, das Schicksal meint es wohl endlich gut mit mir.

Ein neuer Platz, ein Ankerpunkt und etwas Ruhe.


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Wieder muss ich weiterziehen. Doch diesmal ist es keine Flucht. Akbash gibt mir eine Aufgabe. Mit anderen Mitgliedern der Gesellschaft soll ich nach Aurelia Güldenstern suchen. Erst war ich sehr betrübt. Abermals loslassen. Einen Platz Lebewohl sagen, den ich gerade erst gefunden habe.

Aber wenn ich diese Prüfung bestehe, kann ich wohl weiter bei der Gesellschaft bleiben. Vielleicht werde ich dann auch die Angst los. Nicht immer über die Schulter schauen zu müssen. Mich nicht fallen lassen können. Immer bereit zu sein, zu kämpfen, zu rennen, zu flüchten. Endlich Ruhe zu haben.

Morgen wird er mich meinen Reisegefährten vorstellen. Auch wird er dann weiteres zum Auftrag sagen. Ich hoffe ich finde Schlaf. Herrlichen ruhigen Schlaf, wie die letzten Tage. Auf einem eigenen Strohsack. Ohne Messer in der Hand, um mich gegen aufdringliche Ratten zu behaupten. Sauber nach einem Bad. Ohne, daß ich Angst haben muss, daß meine Herkunft entdeckt wird. Und satt von einem Essen, daß nicht den Schweinen gestohlen wurde.


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Seltsame Gefährten habe ich nun. Harmuht - ein Zwerg – freundlich und gleich bereit mich anzunehmen. Und Zippie – ein Gnom – mit Buttergelben Haar und einem Wüstenfuchs. Er scheint mir nicht zu trauen. Ich bin mir nicht sicher, aber er hat mich wohl mit den Ratten gesehen. Und Ratten scheint er nicht zu mögen. Es wird schwierig seine Zweifel zu zerstreuen, kann ich doch mein Geheimnis nicht preis geben.


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Wieder bin ich auf einem Schiff. Noch immer kann ich nicht loslassen. Als ich zeugen sollte, daß ich mich nützlich machen kann, versagten meine Fähigkeiten. Nur mit Mühe konnte ich die Wanten erklettern. Zumindest konnte ich den Kapitän überzeugen und so bin ich wieder Teil einer Schiffsmannschaft.

Es ist seltsam, wie schnell ich wieder in die gewohnte Routine finde. Als Schiffsjunge kann ich mich wieder nützlich machen, wieder dazugehören. Einen Anteil daran haben sicher auch meine Taschenspielereien. Zumindest kann ich so ein Lachen und ein Schulterklopfen der rauen Männer und Frauen an Bord erheischen.

Nur Zippi ist immer noch misstrauisch. Aber auch Hartmuth hat mich im Blick. Sicher dachte er ich bemerke es nicht, wie er mich aufmerksam beobachtete, als ich meine Kletterhaken und Seile kontrollierte.


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Bei der Ankunft in Scheiterhaufen trafen wir auf die Bauern aus Aschenbruch. Hartmuth und Zippi erkannten gleich einige Freunde wieder. Mit ihnen konnten wir nach Aschenbruch reisen. Aber erst nachdem sie ihren Torf verkauft hätten. Als ich versuchte einen guten Preis für ihren Torf zu verhandeln, provozierte er mich wieder. Und wieder ging auch mein Temperament mit mir durch. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das Vertrauen von Zippi gewinnen kann. Aber ich kann mein Geheimnis nicht preis geben, es ist zu gefährlich.

Während des Weg nach Aschenbruch ging Hartmuth immer wieder in den Wald, um zu jagen. Mit Erfolg, er konnte einige Rebhühner erlegen. Diese würden bei unserem Abendlager im Dorf zu einem Festmahl werden. Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal Rebhühner gegessen habe.

Leider gab es aber auch schlechte Nachrichten. Eine Gruppe der Südmeer-Handelsgesellschaft ist auch auf dem Weg nach Norden. Ich hoffe wir begegnen ihnen nicht. Wenn es nur die üblichen Händler wären. Aber es scheint wohl, daß es Sklavenjäger sind. Aber bisher hat das Schicksal es gut mit mir gemeint, warum soll es jetzt anders sein.

Im Dorf konnten wir erfahren, daß Aurelia Güldenstern auch den Weg nach Norden genommen hat. Gerade eine Woche vor uns. Etwas beunruhigend war aber eine andere Neuigkeit. Auf ihrem Weg wurden sie wohl von Zombies angegriffen. Für die Bevölkerung im Dorf nichts besonderes, wie sie sagen. Das Aschemoor birgt wohl viele der Untoten. So viele, daß in Issandras Wacht die Leichen der Gouhle an Schweine verfüttert werden. Wenn wir dort durchkommen, werde ich mir dies genauer ansehen.


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Issandras Wacht. Die Südmeer-Handelsgesellschaft ist hier durchgekommen. Hat nicht im Dorf gelagert. Die Schweine zeigen seltsames Verhalten. Schwarze ölige Ausscheidungen, aggressives Verhalten. Gouhlseuche auch bei Schweinen? Die Dorfbewohner ausgezehrt. Ein Zusammenhang?