Tagebuch
von Motte - Der Weg nach Totholz
Endlich finde ich wieder Zeit meine Gedanken und Erlebnisse niederzulegen. Es tut gut sie aus meinem Kopf zu verbannen. Auf Papier scheinen sie nicht mehr mir, sondern jemand anders zu gehören. Das ist wohltuend.
Wieder habe ich eine Familie verloren. Aber ich konnte nicht mehr bei den Ratten bleiben. Unrecht zu handeln fällt mir nicht schwer. Aber nicht zu helfen, und dann noch einem Heiler, während einer Epidemie. Es hat mir die Augen geöffnet. Soviel Chaos trage ich doch nicht in mir.
Aber wie die Druiden sagen, wenn etwas endet, beginnt etwas. Das Rad hat sich gedreht und der Fluss der Zeit spült mich weiter. Vielleicht bietet mir die Begegnung mit Akbash die Möglichkeit. Erst kam Tante Agathe, dann Weißhaupt, das Schicksal meint es wohl endlich gut mit mir.
Ein neuer Platz, ein Ankerpunkt und etwas Ruhe.
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Wieder muss ich weiterziehen. Doch diesmal ist es keine Flucht. Akbash gibt mir eine Aufgabe. Mit anderen Mitgliedern der Gesellschaft soll ich nach Aurelia Güldenstern suchen. Erst war ich sehr betrübt. Abermals loslassen. Einen Platz Lebewohl sagen, den ich gerade erst gefunden habe.
Aber wenn ich diese Prüfung bestehe, kann ich wohl weiter bei der Gesellschaft bleiben. Vielleicht werde ich dann auch die Angst los. Nicht immer über die Schulter schauen zu müssen. Mich nicht fallen lassen können. Immer bereit zu sein, zu kämpfen, zu rennen, zu flüchten. Endlich Ruhe zu haben.
Morgen wird er mich meinen Reisegefährten vorstellen. Auch wird er dann weiteres zum Auftrag sagen. Ich hoffe ich finde Schlaf. Herrlichen ruhigen Schlaf, wie die letzten Tage. Auf einem eigenen Strohsack. Ohne Messer in der Hand, um mich gegen aufdringliche Ratten zu behaupten. Sauber nach einem Bad. Ohne, daß ich Angst haben muss, daß meine Herkunft entdeckt wird. Und satt von einem Essen, daß nicht den Schweinen gestohlen wurde.
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Seltsame Gefährten habe ich nun. Harmuht - ein Zwerg – freundlich und gleich bereit mich anzunehmen. Und Zippie – ein Gnom – mit Buttergelben Haar und einem Wüstenfuchs. Er scheint mir nicht zu trauen. Ich bin mir nicht sicher, aber er hat mich wohl mit den Ratten gesehen. Und Ratten scheint er nicht zu mögen. Es wird schwierig seine Zweifel zu zerstreuen, kann ich doch mein Geheimnis nicht preis geben.
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Wieder bin ich auf einem Schiff. Noch immer kann ich nicht loslassen. Als ich zeugen sollte, daß ich mich nützlich machen kann, versagten meine Fähigkeiten. Nur mit Mühe konnte ich die Wanten erklettern. Zumindest konnte ich den Kapitän überzeugen und so bin ich wieder Teil einer Schiffsmannschaft.
Es ist seltsam, wie schnell ich wieder in die gewohnte Routine finde. Als Schiffsjunge kann ich mich wieder nützlich machen, wieder dazugehören. Einen Anteil daran haben sicher auch meine Taschenspielereien. Zumindest kann ich so ein Lachen und ein Schulterklopfen der rauen Männer und Frauen an Bord erheischen.
Nur Zippi ist immer noch misstrauisch. Aber auch Hartmuth hat mich im Blick. Sicher dachte er ich bemerke es nicht, wie er mich aufmerksam beobachtete, als ich meine Kletterhaken und Seile kontrollierte.
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Bei der Ankunft in Scheiterhaufen trafen wir auf die Bauern aus Aschenbruch. Hartmuth und Zippi erkannten gleich einige Freunde wieder. Mit ihnen konnten wir nach Aschenbruch reisen. Aber erst nachdem sie ihren Torf verkauft hätten. Als ich versuchte einen guten Preis für ihren Torf zu verhandeln, provozierte er mich wieder. Und wieder ging auch mein Temperament mit mir durch. Ich bin mir nicht sicher, wie ich das Vertrauen von Zippi gewinnen kann. Aber ich kann mein Geheimnis nicht preis geben, es ist zu gefährlich.
Während des Weg nach Aschenbruch ging Hartmuth immer wieder in den Wald, um zu jagen. Mit Erfolg, er konnte einige Rebhühner erlegen. Diese würden bei unserem Abendlager im Dorf zu einem Festmahl werden. Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal Rebhühner gegessen habe.
Leider gab es aber auch schlechte Nachrichten. Eine Gruppe der Südmeer-Handelsgesellschaft ist auch auf dem Weg nach Norden. Ich hoffe wir begegnen ihnen nicht. Wenn es nur die üblichen Händler wären. Aber es scheint wohl, daß es Sklavenjäger sind. Aber bisher hat das Schicksal es gut mit mir gemeint, warum soll es jetzt anders sein.
Im Dorf konnten wir erfahren, daß Aurelia Güldenstern auch den Weg nach Norden genommen hat. Gerade eine Woche vor uns. Etwas beunruhigend war aber eine andere Neuigkeit. Auf ihrem Weg wurden sie wohl von Zombies angegriffen. Für die Bevölkerung im Dorf nichts besonderes, wie sie sagen. Das Aschemoor birgt wohl viele der Untoten. So viele, daß in Issandras Wacht die Leichen der Gouhle an Schweine verfüttert werden. Wenn wir dort durchkommen, werde ich mir dies genauer ansehen.
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Issandras Wacht. Die Südmeer-Handelsgesellschaft ist hier durchgekommen. Hat nicht im Dorf gelagert. Die Schweine zeigen seltsames Verhalten. Schwarze ölige Ausscheidungen, aggressives Verhalten. Gouhlseuche auch bei Schweinen? Die Dorfbewohner ausgezehrt. Ein Zusammenhang?
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