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Freitag, 21. Februar 2025

Mottes Tagebuch - Geh nicht zum Grinderlach

 Morgen brechen wir auf. Es geht zu den Skrang, die wir vor einer gefühlten Ewigkeit in ein neue Heimat geführt haben. James hatte eine Nachricht erhalten, dass der Steinerne Wächter uns sehen wolle. Vermutlich wohl ihn, aber sei’s drum. Klar, dass auch Harmuut mit von der Landpartie sein wollte.Etwas frische Luft und ein Spaziergang im Wald würde er brauchen nach dem ganzen Schreibstubenhocken der letzten Zeit. Selbst Juri ließ sich von der Reise überzeugen. Nachdem ich sie einige male darauf angesprochen hatte, dass es doch ein Spaß werden würde. Und ob sie denn gar nicht neugierig wäre, was denn aus den Skrang geworden wäre.


Ich habe mir vor der Reise noch ein wenig mit meiner Garderobe beschäftigt. Meine blaue Weste habe ich durch eine praktische Schnürweste aus festem Leinen getauscht. Sie ist noch etwas steif, aber bequemer als Leder aber mit etwas Talg wirkt sie dank der braunen Färbung wie Leder – nur dass ich nicht so darin schwitze. Jetzt wo ich schon eine echte Barbarin bin habe ich auch meine Bemalung geändert. Nicht nur meinen Körper, die Arme und Beine sind mit mystischen blauen Mustern versehen. Ich habe mir auch die Augen mit blauer Farbe hervorgehoben. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob ich wirklich den ganzen Weg barfuß laufen will, daher werde ich meine Schuhe zur Sicherheit doch noch in mein Reisegepäck einpacken. Ich bin ja so aufgeregt.


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Bevor wir aus Isandras Wacht aufbrechen, will ich schnell noch meine Gedanken festhalten. Denn irgendetwas seltsames geht vor in dieser Gegend. An Albträume bin ich mittlerweile gewöhnt, aber dieser Traum war bizarr anders, nicht schrecklich, eher verstörend.


Ich träumte von einem violetten Himmel ohne Sterne. Mit einer endlose Ebenen voll formloser - Dinge. Jeder Schritt war dadurch von Wandel gekennzeichnet. Mit jedem Gedanken kam eine Veränderung. Dann war plötzlich überall Grün! Und ein gnadenloser gelber Stern im blauem Himmel blendete mich, brannte sich direkt in meinen Kopf und meine Gedanken. Dann war keine Veränderung mehr! Alles starr, unformbar – als ob ein grimmer Frost alles erstarren ließ. Ich spürte wie auch ich in dieser Starre langsam gefangen wurde. Aber dann dort! Dort waren Dinge, die sich bewegen. Die sich wandeln! Ich wußte sie können mir helfen und den Schmerz lindern!


Bedeckt von eiskaltem Schweiß bin ich aufgewacht. Ein Donner halte nach und es brauchte eine zeit, bis mir klar wurde, dass dies nicht die Nachwirkungen des Traums war. Tatsächlich gab es ein wahnsinniges Brüllen aus der Richtung Totholz. In Isandras Wacht waren alle auf den Beinen. Beängstigt blickten wir in Richtung Totholz. Dort konnten wir den roten Schein von Feuer sehen.


Nun, wir werden sehen, was dort passiert ist. Denn gleich geht es los. James hat schon nach „dem Menschlein“ gerufen. Ich werde mich sputen.


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Ich nutze jetzt jede Pause zum Schreiben, denn wer weiß, wann oder vielmehr ob ich noch dazu kommen werde das erlebte Aufzuschreiben. Und es ist wichtig die Ereignisse festhalten. Schließlich ist das Erscheinen mystischer Wesen nicht ein Ereignis, wie das wiederkehren der Schwalben im Sommer. Aber der Reihe nach.


Noch bevor wir die rauchenden Trümmer von Totholz erreichten wurden wir von einer wilden Horde wahnsinniger Bauern und Stadtleute angegriffen. Nun zumindest versuchten sie es. Mit den vereinten Kräften schlugen wir sie in die Flucht. Nur leider nicht mit roher Gewalt, wie ich es eigentlich hätte tun wollen. Juri und ich nutzten unsere Kräfte. Die Illusion eines Drachen, James Gebrüll und Juris Seekrankheitszauber veranlassten einen panischen Abgang des Mobs.


Totholz war in weiten Teilen vernichtet. Nur wenige Gebäude standen noch, wenn auch nicht unversehrt. Überall lagen Leichen, fürchterlich zugerichtet, zerrissen, zertreten und zerhackt. Ein wahnsinniges Gemetzel. Das mich seltsam faszinierte. Noch jetzt sehe ich mich mit Interesse die verschiedenen Verletzungen betrachten, Notizen und Skizzen machen. Ich habe schon viel von Massakern gelesen. Selbst ja auch schon einiges an Blut vergossen. Aber das Ausmaß des Blutbads war schier unglaublich.


Juri scheint es seltsamerweise stark mitzunehmen, hat sie seit wir in Totholz sind keine Gelegenheit ausgelassen Rum in sich zu schütten. Langsam macht es mir Sorgen. Aber solange sie noch steht ohne zu schwanken, will ich mich nicht einmischen.


Zwischen den Toten und der Zerstörung konnten wir riesige Abdrücke finden. Ein gigantisches Monster muss hier gewütet haben. Aber wohl kein Drache, denn dafür war zu wenig von Feuer zerstört. Auch scheint das Monster immer kurz geflogen zu sein. Wir waren ob der Spuren ratlos.


Daher suchten wir nach Antworten. Diese würden wir nur von Überlebenden erhalten. Also machten wir uns auf die Suche. Wir begannen im erstbesten noch weitgehend unversehrtem Haus. Der Schmiede, wie sich herausstellte.


Hier fanden wir einen wahnsinnigen Schmied samt eines nicht viel weniger wahnsinnigen Gehilfen, die dabei waren eine Chaosrüstung zu schmieden. So sah es zumindest auf den ersten Blick aus. Denn es stellte sich heraus, dass die Rüstung mit Haken und Spitzen versehen wurde, damit der Schmied sich von dem Monster verschlingen lassen kann, um es dann von Innen aufzuschlitzen. Kein ganz dummer Plan, wenn auch vermutlich recht tödlich für den Träger der Rüstung.


Zumindest erfuhren wir zwischen dem Hämmern und dank Hartmuuts mithilfe als „Meisterschmied“ des Zwergenvolkes mehr über das Monster. Doch bevor wir mehr erfahren konnten, mussten wir die Schmiede verlassen, stand die Esse doch kurz vor der Explosion. Zum Glück konnten wir den Schmied überzeugen weniger Feuer zu geben und sich stattdessen in die Rüstung zu schmieden. Als dann auch noch Juri mit einem Wasserstrahl die das heiße Eisen abkühlte verwandelte sich die Schmiede in eine Schwitzhütte, in der vor lauter Dampf nichts mehr zu sehen war. Weshalb wir uns nach draußen begaben.


Wir erfuhren dann auch mehr über das Monster. Es war wohl weniger ein Drache, als mehr ein Riesenfrosch mit viergeteilter Zunge. Der Gehilfe bezeichnete es später als „Grinderlach“, wozu es in dieser Gegend ein Kinderlied gibt, dass ich später versuchen werde niederzuschreiben.Da es aber keine Pestilenz verbreitet, war unser Gedanke ob es wohl dem Nörgel dienen würde ein irriger. Tatsächlich gehe ich davon aus, dass es eher dem Wandler der Wege zugehörig ist. Schließlich hat der Traum, den ich hatte schon in diese Richtung gedeutet. Aber als wir unsere Träume aus der vorherigen Nacht verglichen, war ich mir sicher. Alle hatten Aspekte des Monsters Zunge, klebrige Füße, eiserne Haut im Traum erlebt.


Wir machten uns dann auf, nach weiteren Überlebenden suchen. Schließlich galt es mehr über das Monster zu erfahren. Vor allem, wie es nach Totholz gelangte. Leider brachte uns die zweite Station auch nicht weiter. Wir machten uns auf zum Wirtshaus. Juri klagt über Durst. Aber auch ich konnte nach der Schwitzkur in der Schmiede ein kühles Bier oder etwas Cider brauchen. Doch zunächst mussten wir einen Mann der Scorns retten. Dieser glaube fliegen zu können und wurde von einer Person gerade noch gehindert aus dem Fenster zu springen. Es gelang uns mit Hilfe einer Leiter und viel Matsch seinen Fall zu bremsen. Auch ich konnte etwas beitragen, habe ich mit einigen wohl platzierten Messerwürfen dafür gesorgt, dass der Fettwanst nicht springt, bevor nicht James diese vermaledeite Leiter gefunden hatte.


Doch wenn wir vermutet hatten, wir könnten mehr erfahren, dann hatten wir uns getäuscht. Es gab nur wieder der Lied des Grinderlach, in dem auch Angrosch Hammer eine einschlagende Rolle spielt. Nun zumindest haben wir erfahren, dass das Monster springt, wie ein Frosch, weil seine Flügel zu klein sind. Später, als Hartmuut mit dem Schmied und seinem Gehilfen eintraf und dankbar auch ein Glas Dünnbier nahm, erfuhren wir noch etwas mehr. Nämlich, dass sich wohl auch die Leute gegenseitig umgebracht haben. Etwas, das sich offensichtlich schlecht auf Moral und Kampfkraft gegen das Monster ausgewirkt hat. Sei’s drum – es geht weiter.


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Ich muss mich konzentrieren, damit – sollten wir das überleben – ich meine Schrift lesen kann. Und falls nicht, dass andere die Möglichkeit haben mein Schreiben zu entziffern, um zu wissen, was in Totholz passiert ist. Wir werden aufbrachen in den Wald zum Steinkreis, um dort in einer Höhle den Grinderlach zu stellen und zu vernichten.


Bei unserem weiteren Gang durch Totholz fanden wir noch zwei Wahnsinnige, die in der Apotheke des Orts sich mit Schnaps und Rauschkraut nahe der Besinnungslosigkeit brachten. Dort konnten wir aber immerhin Heilkräuter und andere Drogen finden. Immerhin etwas nützliches. Denn die Information, das Monster habe Hörner brachte kaum Erkenntnis.


Einen Gang zum Damm, der Totholz vor den Fluten eines Sees schütze, würden wir auf später verschieben. Denn wir haben erfahren, dass der Fleischer mit der Frau des Bäckers dabei sei den Damm aufzustechen, um die Siedlung zu fluten. Warum auch immer das sinnvoll sein mag. Mich erschöpfen die Wahnsinnigen ein wenig. Ein paar sind ganz amüsant, aber diese Masse ist ermüdend. Selbst Juri zeigt Anzeichen von Erschöpfung, versucht sie doch sich mit Hilfe des Alkohols aufrecht zu halten. Eine ziemlich aussichtslose Sache, aber wer bin ich mit ihr zu streiten?


Nun zu guter Letzt konnten wir immerhin im hiesigen Angrosch Tempel einige interessante Entdeckungen machen. Bereits am Eingang, wo sich ein letztes Gefecht abgespielt haben muss, fanden wir doch Leichen von zwei Dutzend Personen, vielleicht mehr, aber das ließ sich nicht so genau sagen. Hätte ich etwas mehr Zeit gehabt, würde ich die Einzelteile sortiert haben. Sei’s drum. Wir haben immerhin den Arm der Priesterin gefunden, die noch immer ihren heiligen Hammer umklammert hatte. Harmuut hat ihn an sich genommen, hoffen wir, dass der Zwergengott seine Hand führen wird.


Im Tempel selbst waren einige Kinder damit beschäftigt zu dem Grinderlach-Lied fangen zu spielen. Ich bin mir nicht sicher, aber so wie ich das Liede mir erschließe und auch, was uns die Spuren sagen, kann ich mir ein paar Dinge zusammen reimen. Das Monster ist fähig weit und hoch zu springen. Es hat eine viergeteilte Zunge, Säure als Blut und ist stark gepanzert. Zu allem Überfluss scheint es auch Wahnsinn zu verbreiten. Aber seine Schwachstelle scheint der Kopf zu sein. Zumindest findet es sein Ende, wenn es mit Angrosch Hammer auf den Kopf geschlagen wird.


Hoffen wir, dass diese Information ausreicht. Aber zu trauen ist dem nicht. Denn die Person, welche neben den Kindern im Tempel war, ist – oh Wunder – vollkommen wahnsinnig gewesen. Sie wollte die Kinder als Köder nutzen und dann das Monster bekämpfen. Da ist der Plan des Schmieds schon ausgereifter gewesen. Sei’s drum. Hartmuut und ich konnten sie überzeugen es nicht zu tun. Oder besser, nachdem wir ihr Mandragora gegeben haben, wurde ihr nicht nur die Schändlichkeit ihres Plans bewußt, was sie in Katatonie verfallen ließ. Anscheinend glaubt sie, dass sie Schuld am Erscheinen des Monsters hat, weil sie den Kindern die Sage von Grinderlach erzählt hat und das Monster dann kurz darauf erschienen sei. Hartmuut hält das nicht für komplett abwegig, hat die Öffnung des Dämonentors so einiges an Realität durcheinander gebracht.


Aber immerhin – wir haben jetzt einen Plan. Der Grinderlach soll im Wald in einer Höhle bei einem Steinkreis sein. Dort werden wir jetzt hin gehen. Wir haben den Hammer des Angrosch der Priesterin, heiliges Öl mit dem James seine Waffe gesegnet hat und ich etwas unter meine letzte Falsche Alchemistenfeuer gemischt habe. Juri ist zumindest soweit nüchtern, dass sie eine Zauber werfen kann. Und einen Köder mit Stacheln haben wir auch. Dann wollen wir mal sehen, was dieses Monster ausrichtet. Ich habe auch schon eine Idee, wie wir es zur Strecke bringen können.


Es ist schon fast zu einfach und genau das macht mich stutzig. Wenn ich könnte, würde ich der Eisprinzessin noch ein Geschenk darbringen. Aber ich habe nichts angemessenes gefunden. Ganz davon abgesehen, dass die Zeit auch nicht reicht für ein Ritual. Also muss ich mich auf meine Fähigkeiten, die Rote Wut und meine Gefährten verlassen.