Pages

Freitag, 26. August 2022

Mottes Tagebuch Auf Güldensterns Spur Teil 6

Tagebuch von Motte - Der Goldene Wächter

 

Ich musste eine kurze Pause vom Schreiben einlegen. Noch immer sind nicht alle Ereignisse aus dem Kloster zu Papier gebracht. Ich hoffe ich werde es noch vervollständigen können. Denn wer weiß, was uns als nächstes erwartet. Gaben uns die Ereignisse doch einen Vorgeschmack, auf alles, was das Rad des Schicksal noch für uns bereithalten kann.


Die Gefährten waren schon in Richtung der großen Doppeltür verschwunden. Juri hatte mir ihre Sicht der Dinge nahegelegt und war kurz darauf in Richtung des Ausgangs verschwunden. Dort sei ein geheimes Lager mit nützlichen Dingen von ihr und Aurelia angelegt. Nach dem, was mit meine Gefährten von Juri erzählt hatten, war ich mir nicht sicher, ob ich das glauben sollte. Ich hatte das Gefühl es würde stimmen. Aber kann ich mich auf meine Gefühle verlassen? Bei IHM haben sie mich jämmerlich im Stich gelassen. Aber da war ich noch ein Kind und hatte gerade die Mauern der Akademie verlassen.


So gesellte ich mich zu meinen Gefährten. Sie waren sichtlich skeptisch, ob der Handlungen von Juri. Wir debattierten kurz, was zu tun sei. Inzwischen schwollen die Gesänge immer weiter an und auch das Brüllen wurde lauter. James wollte die Tür im Auge behalten, derweil Hartmuth nochmal einen verschütteten Teil untersuchen wollte, galt seine Sorge doch in erster Linie Aurelia.


Ich konnte die Spannung nicht mehr aushalten. Alle meine antrainierten Reflexe und Sinne wollten eingesetzt werden. Die offensichtliche Magie aus dem Raum hinter der Doppeltür zog mich geradezu in ihre Richtung. Ich musste wissen, was dort geschah. Könnte ich ein Ritual nach Art der Runenherrscher sehen, zumindest ein echisches. Die warnende Stimme meines Gewissen, nicht die Gefährten alleine zu lassen, überhörte ich. Ebenso den in meine Gedanken eingebrannten Spruch meines alten Meisters, „Neugier ist der Katze tot“ mit dem ich immer vor dem alten Wissen gewarnt wurde, konnte ich ignorieren.


Also begab ich mich zur Türe. Diese war mit zahlreichen Schutzrunen der Zwerge verziert. Offensichtlich nicht mehr aktiv. Ich konnte sie nicht einordnen. - Wenn wir es nach Port Grim schaffen, muss ich meine Studien wieder aufnehmen. Auch wenn es gefährlich ist. Ich bin nicht ohne Grund im Süden. - Durch einen Spalt konnte ich in den Raum sehen. Es wurde ein Ritual durchgeführt! Vor Aufregung lief ein Schauer meinen Rücken herab und die Spannung ließ mich zittern. Ich nahm den Unsichtbarkeitstrank. Leider wirkte er nur bei mir, so daß ich Tante Agahte, Baunz, auf den Boden setzten musste. Als ich durch die Tür schlüpfte, hörte ich noch ein ärgerliches Zischen von James. Dann war ich in der Halle.


Dies war das Allerheiligste des Angrosch-Kloster. Doch durch die Umwidmung der Skrang für ihren Droska-Kult wirkte es irgendwie falsch. Besonders aber das Ritual war beunruhigend. Fünf Menschen lagen leblos in den Zeichen auf dem Boden. Der blinde Priester – Naktok? - intonierte seine Beschwörungen. Offensichtlich sollte ihnen Macht ausgesaugt und transferiert werden. Wohin und auf was lies mich wieder erschaudern.


Ein riesiger Gargoyle, wohl an die drei Schritt, gekleidet in eine golden schimmernde Rüstung, trug ein Sklavenband aus Gold und Rubinen. Eben jenen Rubinen, von denen Juri gesprochen hatte. Mir kam das Zeichen am Eingang in den Sinn. Kazuk und Versklavung. Sollte der Herr der Gier hier versuchen den Goldenen Wächter, denn um diesen musste es sich handeln, in seine Dienste zu zwingen? Ich musste handeln. Also nahm ich den Weg um über eine Brücke zum Altar zu gelangen, wo der Goldene Wächter gebunden war.


Als ich den steinernen Hammerstiel überquerte, welcher zum Hammerkopf – dem Altar – führte, meinte ich, daß die Schamanin der Echsen – Mutter Bogwin – mich gesehen hätte. Auch wenn sie abseits bei den Frauen und Kindern des Stammes stand, bin ich mir nicht sicher, wem ihre Loyalität gilt. Schnell machte ich mich zum Goldenen Wächter auf. Ich hatte schon meine Axt gezogen, um das Halsband zu zerschlagen, da überkamen mich Zweifel. Was wenn der Wächter von den Zwergen an den Ort gebunden wurde, weil er ein Chaosgeschöpf ist? Würde die Befreiung dann nicht mehr Unheil bringen? Aber wenn der menschenhassende Priester die Kontrolle über den Wächter erlangt – wäre das besser? Würde dann nicht die Gier nach Rache Kazuk weiter stärken? Lodernde Wut ob dieses Dilemma begann in meinen Eingeweiden zu brennen. Warum konnte es nicht einfach und klar, wie die Formeln der Grimoire sein? Warum musste ich immer zu diesen Entscheidungen gedrängt werden?


Während ich noch die Möglichkeiten gegeneinander abwog, handelten meine Gefährten. Dabei geschah das, was uns der alte Sergeant mit dem Holzbein und der fehlenden Hand in der Akademie immer wieder eingebläut hat: kein Plan überlebt den Kontakt mit dem Feind. James stürmte in den Saal und auch auf die Brücke. Harmuth hintendrein und schwang seine Axte gegen den ersten Echsenmenschen, der sich ihm in den weg stellte. Der Kopf flog sicher fünf Schritt durch die Luft. Juri folgte auf dem Fuße und belegte sich mit einem Zauber. Sie war plötzlich wie von Wasser umflossen. Ich bin mir nicht sicher, könnte so die Kraft der Seehexen aussehen? Eine weitere Frage neben der Kraft von Zippi. Akademisch ist es sicher weder bei ihr, noch ihm.


Wie ich später erfuhr, war der ursprüngliche Plan den Basilisken, welcher immer noch auf dem Schutthaufen lag, in die Halle zu locken. Zwar hatte Zippi ein Spielzeug des Tiers gefunden, aber irgendwie ging das Anlocken schief. Hartmuht ließ wohl den Ball fallen, als James an ihm vorbei in die Halle rannte. Beide wollten nicht wirklich darüber reden, sondern gifteten sich darüber an. Besonders aber wohl über den toten Echsenmenschen. Hartmuht behauptete jedenfalls steif und fest, daß es jener gewesen sei, welcher das Donnerechsen-Ei mit einem Pfeil beschädigt habe. Es hätte so nur Schadensersatz (ein seltsames Wort) eingefordert. Sei's drum. Als Letzter kam Zippi in den Saal. Er hatte den Basilisken im Schlepptau, in dem er sich selbst als Köder angeboten hatte. Das war wohl Juri zu viel und sie schlug die Tür zu, um den Basiliken draußen zu halten. Damit musste schnell ein neuer Plan her.


Durch den Angriff auf die Skrang, rang ich mich zu einer Entscheidung durch. Ich versuchte es abermals mit einem Zauber. Wieder intonierte ich die Worte und machte die Gesten. Und tatsächlich, diesmal gelang es besser als bei dem Basilisken. Denn nicht nur der Zauber gelangt formidabel, auch das Ziel konnte ihn nicht abwehren. So ging Naktok in die Knie und musste das Ritual unterbrechen, das munter fortgeschritten war. Nur noch eine Verbindung von den Opfern zu den Steinen hätte hergestellt werden müssen. Ich gab mich für einen Moment dem überwältigen Gefühl nach, das ein erfolgreicher Zauber in mir auslöst. Meine Knie zitterten leicht und ich glaube ein wohliges Glucksen entrang meiner Kehle. Mein Meister hätte mich gescholten.


James hatte es derweil auf die Mitte der Brücke geschafft. Er hielt sein Donnerechsen-Ei in die Höhe und sprach in der zischenden Art der Echenmenschen. Mutter Bogwin antwortete ihm in gleicher Weise. Harmuth rief ebenfalls mit lauter Stimme, daß der Vertrag eingehalten werden müsse. Auch wenn zunächst die Wächter ihn mit Speeren bewarfen. Danach waren sie wohl verunsichert. Als die Mutter dies hört, sprach sie nochmals Worte auf der imperialen Gemeinsprache. Wir sollten das Ritual aufhalten und das Halsband zerstören.


Ich versuchte abermals den Priester zu verzaubern, daß der sich nicht erholen mochte. Aber ich hatte mich wohl zu sehr verausgabt. So konnte ich den Wind der Magie doch nicht kanalisieren. Derweil war auch Juri auf die Brücke gelangt. Eingedenk der Worte der Schamanin, warf sie einen Gegenzauber auf das Halsband und das Leuchten eines Rubins erlosch. Sie machte einen seltsamen Eindruck. Neben ihrem Panzer aus Wasser umgaben sie auch die Feen von Zippis Zauber. Es schien, als ob sich die zwei Zauber vereinigt hatten. Die Feen ritten nicht mehr auf fliegenden Wesen, sondern auf Seepferdchen, so schien es mir. Aber vielleicht war das auch Illusion, scheine ich doch gerade für die Feenmagie besonders empfänglich zu sein.


Mir war der misslungene Zauber ein Zeichen. Sodann wandte ich mich mit meiner Axt das Halsband zu zerstören. Da dies jetzt meine Aufmerksamkeit verlangt, bekam ich von den anderen Ereignissen nur wenig mit. Auch, daß ich wieder sichtbar wurde, war mir kaum bewußt. Daher war es ein Glück, daß ich mich geistesgegenwärtig duckte, als James sein Brecheisen bei dem Versuch verlor, das Halsband zu entfernen. Knapp flog es an meinem Kopf vorbei. Ich schaffte es einen Rubin zu lösen, der darauf ebenfalls sein Leuchten verlor.


Derweil hatte Zippi einen Zauber in die Mitte des Rituals geworfen, welcher Skrang, Menschen und Priester in alle Richtungen schleuderte. Hartmuht schrie irgendwas in Richtung der übrigen Echsenmenschen. Während der Goldene Wächter sich bäumte und mit der durchdringenden Stimme verlauten lies, er lasse sich nicht wieder versklaven.


Als ich es schaffte einen weiteren Stein aus dem Halsband zu brechen, stieg plötzlich eine Wasserwand zwischen uns und dem Wächter auf. Juri hatte wieder einen ihrer Elementar-Zauber gewirkt. Sie war sich nicht mehr sicher, ob es klug war den Wächter von dem Halsband zu befreien, wie ich später erfuhr. So daß sie es für angebracht hielt einen Schutz zu wirken.


So oder so war das Ritual gebrochen und James versuchte den Wächter zu überzeugen uns anzuhören. Auch ich versuchte es mit Argumenten, drang aber nicht über das Rauschen des Wassers und dem Lärm der Halle an. Es war frustrierend, aber ich muss wohl anerkennen, daß meine Stimme zu dünn ist, auch wenn meine Argumente brillant waren. Aber was nützt es, wenn sie nicht gehört werden.


Zuletzt gelang es uns allen aber gemeinsam, ihn zu überzeugen. Da hatte er sich zwar schon den Priester gegriffen, aber noch war kein weiteres Unheil geschehen. Juri bot die Rubine und die Erwähnung, daß die Gesellschaft gegen Kazuk zieht, schienen ihn zu überzeugen. Sogar das unheilige Buch konnte ich von ihm erlangen. Endlich kann ich einige Geheimnisse der Runenherrscher vielleicht sogar aus einer validen Quelle studieren. Aber das muss warten. Zunächst gilt es Aurelia zu finden. Juri hatte ihre Waffen in einem Haufen gefunden. Achtlos an die Seite geworfen. Da sie auch nicht unter den Opfern war, muss sie noch irgendwo in den Gewölben zu finden sein.


Und wer weiß, vielleicht lassen sich auf noch Schätze in den Kammern finden. Zwerge sind doch bekannt für ihre Horte. Mit einem ordentlichen Batzen Gold und Geschmeide läßt sich gut leben. Ich kann die kandierten Früchte, das Sirup-Konfekt und die Kokos-Küchlein schon förmlich auf der Zunge spüren. Dazu ein Mokka und das Studium des unheiligen Buchs wird ein Spaß. So dachte ich. Bis mir auffiel, daß ich das Buch in meinem Hemd vor den Gefährten verborgen hielt. Irgendetwas scheint meine Gedanken zu beeinflussen. Beängstigend und Faszinierend – ist das der Einfluss Kazuks, auf dessen Macht das Ritual beruht?


Es lief mir eiskalt den Rücken hinab. Hatten wir das Richtige getan? Schließlich kann zwar der Wächter von Kazuk versklavt worden sein, aber genauso gut könnte er sein schurkischer Diener sein. Schließlich war er in einem Angrosch-Tempel gefangen. Vielleicht war das Ritual gar nicht von Kazuk beeinflusst, sondern von Droska, um den Wächter Kazuk zu binden und in Droskas Dienste zu zwingen? Zwar nicht besser, aber Chaos kämpft so viel gegen sich selbst, wie gegen die Ordnung. Jetzt hoffe ich, daß wir Aurelia schnell und unbeschadet finden. Möglich, daß sie die Situation klären kann. Vertrauen sich doch Juri und die Gefährten wohl nur soweit, wie es die Gefahr gebietet. Gerade fangen sie wieder an mit ihrem Disput.


Liegt es vielleicht an mir hier einzugreifen. Hat Akbasch mich deswegen angeheuert? Weil ich nicht in den Konflikt beteiligt bin? Ich hoffe ich bin der Verantwortung gewachsen! Wir sollten uns beeilen Aurelia zu finden. Nagte in mir doch, daß die Südmeer-Handelsgesellschaft auch in der Gegend war. Eine weitere Gefahr, die über uns kommen konnte.

Freitag, 19. August 2022

Mottes Tagebuch Auf Güldensterns Spur Teil 5

 Tagebuch von Motte - Zurück in Droskas Kessel

 

Ich hätte nicht gedacht, daß ich erst jetzt wieder zum Schreiben komme. Aber waren die Geschehnisse ab unserer Expedition in das Tal der Donnerechsen doch so zahlreich und kamen schnell aufeinander. Ich hoffe ich schaffe es, alle meine Gedanken für die Nachwelt festzuhalten. Doch kann ich davon ausgehen, daß mein Tagebuch überhaupt von Anderen gelesen wird? Mein inniger Wunsch ist es, denn sonst ist diese Mühe vergebens.


Nach dem Tal der Donnerechsen konnten wir endlich länger rasten. Es war auch notwendig. Auch mein Tonikum konnte ich finden. Noch genug, um das Schicksal abzuwenden, bis wir wieder in Port Grim seien werden. Zumindest hoffte ich, daß ich es noch rechtzeitig eingenommen habe, um ein blutiges Unglück zu verhindern. Ich hatte schon bemerkt, daß ich noch leichter reizbar wurde. Aber das Spiel von Tante Agahte und dem Fuchs von Zippi erhellte meine Stimmung. Es war schon fast idyllisch.


Als wir nach kurzem Weg dann am nächsten Tag die Ruinen des Klosters erreicht haben, war etwas verändert. Es wirkte noch verlassener, als beim ersten Besuch. Keine Wachen, dafür mehr Dornenranken. Wir erkundeten die Umgebung und das Gebäude, konnten aber nichts finden. Also machten wir einen Plan, die Gewölbe unter dem Kloster zu betreten. Endlich würde ich die Möglichkeit haben, zu sehen, was hier verborgen liegt. Ist es wirklich eine Stätte von Droska? Wir werden sehen.


Zuvörderst versteckten wir aber einige der Eier. Sollte uns Ungemacht drohen und die Echsenmenschen wäre geflohen, könnten wir so noch unsere Aufgabe erledigen. Dann aber ging es in den Untergrund. Vorsicht zwängten wir uns an den Dornen vorbei. Wollten wir doch so wenig Spuren, wie möglich hinterlassen. Die Südmeer-Handelsgesellschaft ist schließlich immer noch in der Gegend.


Im Keller war die Zwergenarbeit noch deutlicher zu sehen. Zwei Stauten der Vorhalle zogen sofort meinen Blick auf sich. Sie trugen das Zeichen Droskas – wie ich mittlerweile weiß. Doch seltsam war, daß sie auch Zeichen der Runenherrscher auf ihren Schilden hatten. Das terranische Zeichen für Versklavung und die Sihedron, den siebenzackigen Stern.

Der Siebenzackige Stern der Runenherrscher mit Sklavenrune

Sofort begann mein Geist sich zu regen. Könnte das ein Werk der Echsenmenschen sein? Oder ist das Kloster vielleicht älter, als es den Anschein hat und wurde auf den Ruinen eines terranischen Tempels errichtet?


Aber all dies musste zurückstehen. Zippi und Hartmuht hatten bereits den Gang weiter erkundet. Der weitere Weg wurde von einem Fallgitter versperrt, das von Echsenmenschen bewacht wurde. Harmuht versuchte mit ihnen zu verhandeln. Schließlich hatten wir einen Vertrag geschlossen. Ein Handel ist – zumindest für Zwerge, wie mir scheint – heilig. Leider ließen sich die Skrang nicht überzeugen und begannen zu schießen. Dabei wurde das Ei getroffen. Noch ging es nicht zu Bruch. Aber für die Echsenmenschen war es ein Omen und sie flohen.


Seit wir die Kellerräume betreten hatten, war Tante Agahte unruhig. Es schien, als wollte sie, daß wir schneller in die Gewölbe vordringen. Da im Hauptgang noch die Verhandlungen von statten gingen, unternahmen James und ich den Versuch ob eine Tür uns vielleicht einen anderen Weg eröffnete. Zwar gab es einen Raum, aber auch eine weitere Wache. James nahm den auf uns abgeschossenen Pfeil zum Anlass und stürmte vor. Mitten in eine Trittfalle. Aber immerhin schien der Anblick des wütenden Echsenmenschen zu viel für die Wache, auch diese floh. Zumindest nachdem ich mein vorletztes Wurfmesser an sie verschwendet hatte.


Was dann folgte muss für Außenstehende – wenn es sie gegeben hätte – wir ein Stück aus einem Bauernschwank vorgekommen sein. Zippie war mittlerweile zu uns gestoßen und versuchte James bei der Befreiung auf der Fall zu helfen. Sie zerrten und zogen, was die Situation nicht verbesserte. Als ich hinzukommen wollte, geriet Tante Agahte in Panik. Angesichts von James kroch sie in mein Hemd . Kaum konnte ich sie bändigen, wobei sie mir mit ihren scharfen Nägeln eine beachtliche Anzahl Kratzer beibrachte. Immerhin blieb mein Hemd soweit heil. Ein Neues werde ich aber wohl brauchen, jetzt ist es endgültig ruiniert. So konnte ich dann kaum etwas zur Befreiung beitragen. Aber unter Mühe und einigen kleinen Verletzungen gelang es, James zu befreien.


Dann konnten wir die Räume weiter erkunden. Harmuht erklärte, daß dies wohl Verteidigungsräume seinen. Die Öffnungen in den Wänden, durch die wir uns zum Teil zwängten, waren wohl einst Schießscharten. Auch der steinerne Drachenkopf an der Stirnseite des Ganges war Teil davon. Eine Armbrustfalle, wie sich unschwer erkennen ließ. Aber offensichtlich – und zu unserem Glück - verfügten die Echsenmenschen nicht über die Fertigkeit, sie wieder in Funktion zu setzten.


Während ich noch die Falle untersuchte, war Tante Agahte wie von Sinnen. Sie sprang immer wieder von meiner Schulter, auf der sie zu meinem Glück wieder Platz genommen hatte, war doch ihr Gewusel in meinem Hemd mittlerweile auch aufgrund der Kratzer mehr als unangenehm. Es war, als könnte es ihr nicht schnell genug gehen, daß wir den Raum betraten, in den die Wachen verschwunden waren.


Als wir den Raum dann schließlich betraten, konnten wir auch den Grund erkennen. Dort fand sich die lebensechte Staute einer Frau erstarrt in der Bewegung. Sobald wir aber auf einen Schritt herangekommen waren, konnten wir erkennen, daß es sich um einen Versteinerungszauber handeln muss. Hartmuth war sofort alarmiert. Er meinte es sähe aus, wie von einem Basilisken. Wir sollten unsere Augen bedecken oder einen Spiegel nutzen. Nur direkt anblicken sollten wir das Ungeheuer nicht, wollte wir dem Schicksal entgehen, auch eine Staute zu werden.


Die Statue erregte aber noch aus einem anderen Grund unsere Aufmerksamkeit. Wie ich von den Gefährten erfuhr, handelte es sich um Juri, die Begleitung von Aurelia. Ich wußte ja, daß ein Grimm zwischen ihr und den Gefährten herrschte. So überraschte mich nicht, daß sie überlegten der Statue Gewalt anzutun. Es war mir nur nicht klar, ob diese auch zur Ausführung kam. Unterdessen verfestigte sich mir jedoch die Erkenntnis, daß James wohl recht lag mit seiner Aussage, Tante Agahte wäre wohl Baunz, der Familar von Juri. Sprang sie doch sofort auf die Schulter der Statue. Auch war sie weiter nervös. Ein leichter Schmerz machte sich breit und die schwarze Trauer begann, aus der Tiefe meiner Gedanken an die Oberfläche zu kriechen.


Doch bliebt zunächst keine Zeit. Hörten wir Geräusche, die darauf hindeuteten, daß der Basilisk frei in den Gängen umherstreifte. Um nicht von meinen Gefühlen überwältigt zu werden, wieder einen wertvollen Gefährten verloren zu haben - sogar noch bevor ich daran denken konnten, Tante Agahte wirklich an mich zu binden, hatte ich den Affen ja in mein Herz geschlossen - entschloss ich mich zu handeln. Mit Hilfe eines Spiegels aus meiner Tasche konnte ich den Basilisken sehen, wie er den Gang entlang kam. Angesichts der guten Erfahrung im Tal der Donnerechsen versuchte ich es mit meinem letzten Alchimistenfeuer. Und tatsächlich, ich konnte nicht nur den Gang in Flammen setzen, auch der Basilisk nahm Schaden.


Dann folgte der Versuch den Basilisken zu erlegen. Hatte Hartmuht die Vermutung geäußert, und ich meinte auch mich daran zu erinnern, das Basiliskenblut kann die Versteinerung beenden. Die Jagt zeigte sich als schwerer denn gedacht. Vor allem scheine ich eine starke Anfälligkeit für die Zauber von Zippi zu haben. Er versuchte eine Ablenkung mittels einer Illusion. Diese kam so plötzlich und war so realistisch, daß ich sie nicht von der Realität unterscheiden konnte. Hier verschwendete ich mein allerletztes Wurfmesser und da es keine Wirkung zeichnete, floh ich in Richtung Hartmuht.


Als ich bemerkte, daß ich mich von dem Zauber hatte blenden lassen, weckte diese kindische Flucht Zorn in mir. Ich fühlte ihn in meinen Eingeweiden aufsteigen. So dann ließ ich alle Vorsicht fahren. Als der Basilisk wieder in Sicht kam, begann ich mit den Worten und Gesten, wie sie mir vor so langer Zeit beigebracht wurden. Ich spürte, wie die magische Energie sich sammelte. Wie das angeheme Kribbeln sich zu einer Spannung steigerte und ich endlich in jeder Faser meines Körpers den erlösenden Schauer spürte, als der Zauber aus meinen Fingerspitzen in Richtung des Basilisken manifestierte. Zu meinem Unglück konnte der Höllenwurm die Wirkung abwehren und mein wohliges Gefühl verflog so schnell, wie der Zauber die Entfernung überbrückt hatte.


Zumindest zeigten sich die Taten von Hartmuht und James erfolgreichen. Sie schienen den Basilisken einzuschüchtern. Hartmuth meinte, daß wir eine gute Möglichkeit hätten den Basilisken in eine Falle zu scheuchen. Eine Aufgabe, die wir noch nicht einmal wirklich selbst lösen mussten. Es schien, der Basilisk versuchte sich in einem Gang unter Schutt zu verstecken. Das gab uns Zeit die Umgebung zu erkunden. Ich werde nicht alle Einzelheiten hier aufführen, sondern direkt zum interessanten Teil kommen.


Zippi hatte in einem Raum einige Amphoren gesehen und diese zunächst nicht beachtet. Auf halbem Wege kam ihm jedoch in den Sinn, daß einige das krude Zeichen eines Basilisken hatten. Er raste zurück, nahm eine dieser Amphoren und schüttete diese über die Juri-Statue. Tante Agahte hatte mich fast gleichzeitig von der Betrachtung der großen Zwergenstatue in der Mitte der Gänge wieder zu Juri gezogen. Eingedenk meines arg zerschlissenen Hemdes, wollte ich jetzt nicht auch noch meine Hose auf die gleiche Weise verlieren. Also folgte ich ihr bereitwillig. So konnte ich sehen, wie das Basiliskenblut – nämliches befand sich in der Amphore – seine Wirkung tat und Juri wiedererweckte.


Schnell waren alle versammelt, um die Geschichte von Juri zu hören. Die Feindseligkeit der Anderen ihr gegenüber war deutlich zu spüren, aber die Sorge um Aurelia – so hoffe ich zumindest – hielten von Handgreiflichkeiten ab. In kurzen Worten zusammengefasst erfuhren wir erstaunliches. Aurelia und Juri waren wohl aufgebrochen, weil sie befürchteten, mit dem Droska-Kult könnte eine verborgene dunkle Macht gefördert werden. Sie gelangten wohl in die Kellergewölbe, wo aber der Basilisk ihren Forschungen ein Ende bereitete. Juri gelang es noch vor der Versteinerung ihren Geist in Tante Agahte, oder vielmehr Baunz, zu verpflanzen. So kehrte sie nach Port Grim zurück. Hier schien sie in mir eine geeignete Person gefunden zu haben, um für ihre Rettung zu sorgen. Was ja auch auf wundersame Weise sich so zutrug.


Mir lief es kalt den Rücken herunter. Hatte ich doch Tage und Nächte mit Tante Agahte verbracht. Welche Dinge mag also Juri von mir gelernt haben, die ich lieber verborgen wüßte? Ich zermarterte mir das Hirn. Insgeheim hoffte ich, nicht all zu viel preis gegeben zu haben und daß sie mit den Affensinnen eh nicht alles wahrgenommen habe. Daher war mir ein wenig übel, als sie mich kurze Zeit später zur Seite nahm. 

 

Doch wollte sie nur mir in kurzen schnellen Worten ihre Sicht der Dinge wiedergeben. Die Ereignisse in Kloster vor einigen Wochen klangen aus ihrem Mund ein wenig anders. Sie sagte, sie hätte verhindern wollen, daß gefährliches Wissen in die Hände der Skrang gelangen könne. Neben einem Buch erwähnte sie dabei einen unheiligen Hammer. Beides wollte sie damals an sich nehmen, nicht aus Gier, wie sie behauptete, das wäre die Ansicht meiner Gefährten. Nun ist es an mir. Wem soll ich Glauben schenken? Sicher ist nur, mein Interesse ist geweckt. Was wohl in diesem Buch steht? Geheimnisse der Runenherrscher? Vielleicht sogar etwas über Sor-Scheen? Ich musste es in Augenschein nehmen! Aber weiter mit den Ereignissen.


Als gerade Harmuth auf die Unstimmigkeiten zwischen den Gefährten und Juri zu sprechen kommen wollte, erregt Zippi unsere Aufmerksamkeit. Wie nebenbei erwähnte er, daß Juri wohl nicht falch läge. Die Zwergenstatue im Zentrum der Gänge wäre ja schließlich kein Droska-Werk, sondern würde eigentlich Kazuk zeigen. Den hätte er Dank der Bilder im Haus der Gesellschaft wieder erkannt. Kazuk, der Herr der Gier, einer der mächtigen Runenherrscher. Sein Wirken – oder das seiner Anhänger, das wurde mir nicht klar – ist wohl für den Angriff von Ogern und Riesen auf Port Grim verantwortlich.


Noch während alle erstaunt waren von dieser Erkenntnis – oder daß sie gerade von Zippi vorgetragen wurde – und bevor wir eine Debatte über die nächsten Schritte beginnen konnten, erschütterte ein gewaltiges Brüllen die Gänge. Harmuth äußerte darauf die beunruhigende Tatsachen, die Skrang hätten ein Ritual erwähnt, kurz bevor sie flohen. Es war ihm wohl in der Aufregung um den Basilisken entfallen. Inständig hoffte ich, es wäre nicht die Beschörung des Goldenen Wächters. Eingedenk der Tatsache, Karzouk lenkt die Schritte der Echsenmenschen, würden damit die Gefahren der Donnerechsen-Mission, wie ein Spaziergang im Park erscheinen.