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Samstag, 13. August 2022

Mottes Tagebuch Auf Güldensterns Spur Teil 4

 

Tagebuch von Motte - Im Tal der Donnerechsen

Endlich können wir rasten. Es war auch dringend notwendig. Zippi hat es doch schwerer erwischt und wir mussten erst gründlich seine Wunden versorgen. Es scheint ihm aber soweit wieder gut zu gehen. Ich hätte einen Heiltrank geopfert, auch wenn ich wieder Opfer seiner Feen-Zauber wurde. Aber dank der Kunst von Hartmuth und James war dies nicht notwendig. Ich habe immer noch nicht verstanden, wie er die Feen ruft. Aber sicher ist, er hat einen weiteren Zauber angewendet. Es macht mich neugierig, scheint seine Kraft doch aus einer anderen Quelle zu kommen, als gewöhnliche Zauberei oder die Kräfte der Priesterinnen und Druiden.

Diese Fragen müssen aber warten. Genauso, wie ich drauf warten muss, mich wieder Baden zu können. Zwar konnte ich Gesicht und Hände von Blut und Schmutz befreien, aber sicher sehe ich noch aus, wie durch einen Misthaufen voller Gedärme gezogen und werde wohl auch so riechen.

Aber es gibt einiges aufzuschreiben, haben wir doch den Auftrag der Echsenmenschen erledigen können und nicht nur das. Auch die Südmeer-Handelsgesellschaft musste Federn lassen. Ein wohlgelungener Tag, der mir ein zufriedenes Gefühl gibt, wenn ich mir die Ereignisse in Erinnerung rufe.

Zunächst haben wir die gefundenen Beutestücke aufgeteilt. Denn was soll ich mit Pfeil und Bogen und auch das Waffenöl ist wohl bei den Kämpfern besser aufgehoben, als bei mir. Nicht, dass mir wieder die Messer verlustig gehen oder mir die Axt aus den Händen rutschen würde, war mein Gedanke. Wir taten dies hastig, denn das laute Donnern, wollte uns doch von drohendem Unheil künden.

Als wir den Weg weiter folgten kamen wir nach kurzer Zeit zu dem Gelege der Donnerechsen. Dort konnten wir auch die Ursache des Donners erahnen. Die Südmeer-Handelsgesellschaft war uns zuvor gekommen. Mit Kanone und Musketen hatten sie eine Donnerechse erlegt und waren dabei das Gelege zu plündern. Es war klar, wir mussten uns ihnen stellen. Noch hatten sie uns nicht bemerkt. Das nutzten wir zu unserem Vorteil. Hartmuth und James machten ihre Waffen bereit. Und dann ging alles sehr schnell.

James stürzte vor und drang wie die Inkarnation eines Kriegsgottes auf die überraschten Söldner ein. Ein Wirbelwind aus Brüllen und Lanzen tötete er mit einem Schlag drei Sklavenjäger, ehe sie auch nur ihre Waffen ziehen konnten. Dann drang er auf die übrigen ein, die sich hinter dem Kadaver der Donnerechse in Sicherheit bringen wollten. Sie waren so in Panik, daß es einem nicht gelang, seine Muskete richtig zu laden. Sie explodierte ihm mitten im Gesicht, als er auf den rasenden Echsenmensch anlegte. Einen weiteren erledigte er mit seiner Lanze. Doch den Letzten biss er mit seinem gewaltigen Kiefer die Gurgel durch. Blutbefleckt stand er auf der Donnerechse und brüllte seine Triumph heraus. Ein gewaltiger Anblick, der mich kurz erschaudern ließ. Dieser rohen Kraft und Wildheit möchte ich nicht entgegentreten müssen. Ich war froh, daß er zu meiner Gefährtengruppe gehört. Und hoffe, daß sich dies nicht ändern wird.

Aber auch wir Restlichen waren nicht untätig. Hartmuth und ich erledigten einen Söldner mit Armbrust und Messer. Zippi verlor ich aus den Augen. Aber als auf einem nahen Hügel wie aus dem Nichts ein weiterer Echsenmensch erschien, der den Söldnern hinter der toten Donnerechse Verwünschungen entgegenrief, war dies wohl sein Werk. Einer der Sklavenjäger wandte sich auch prompt zur Flucht. Die Aussicht von zwei wilden Echsenmenschen bedrängt zu werden hätte wohl auch mich zur Flucht getrieben.

So blieb mir, als ich das Gelege erreichte kein weiterer Südmeer-Scherge, den ich hätte töten können. Ab so begann ich eines der Eier in unsere Tragen zu packen. Schnell kam auch Harmuth mir zu Hilfe. Er grummelte. Habe er doch James zugerufen, er solle einen Schurken gefangen nehmen. Aber auch ich bin mich sicher, daß er im Gegenteil geschrien hat: Lass nicht einen am Leben!

Mir jedenfalls war die Situation nicht ganz geheuer. Die Südmeer-Handelsgesellschaft schickt meist viele Leute los, nicht nur die wenigen, welche wir hier überrascht haben. Und auch die Überreste der Kanone deuten darauf hin, daß wohl noch einige in diesem Tal unterwegs seinen würden.. Wer weiß, welche Mißgeburt die Bande anführt. Sicher niemand, dem ich begegnen möchte. Ich drängte daher zur Eile

Und dies, wie sich zeigte auch nicht ohne Grund. Während James noch schwer atmend seinen Sieg genoß, war Zippi wieder zum Vorschein gekommen, nur um gleich darauf in das Maul der toten Donnerechse zu kriechen. Ich werde die Beweggründe des Gnoms wohl noch lange nicht verstehen. Vorausgesetzt er weiß überhaupt selbst, warum er manche Dinge tut, abseits der Lust an der Neugier. Während also Harmuth und ich Eier verpackten und die beiden anderen mit sich beschäftigt waren, bahnte sich das Unglück an.

Denn plötzlich setzte eine Stille ein. Darauf folgte ein lautes Brüllen und mit einem Mal kam Bewegung in das Tal vor uns. Vögel stiegen auf, Affen kreischten und einige Tiere jagten den Weg entlang. Dann begann die Erde zu zittern, erst sacht und kaum wahrnehmbar, dann deutlich in einem Rhythmus, bis sie fast bebte.

Wir begannen schnell die restlichen Eier an uns zu nehmen. Und nur einen Augenblick später, noch bevor wir uns zur Flucht wenden konnten, kamen sie schon angerannt. Ein knappes Dutzend weiterer Südmeer-Schergen, mit Panik im Blick. Denn ihnen folgte eine gewaltige Donnerechse auf dem Fuße. War das tote Tier schon beeindruckend, war dieses hier furchterregend, so daß auch wir uns in wilder Flucht Richtung unseres Einstiegs machten.

Zuvor aber wollte ich dafür sorgen, daß wir auch einen sicheren Vorsprung haben würden. Ich nahm eines meiner Alchimistenfeuer und schleuderte es der Bande von Halsabschneidern vor die Füße. Meine Hoffnung, daß es am Boden zerschellte wurden erfüllt und so fingen zwei von ihnen Feuer. Ob sie noch lange in Qualen um ihr jämmerliches Leben rangen, konnte ich aber leider nicht beobachten. Zusammen mit den Anderen nahm ich die Füße in die Hand.

Unsere Flucht entwickelte sich darauf zu einem Spießrutenlauf. Das Schicksal schien sich gegen uns verschworen zu haben. Südmeer-Handelsgesellschaft und Donnerechse im Nacken und ein Steinschlag vor uns. Selbst der kleine Bach war plötzlich voller Piranhas. Doch damit nicht genug. Einige der Schergen konnten aufholen und versuchten uns die Eier zu stehlen. Wir wehrten uns und wieder mussten einige ihre Unterstützung der Südmeer-Handelsgesellschaft mit dem Leben zahlen. Auch meine Axt fand ein Ziel, was mir eine grimmige Freude bereitete. Doch waren es James und Hartmuth, die den Schurken Mores gaben.

Ich bin immer noch nicht so gewandt, was das Bewegen in der Natur angeht. Zwar habe ich in den letzten Tage nochmals meinen Gürtel enger schnallen müssen und brauche ob der Muskeln an den Beinen wohl bald auch weitere Beinkleider, aber Hartmuth musste mir helfen, als es durch das dichte Unterholz ging. Doch nutzte es nur wenig. Immerhin, so scheint er mir, versucht mir das Gefühl zu geben, zur Gruppe zu gehören. Während ich es von James und Zippi nicht so sagen kann. Die Mimik des Echsenmenschen kann ich nicht deuten und Zippi scheint mit seinen Gedanken an anderen Orten zu verweilen, daß ich sie nicht nachvollziehen kann. Aber ich werde mir weiterhin Mühe geben, auch ihnen eine Hilfe zu sein.

An unserem Einstieg angekommen, erklommen James, ich und Hartmuth nacheinander die Felsen. Erst da fiel uns auf, dass Zippi fehlte. Von der erhöhten Position aus konnte Hartmuth Zippi sehen. Dieser hatte den Bach noch nicht überquert. Wie wir später erfuhren hatte die Donnerechse ihn niedergetrammpelt. Hätte er sich nicht instinktiv zusammengerollt, um zwischen die Zehen zu gelangen, er wäre wie ein lästiges Insekt zertrampelt worden.

Doch hatten wir auch noch mit den Sklavenbändlern zu schaffen. Ich konnte einen mit einem gezielten Wurf eines kindskopfgroßen Steins wieder in den Abgrund befördern. Der erschreckte Gesichtsausdruck wird mir noch länger im Gedächtnis bleiben. Auch jetzt huscht ein Lächeln über mein Gesicht, wenn ich daran denke, wie der Stein ihm den Schädel spaltet und er mit einem Schrei in die Tiefe saust. James dagegen lies den zweiten Schurken bis auf das Plateu kommen. Nur um ihm das Ei, welches dieser bei sich führte, zu entreißen. Danach folgte er seinem Kameraden, als James ihm einen Stoß gab.

Hartmuth hat dies sicherlich nicht gefallen, doch war es zu sehr damit beschäftigt die Donnerechse von Zippi abzulenken. Denn mittlerweile hatte auch er es zur Klippe geschafft. Nicht zu Letzt durch seine Zauberkraft gelang es ihm, gerade noch der Bestie zu entkommen. Das war ein Schauspiel. Von den Feen getragen flog es an der Donnerechse vorbei. Gerade so konnte er ihrem Biss entgehen und das Seil packen, welches wir heruntergelassen hatten. Dank unserer gemeinsamer Hilfe gelang es uns, den stark lädierten Gnom zu uns zu hieven.Mit James zog ich dann so schnell es ging Zippi zu uns in die Höhe, daß er fast in ein Sprung über die Kante kam. Wir hatten es geschafft.

Ich bin jetzt voller Erwartung, was uns bei der Rückkehr zum alten Kloster erwartet. Ich hoffe die Echsenmenschen lassen uns als Dank für die fünf Eier die Kellergewölbe betreten. Welche arkanen Geheimnisse dort wohl auf uns warten? Und werde ich Recht behalten, damit daß Aurelia und Juri noch leben könnten? Zuvorderst muss ich aber schauen, ob ich noch von meiner Tinktur habe. Gerade fühle ich wieder das leichte Ziehen in meinen Eingeweiden. In den letzten Tage habe ich vollkommen vergessen auf den Mond zu achten. Ich hoffe ich habe noch genug von dem Tonikum, sonst könnte es eine böse Überraschung geben.

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