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Freitag, 29. Juli 2022

Mottes Tagebuch Auf Güldensterns Spur Teil 3

Tagebuch von Motte - Im Tempel der Skrang

Am frühen Nachmittag haben wir das Kloster erreicht. Die Ruine machte wohl einen anderen Eindruck, als bei der letzten Visitation vor zwei Wochen. Die Eingänge waren verbarrikadiert und von Pflanzen überwuchert. Hartmuth machte sich auf die Lage zu erkunden. Zuvor drückte er mir seine Armbrüste in die Hände und meinte, ich solle damit den Rückzug decken. Es war mir zweifelhaft, wie. Hätte ich damit auf Angreifer werfen sollen. Weiß ich doch gerade, wie eine Armbrust gehalten wird. Zippi und ich sollten mit den anderen warten. Aber, wie es wohl die Art des Gnomen ist, schlich er sich von dannen.

Es dauerte eine ganze Weile, so daß ich schon eine leichte Unruhe verspürte. Aber dann kam die Stimme von Harmuth, ich solle auch in den Innenhof kommen. Ich diskutierte mit den Goldgräbern, waren sie doch nicht erpicht darauf sich einer unbekannten Gefahr auszusetzen. Letztlich wollten sie am Waldrand warten und den Rückzug decken.

Als ich mich der Anlage näherte, wurde Tante Agathe unruhig. Sie wollte aus ihrem Versteck und auf meiner Schulter sitzen. Auch wenn die Verbindung noch nicht stark ist, ich spürte ihre Aufregung. Etwas beunruhigte sie. Im Innenhof angekommen musste ich meinen ganzen Mut und meine Willensstärke zusammen nehmen. Fand ich meine Gefährten im Gespräch mit mehreren Echsenmenschen. Offensichtlich entlaufene Sklaven. Sind sie mit dem Sklavenband schon ein angsteinflößender Anblick, waren diese schrecklich.

Wie ich bemerkte, waren zwei Wachen auf den Wällen, welche den Waldrand musterten. Drei andere waren offensichtlich von größerer Bedeutung. Zwei erschienen von ihrer Art her, wie Schamanen oder Priester. Eine Frau – die wohl eine Priesterin der Brutmutter ist und Mutter Bokwin geheißen wurde – sah einer Kröter ähnlicher als den Echsenmenschen, mit denen ich bisher in Kontakt kam. Ein älterer Mann, dem Anschein nach blind, wurde Naktok genannt. Er ist wohl der Droska-Priester. Der Echsenmensch, welchen ich zunächst für den Kriegshäuptling hielt, stellte sich als Gefährte von Hartmuth und Zippie heraus. Er war schaurig anzusehen, hatte so viele Speere dabei, daß ich mich dahinter verstecken hätte können. Um seinen Körper hatte er zudem eine Klingenkette geschlungen. Und wenn er sprach, entblößte er fingerlange Reißzähne.

Das Gespräch zwischen meinen Gefährten war schon weit fortgeschritten. Einen großen Teil erfuhr ich erst später. Trotzdem will es es der Reihe nach aufschreiben, so kann ich auch meine Gedanken besser ordnen. Auch Zippi war zu der Gruppe gestoßen und wurde von der Brutmutter, wie ein interessantes Schoßtierchen behandelt. Ich hoffte es zu diesem Zeitpunkt zumindest, daß sie ihn nicht als Nachmittagsmahl auserkoren hatte.

James – der Echsenmenschgefährte – war zu Verhandlungen hier im Kloster und hatte beim Bau der Barrikaden und der Fallen, in die wir geraten sind, geholfen. Dies beruhigt mich ein wenig, dann haben Untote und Fallen nicht die gleiche Ursache. Interessant ist die Pflanzenmagie, welche Mutter Bokwin offensichtlich zu wirken in der Lage ist. Aber Fragen müssen hier hinten an stehen. Und wenn ich ehrlich bin, war ich noch zu geschockt und verängstigt von den Echsenmenschen ohne Sklavenband, als daß ich hier hätte sinnvolle Fragen formulieren können. Zumal ich auch noch Tante Agathe beruhigen musste, die immer noch in Richtung des linkerhand gelegenen Gebäudeteils entweichen wollte.

Aber weiter in der Erzählung. Aurelia und Juri kamen wohl vor zwei Wochen am Kloster an und verschafften sich Zugang zu den Kellergewölben. James war gerade wohl wieder in Richtung Port Grimm aufgebrochen. In den Gewölben haben Aurelia und Juri wohl versucht Steine zu stehlen und damit den Schlaf des „Goldenen Wächters“ gestört. Dies führte wohl dazu, daß die Gewölbe teilweise zerstört wurden. Das befreite wohl die Festrog, die untoten Echsenmenschen zu denen die Toten der Skrang, welche Droska anbeten, werden.

Dies beides bestätigt meine Vermutung, daß hier eine magische Sicherung gestört wurde. Nun ist nur die Frage, wozu diente diese Sicherung? Die Untoten sind meiner ersten Hypothese nach deutlich jünger als die Sicherung. Sie wurden nur durch Zufall befreit. Aber trotzdem scheint unter dem Kloster eine größere Macht verborgen zu sein, die an Ort und Stelle gebannt wurde. Etwas, das wohl auch die Echsenmenschen zu beunruhigen scheint. Haben sie bereits an einer Lösung gearbeitet.

Unter Anleitung von Naktok sind sie dabei ein Goldenes Halsband zu schmieden, das den Goldenen Wächter beruhigen oder kontrollieren soll. Dazu nutzen sie „Weichhäute“ - also Menschen - welche zu Sklaven Droskas werden. Soweit ich es verstanden habe zumindest. Es scheint, sie werden nicht getötet, aber es steht ihnen, wie mir scheint, ein ähnlich schlimmes Schicksal bevor. Daher haben wir eingewilligt, die Lösung der Mutter Bokwin zu unterstützen. Ihr war in einer Vision offenbart worden, wo sich Eier der Donnerechsen finden würden. Mit deren Hilfe könnte ein Wächter geschaffen werden. Dies interessiert auch mich. Würde „nur“ das Ei ausgebrühtet und die Donnerechse gezähmt oder gäbe es ein magischers Ritual, mit dem eine Arte Riesenechsenmenshc geschaffen wird.

So oder so könnte sich die Möglichkeit ergeben, daß wir auch in die Kellergewölbe vordringen könnten. Es düngt mir, daß Aurelia und Juri dort verschüttet sind. Nach zwei Wochen sind die Chancen aber gering, daß sie noch leben. Doch nichts desto trotz wäre eine Erkundung der Gewölbe von Interesse. Wenn ich mit meiner Deduktion richtig liege, ist dort ein Hort magischen Wissens oder zumindest ein alter Zauber zu finden. Wobei ich nicht sicher bin, ob ich wirklich wissen möchte WARUM ein starker Schutzzauber in den Tiefen gewirkt wurde.

Meine Aufzeichnungen werde ich später fortsetzen. Denn jetzt brechen wir auf, um die Schlucht zu finden, wo das Gelege der Donnerechsen zu finden ist. In den Gefahren des Südmeers war nur wenig darüber zu lesen. Schnell, fressüchtig, aggressiv und riesig waren ihre Attribute. Auch James spricht nur ehrfürchtig von ihnen. Ich bin gespannt.


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Ich hoffe ich kann meine Schrift auch später noch lesen. Schnell werfe ich diese Zeilen auf das Papier, bevor wir uns auf den weiteren Weg zur Schlucht machen – doch das ist nicht der Grund. Wenn ich daran denke, war passiert ist, füllen sich meine Augen wieder mit Tränen von Wut und Scham, so daß ich Angst habe, sie verwischen die Tinte.

Nachdem wir uns einige Meilen vom Kloster entfernt hatten, schnappte sich James plötzlich Tante Agathe, welche die ganze Zeit unruhig auf meiner Schulter saß und sich kam beruhigen wollte, seit wir das Kloster verließen. Es sah aus, als ob er sie als Abendessen auserkoren hätte. Nur mit Mühe konnte ich mich nicht verleiten lassen so zu handeln, daß ich wieder einen Teil meiner Geheimnisse preis gegeben hätte. Genauso konnte ich nur mit Mühe den zweiten Drang unterdrücken meine Waffen zu zücken.

James behauptete das Tante Agathe eigentlich Baunz heißen würde und das Familiar von Juri wäre. Welche wie ich nebenbei erfuhr nicht nur eine Hexe ist, sondern aufgrund eines Vorfalls bei meinen Gefährten nicht gut gelitten ist. Er wollte mir nicht glauben, daß Tante Agathe mir zugelaufen ist, kurz bevor ich Akbash getroffen habe. Ich war außer mir vor Zorn, daß ich wieder wie ein kleines dummes Kind behandelt wurde. Da mir nichts anderes blieb, wollte ich ihn mit Worten verletzten. Doch während ich mir Beleidigungen zurechtlegt, stupste Zippi mich immer wieder an, so daß ich kichern musste. Auch überschlug sich meine Stimme. Ich musste wirklich den Eindruck eines kleinen, dummen und verärgerten Kindes gemacht haben, daß keine kandierten Nüsse bekommt und sich schreiend auf den Boden wirft. Eine solche Demütigung habe ich seit DAMALS nicht mehr erlebt. Ich wollte im Boden versinken, was die Situation nur noch schlimmer machte. Gerade konnte ich mich davon abhaltend heulend in den Wald zu rennen. Aber sicher haben alle bemerkt, daß mir einige heiße Tränen über die Wangen liefen.

Oh bei Io-Re und Besmera, wieder verschwimmt meine Sicht und ich muss schniefen. Denn zu allem Überfluß scheint mir, daß sie Recht haben könnten. Denn als James die Vermutung äußerte, daß Tante Agathe schon von Juri gebunden sei, da verhielt sie sich seltsam. Sie schien zu nicken und zeigte in Richtung des Klosters, als ob sie uns etwas zu Juri mitteilen wollte. Aber vielleicht hatte diese Konfrontation auch ein Gutes – wurde doch von Harmuth vermutet, ich könnte der Sohn von Juri sein. Auch wenn sie mit Juri Streit haben, immerhin eine bessere Geschichte, als die Wahrheit.

Nun ist aber Zeit die Tränen zu trocknen und nach vorne zu sehen. Es scheint nicht mehr weit bis zur besagten Schlucht. Wenn wir dort wirklich die Eier der Donnerechse stehlen wollen, kann ich nicht, wie ein kleines Kind flennend bei den ersten Problemen wegrennen. Ich bin Motte und ich werde zeigen, daß ich für die Gesellschaft von Nutzen bin. Schließlich kann ich nicht ewig wegrennen.


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Zu Anfang waren wir noch frohen Mutes. Der Abstieg ging leicht. Wir knüpften aus einigen Affenbäumen Netze für die Eier. Und hofften nebenbei, daß der Gestank der Schlingpflanzen den Geruch der Eier überdecken würde, um so die Echsen nicht auf unsere Spur zu locken. Der Gang tiefer in die Schlucht war zunächst auch problemlos. Nur die feuchte Hitze zehrte an uns. Doch dann geschah das erste Ungemach.

Wir kamen an eine Stelle, die von Feuerameisen besiedelt war. Wie wir erkennen konnten, hatten sie bereits ein Opfer gefordert, das vor uns auf dem Weg lag. Kaum, daß wir uns genähert haben, kamen sie auch schon hervor. Zwei große Schwärme griffen uns an. Während Harmuth versuchte eine Fackel zu entzünden, versuchte Zippi es mit seinem Feen-Zauber. James nutzte sein angeborne Stärke und zertrampelte die gut daumengroßen Ameisen mit seinen Füßen. Ich nutzte eine Lücke und eilte zu dem Toten, war mir doch aufgefallen, daß er im Tode noch etwas aus seiner Weste greifen wollte. Eine gute Entscheidung, fand ich dort mit einem schnellen Griff eine Flasche mit Alchemistenfeuer. Sofort schüttete ich es über den mir am nächsten Schwarm. Das gab ein heiteres Feuerchen. Die Ameisen ploppten in der Hitze, wie Maiskörner. Schnell war die Gefahr des Schwarms gebannt und ein durchaus Appetitanregender Geruch von geröstetem Fleisch lag in der Luft. Und dank der feuchten Umgebung konnte sich das Feuer auch nicht ausbreiten – sonst hätten wir in der engen Schlucht wohl doch in der Falle gesessen.

Wir wollten an dem Ort nicht verweilen. Aber eine kurze Visitation der Leiche wollte ich nicht auslassen. Konnte doch der Reisende noch weitere wertvolle Dinge bei sich haben. Und tatsächlich fanden sich viele nützlich Dinge, neben einem Heiltrank auch ein Unsichtbarkeitstrank und magische Öle sowie Waffen. Aber auch einen schockierende Botschaft war in seinem Gürtel versteckt. Ein Brief von Fünf Messer – die Rechte Hand von IHM, hier in der Gegend. Der Tote sollte auch Eier besorgen. Ich frage mich, was die Südmeer-Handelsgesellschaft damit will. Sicher nichts Gutes.


WAS WAR DAS?

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