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Freitag, 26. August 2022

Mottes Tagebuch Auf Güldensterns Spur Teil 6

Tagebuch von Motte - Der Goldene Wächter

 

Ich musste eine kurze Pause vom Schreiben einlegen. Noch immer sind nicht alle Ereignisse aus dem Kloster zu Papier gebracht. Ich hoffe ich werde es noch vervollständigen können. Denn wer weiß, was uns als nächstes erwartet. Gaben uns die Ereignisse doch einen Vorgeschmack, auf alles, was das Rad des Schicksal noch für uns bereithalten kann.


Die Gefährten waren schon in Richtung der großen Doppeltür verschwunden. Juri hatte mir ihre Sicht der Dinge nahegelegt und war kurz darauf in Richtung des Ausgangs verschwunden. Dort sei ein geheimes Lager mit nützlichen Dingen von ihr und Aurelia angelegt. Nach dem, was mit meine Gefährten von Juri erzählt hatten, war ich mir nicht sicher, ob ich das glauben sollte. Ich hatte das Gefühl es würde stimmen. Aber kann ich mich auf meine Gefühle verlassen? Bei IHM haben sie mich jämmerlich im Stich gelassen. Aber da war ich noch ein Kind und hatte gerade die Mauern der Akademie verlassen.


So gesellte ich mich zu meinen Gefährten. Sie waren sichtlich skeptisch, ob der Handlungen von Juri. Wir debattierten kurz, was zu tun sei. Inzwischen schwollen die Gesänge immer weiter an und auch das Brüllen wurde lauter. James wollte die Tür im Auge behalten, derweil Hartmuth nochmal einen verschütteten Teil untersuchen wollte, galt seine Sorge doch in erster Linie Aurelia.


Ich konnte die Spannung nicht mehr aushalten. Alle meine antrainierten Reflexe und Sinne wollten eingesetzt werden. Die offensichtliche Magie aus dem Raum hinter der Doppeltür zog mich geradezu in ihre Richtung. Ich musste wissen, was dort geschah. Könnte ich ein Ritual nach Art der Runenherrscher sehen, zumindest ein echisches. Die warnende Stimme meines Gewissen, nicht die Gefährten alleine zu lassen, überhörte ich. Ebenso den in meine Gedanken eingebrannten Spruch meines alten Meisters, „Neugier ist der Katze tot“ mit dem ich immer vor dem alten Wissen gewarnt wurde, konnte ich ignorieren.


Also begab ich mich zur Türe. Diese war mit zahlreichen Schutzrunen der Zwerge verziert. Offensichtlich nicht mehr aktiv. Ich konnte sie nicht einordnen. - Wenn wir es nach Port Grim schaffen, muss ich meine Studien wieder aufnehmen. Auch wenn es gefährlich ist. Ich bin nicht ohne Grund im Süden. - Durch einen Spalt konnte ich in den Raum sehen. Es wurde ein Ritual durchgeführt! Vor Aufregung lief ein Schauer meinen Rücken herab und die Spannung ließ mich zittern. Ich nahm den Unsichtbarkeitstrank. Leider wirkte er nur bei mir, so daß ich Tante Agahte, Baunz, auf den Boden setzten musste. Als ich durch die Tür schlüpfte, hörte ich noch ein ärgerliches Zischen von James. Dann war ich in der Halle.


Dies war das Allerheiligste des Angrosch-Kloster. Doch durch die Umwidmung der Skrang für ihren Droska-Kult wirkte es irgendwie falsch. Besonders aber das Ritual war beunruhigend. Fünf Menschen lagen leblos in den Zeichen auf dem Boden. Der blinde Priester – Naktok? - intonierte seine Beschwörungen. Offensichtlich sollte ihnen Macht ausgesaugt und transferiert werden. Wohin und auf was lies mich wieder erschaudern.


Ein riesiger Gargoyle, wohl an die drei Schritt, gekleidet in eine golden schimmernde Rüstung, trug ein Sklavenband aus Gold und Rubinen. Eben jenen Rubinen, von denen Juri gesprochen hatte. Mir kam das Zeichen am Eingang in den Sinn. Kazuk und Versklavung. Sollte der Herr der Gier hier versuchen den Goldenen Wächter, denn um diesen musste es sich handeln, in seine Dienste zu zwingen? Ich musste handeln. Also nahm ich den Weg um über eine Brücke zum Altar zu gelangen, wo der Goldene Wächter gebunden war.


Als ich den steinernen Hammerstiel überquerte, welcher zum Hammerkopf – dem Altar – führte, meinte ich, daß die Schamanin der Echsen – Mutter Bogwin – mich gesehen hätte. Auch wenn sie abseits bei den Frauen und Kindern des Stammes stand, bin ich mir nicht sicher, wem ihre Loyalität gilt. Schnell machte ich mich zum Goldenen Wächter auf. Ich hatte schon meine Axt gezogen, um das Halsband zu zerschlagen, da überkamen mich Zweifel. Was wenn der Wächter von den Zwergen an den Ort gebunden wurde, weil er ein Chaosgeschöpf ist? Würde die Befreiung dann nicht mehr Unheil bringen? Aber wenn der menschenhassende Priester die Kontrolle über den Wächter erlangt – wäre das besser? Würde dann nicht die Gier nach Rache Kazuk weiter stärken? Lodernde Wut ob dieses Dilemma begann in meinen Eingeweiden zu brennen. Warum konnte es nicht einfach und klar, wie die Formeln der Grimoire sein? Warum musste ich immer zu diesen Entscheidungen gedrängt werden?


Während ich noch die Möglichkeiten gegeneinander abwog, handelten meine Gefährten. Dabei geschah das, was uns der alte Sergeant mit dem Holzbein und der fehlenden Hand in der Akademie immer wieder eingebläut hat: kein Plan überlebt den Kontakt mit dem Feind. James stürmte in den Saal und auch auf die Brücke. Harmuth hintendrein und schwang seine Axte gegen den ersten Echsenmenschen, der sich ihm in den weg stellte. Der Kopf flog sicher fünf Schritt durch die Luft. Juri folgte auf dem Fuße und belegte sich mit einem Zauber. Sie war plötzlich wie von Wasser umflossen. Ich bin mir nicht sicher, könnte so die Kraft der Seehexen aussehen? Eine weitere Frage neben der Kraft von Zippi. Akademisch ist es sicher weder bei ihr, noch ihm.


Wie ich später erfuhr, war der ursprüngliche Plan den Basilisken, welcher immer noch auf dem Schutthaufen lag, in die Halle zu locken. Zwar hatte Zippi ein Spielzeug des Tiers gefunden, aber irgendwie ging das Anlocken schief. Hartmuht ließ wohl den Ball fallen, als James an ihm vorbei in die Halle rannte. Beide wollten nicht wirklich darüber reden, sondern gifteten sich darüber an. Besonders aber wohl über den toten Echsenmenschen. Hartmuht behauptete jedenfalls steif und fest, daß es jener gewesen sei, welcher das Donnerechsen-Ei mit einem Pfeil beschädigt habe. Es hätte so nur Schadensersatz (ein seltsames Wort) eingefordert. Sei's drum. Als Letzter kam Zippi in den Saal. Er hatte den Basilisken im Schlepptau, in dem er sich selbst als Köder angeboten hatte. Das war wohl Juri zu viel und sie schlug die Tür zu, um den Basiliken draußen zu halten. Damit musste schnell ein neuer Plan her.


Durch den Angriff auf die Skrang, rang ich mich zu einer Entscheidung durch. Ich versuchte es abermals mit einem Zauber. Wieder intonierte ich die Worte und machte die Gesten. Und tatsächlich, diesmal gelang es besser als bei dem Basilisken. Denn nicht nur der Zauber gelangt formidabel, auch das Ziel konnte ihn nicht abwehren. So ging Naktok in die Knie und musste das Ritual unterbrechen, das munter fortgeschritten war. Nur noch eine Verbindung von den Opfern zu den Steinen hätte hergestellt werden müssen. Ich gab mich für einen Moment dem überwältigen Gefühl nach, das ein erfolgreicher Zauber in mir auslöst. Meine Knie zitterten leicht und ich glaube ein wohliges Glucksen entrang meiner Kehle. Mein Meister hätte mich gescholten.


James hatte es derweil auf die Mitte der Brücke geschafft. Er hielt sein Donnerechsen-Ei in die Höhe und sprach in der zischenden Art der Echenmenschen. Mutter Bogwin antwortete ihm in gleicher Weise. Harmuth rief ebenfalls mit lauter Stimme, daß der Vertrag eingehalten werden müsse. Auch wenn zunächst die Wächter ihn mit Speeren bewarfen. Danach waren sie wohl verunsichert. Als die Mutter dies hört, sprach sie nochmals Worte auf der imperialen Gemeinsprache. Wir sollten das Ritual aufhalten und das Halsband zerstören.


Ich versuchte abermals den Priester zu verzaubern, daß der sich nicht erholen mochte. Aber ich hatte mich wohl zu sehr verausgabt. So konnte ich den Wind der Magie doch nicht kanalisieren. Derweil war auch Juri auf die Brücke gelangt. Eingedenk der Worte der Schamanin, warf sie einen Gegenzauber auf das Halsband und das Leuchten eines Rubins erlosch. Sie machte einen seltsamen Eindruck. Neben ihrem Panzer aus Wasser umgaben sie auch die Feen von Zippis Zauber. Es schien, als ob sich die zwei Zauber vereinigt hatten. Die Feen ritten nicht mehr auf fliegenden Wesen, sondern auf Seepferdchen, so schien es mir. Aber vielleicht war das auch Illusion, scheine ich doch gerade für die Feenmagie besonders empfänglich zu sein.


Mir war der misslungene Zauber ein Zeichen. Sodann wandte ich mich mit meiner Axt das Halsband zu zerstören. Da dies jetzt meine Aufmerksamkeit verlangt, bekam ich von den anderen Ereignissen nur wenig mit. Auch, daß ich wieder sichtbar wurde, war mir kaum bewußt. Daher war es ein Glück, daß ich mich geistesgegenwärtig duckte, als James sein Brecheisen bei dem Versuch verlor, das Halsband zu entfernen. Knapp flog es an meinem Kopf vorbei. Ich schaffte es einen Rubin zu lösen, der darauf ebenfalls sein Leuchten verlor.


Derweil hatte Zippi einen Zauber in die Mitte des Rituals geworfen, welcher Skrang, Menschen und Priester in alle Richtungen schleuderte. Hartmuht schrie irgendwas in Richtung der übrigen Echsenmenschen. Während der Goldene Wächter sich bäumte und mit der durchdringenden Stimme verlauten lies, er lasse sich nicht wieder versklaven.


Als ich es schaffte einen weiteren Stein aus dem Halsband zu brechen, stieg plötzlich eine Wasserwand zwischen uns und dem Wächter auf. Juri hatte wieder einen ihrer Elementar-Zauber gewirkt. Sie war sich nicht mehr sicher, ob es klug war den Wächter von dem Halsband zu befreien, wie ich später erfuhr. So daß sie es für angebracht hielt einen Schutz zu wirken.


So oder so war das Ritual gebrochen und James versuchte den Wächter zu überzeugen uns anzuhören. Auch ich versuchte es mit Argumenten, drang aber nicht über das Rauschen des Wassers und dem Lärm der Halle an. Es war frustrierend, aber ich muss wohl anerkennen, daß meine Stimme zu dünn ist, auch wenn meine Argumente brillant waren. Aber was nützt es, wenn sie nicht gehört werden.


Zuletzt gelang es uns allen aber gemeinsam, ihn zu überzeugen. Da hatte er sich zwar schon den Priester gegriffen, aber noch war kein weiteres Unheil geschehen. Juri bot die Rubine und die Erwähnung, daß die Gesellschaft gegen Kazuk zieht, schienen ihn zu überzeugen. Sogar das unheilige Buch konnte ich von ihm erlangen. Endlich kann ich einige Geheimnisse der Runenherrscher vielleicht sogar aus einer validen Quelle studieren. Aber das muss warten. Zunächst gilt es Aurelia zu finden. Juri hatte ihre Waffen in einem Haufen gefunden. Achtlos an die Seite geworfen. Da sie auch nicht unter den Opfern war, muss sie noch irgendwo in den Gewölben zu finden sein.


Und wer weiß, vielleicht lassen sich auf noch Schätze in den Kammern finden. Zwerge sind doch bekannt für ihre Horte. Mit einem ordentlichen Batzen Gold und Geschmeide läßt sich gut leben. Ich kann die kandierten Früchte, das Sirup-Konfekt und die Kokos-Küchlein schon förmlich auf der Zunge spüren. Dazu ein Mokka und das Studium des unheiligen Buchs wird ein Spaß. So dachte ich. Bis mir auffiel, daß ich das Buch in meinem Hemd vor den Gefährten verborgen hielt. Irgendetwas scheint meine Gedanken zu beeinflussen. Beängstigend und Faszinierend – ist das der Einfluss Kazuks, auf dessen Macht das Ritual beruht?


Es lief mir eiskalt den Rücken hinab. Hatten wir das Richtige getan? Schließlich kann zwar der Wächter von Kazuk versklavt worden sein, aber genauso gut könnte er sein schurkischer Diener sein. Schließlich war er in einem Angrosch-Tempel gefangen. Vielleicht war das Ritual gar nicht von Kazuk beeinflusst, sondern von Droska, um den Wächter Kazuk zu binden und in Droskas Dienste zu zwingen? Zwar nicht besser, aber Chaos kämpft so viel gegen sich selbst, wie gegen die Ordnung. Jetzt hoffe ich, daß wir Aurelia schnell und unbeschadet finden. Möglich, daß sie die Situation klären kann. Vertrauen sich doch Juri und die Gefährten wohl nur soweit, wie es die Gefahr gebietet. Gerade fangen sie wieder an mit ihrem Disput.


Liegt es vielleicht an mir hier einzugreifen. Hat Akbasch mich deswegen angeheuert? Weil ich nicht in den Konflikt beteiligt bin? Ich hoffe ich bin der Verantwortung gewachsen! Wir sollten uns beeilen Aurelia zu finden. Nagte in mir doch, daß die Südmeer-Handelsgesellschaft auch in der Gegend war. Eine weitere Gefahr, die über uns kommen konnte.

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