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Montag, 22. Januar 2024

Mottes Tagebuch - Großer Trubel in Okeno Teil 3

 Auf der Suche nach Information

 

Gleich werde ich mit der Entschlüsselung der Papiere des Grauen Konzils von Okeno beginnen. Aber vorher will ich noch festhalten, wie wir in deren Besitz gekommen sind. Ein wahrlich spannde Geschichte. Vor allem da es viele Papiere sind und ich so nichts wichtiges vergessen werde. Wer weiß welche Geheimnisse sich hier verbergen. Gut nur, dass ich noch etwas von dem Mittel, das James aus den Kakteen gewonnen hat gefunden habe. Es wird mir helfen notfalls die ganze Nacht zu arbeiten. Aber vor allem ist mein Verstand jetzt scharf, wie ein Messer. Es wird ein leichtes sein, die Verschlüsselung zu knacken. Wer sollte dazu auch besser geeignet sein, als ich?


Aber halt – zuvorderst die Ereignisse niedergeschrieben. Zunächst hatte wir besprochen, wie wir weiter vorgehen wollen. Was sollten wir priorisieren? Ich war dafür uns auf IHN zu fokussieren. Oder auf die Sabotage der Gelben Flotte, wenn wir es dann der Hanse in die Schuhe schieben könnten. Aber – und das kann ich einsehen – Rache kann warten. Ist die Vorfreude nicht die Beste Freude? Denn mit den Informationen der Grauen könnten wir vielleicht auch etwas finden, das uns hilft die Sabotage der Gelben Flotte zu arrangieren. Leider brachte das uns auf eine unfruchtbare Diskussion, wie wir die Sabotage durchführen könnten. Von unserem neuen Mitglied Korva kam der berechtigte Einwand, dass wir nicht zu auffällig sein sollten. Sonst kämen wir nicht Lebend aus Okeno heraus. Wir müssen Bedenken, wer die wichtigsten Feinde sind. Daher wollten wir uns erst mal auf die Beschaffung der Informationen konzentrieren. Jetzt wo ich es schreibe, merke ich, dass Korva einen seltsamen Unterton hatte. So als würde sie uns nicht zutrauen, unauffällig zu sein. Nun wir werden sie eines bessern lehren.


Wir begaben uns also in den Gelben Hafen, um den besagten Ort zu finden. Es war fast seltsam, fanden wir uns am Markt dort doch in einer fast normalen Situation wieder. Es hätte auch ein Markttag in Port Grimm sein können. Schnell war der Ort gefunden – keine Lagerhalle, wie vermutet, sondern ein Stand, der billigste Öllampen feil bot. Ich nährte mich in der Rolle als Händler. Dank meiner Brillianz, fand ich schnell die richtigen Worte, so dass ich eine der „besonderen“ Öllampen erstehen konnte. Aber wir wollten ihre Geheimnisse nicht vor Ort ergründen. Es wäre zu auffällig gewesen. Die Leute beäugten uns schon misstrauisch und eine auffällige Zahl an Gossenzwergen lungerte auf dem Markt herum.


Noch immer ist uns nicht klar, sind die Gossenzwerge der Feind unseres Feinds? Sie spielen ein eigenes Spiel. Und Brettschneider mit ihnen, wie wir in Port Grimm erfahren konnten. Und meine ehemaligen Bundesgeschwister? Ist das Graue Konzil auf unserer Seite und wird nur durch IHN mißbraucht. Ich hätte damals nicht gedacht, dass die Hanse so niederträchtig ist, aber ER hat mir mit seinem Verhalten die Augen geöffnet. Sicher ist ER der schlimmste, denn es ist nicht unmöglich. Kann es sein, dass ER mit dem Chaos paktiert? und der Tod mag noch zu gnädig für all seine Untaten sein. Ihm ein Messer in seinen feisten Wanst zu stechen und seine Eingeweide vor ihm auszubreiten. Sein Herz herauszureißen. Der Gedanke lässt mich wohlig erschaudern. Ich hoffe, dass er so lange lebt, um mitzubekommen, wie ich sein Herz an die Haie verfüttere. Letztlich aber werde ich seinen Kopf an die Eisprinzessin übergeben.


Aber zurück zu unserer Exkursion auf den Markt. Denn Juri konnte es sich nicht nehmen lassen, mit den Gossenzwergen zu fraternisieren. Wirklich Überraschendes konnte sie jedoch nicht erfahren. Zumindest scheinen sie nicht auf Seiten der Hanse zu stehen, die seit einer Woche hier ihre Segel zeigt. Zum Dank aber ließen die Gossenzwerge einen dreckigen Abdruck auf Juris Mantel. Korva, ich und auch die anderen sahen darin ein Zeichen, uns leichter wieder zu finden. Daher wollten wir nicht, dass sie mit diesem Zeichen herumlief. Dies sah Juri zu meinem Erstaunen sofort ein. Also packte sie den Mantel in ihren Rucksack, bevor wir zum Schiff liefen. Eine gute Entscheidung, denn überall waren Gossenzwerge. Sicher nicht nur, um uns zu beobachten, aber auch. Ich hoffe nur, dass sie keine Verbindung zum Kriecher im Unrat haben. Eingedenk meines letzten Traums will ich vorsichtig sein. Der Abgrund lauert und ich mag nicht hineingezogen werden. Nicht, wo ich so nah am meiner Rache und vor einer neuen Zukunft stehe.


Als wir endlich wieder auf dem Schiff ankamen, konnte die Lampe untersucht werden. Auch wenn ich nicht wirklich erwartet habe, enthielt sie doch zu unser aller Bedauern keinen Dschinn, der nur darauf wartete unsere Wünsche zu erfüllen. Dabei hätten wir genug Wünsche gehabt: Die Gelbe Flotte versenken, die Hanse vernichten und für mich SEIN Kopf auf einem Silbertablett. Leider war es war nur eine Murmel. Da ich zu diesem Zeitpunkt nicht den Rest des formidablen Krauts von James entdeckt hatte, waren meine Gedanken noch langsam. Sicher schneller als die der Meisten, aber zu langsam, so dass es länger dauerte, bis wir gemeinsam das Geheimnis ergründen konnten. Es war eine Träne von Myst, ein magisches Artefakt. Es dauerte dann aber wieder bis sich heraustellte, wie sie zu verwenden ist. Letztlich war es der Zufall, der uns erkennen lies, dass sie zusammen mit dem Amulett des Grauen Magisters sich zu einem Kompass verband. So zeigte uns nun Ulgurs Wind der Schatten den Weg zum nächsten Ort.


Wir wechselnden wieder unsere Verkleidung hin zu unaufälligerer Kleidung. Bei der Suche nach dem Versteck der Grauen wollten wir so wenig Aufsehen, wie möglich erregen. Doch leider war es weniger einfach unauffällig zu sein UND dabei die Richtung zu finden. Und wie so oft machte mich Juri mit ihren Ratschlägen wahnsinnig. So dass wir in einer Sackgasse landeten. Aber bevor ich Juri zurechtweisen konnte, meine Konzentration nicht zu stören. Griff Hartmuut ein, nahm sich den Kompass und führte uns sicher und ohne Umwege zum Versteck.


Ein verlassener Laden mit einer eisenbeschlagenen und einem großen Vorhängeschloss gesicherten Tür im Keller. Beim Öffnen ließ Korva mir großzügig den Vortritt. Nicht dass ich mich vorgedrängt hätte, aber sie meinte, falls es eine magische Sicherung gäbe, wäre ich sicher kompetenter. Wahre Worte, doch wo ich jetzt diese Zeilen niederschreibe wird mir gewahr: so würde ich auch als erster Opfer von Fallen werden. Wo ich jetzt darüber nachdenke, sehr perfide. Es wird immer deutlicher, warum Aurelia sie zu uns geschickt hat.


Bei der Untersuchung wurde mir schnell klar, dass etwas mit dem Schloss nicht stimmen konnte. Ich hatte ein ungutes Gefühl, aber erst der Hinweis von James, auf die seltsamen Verzerrungen ließ mich die Illusion endgültig durchschauen. Kaum war dies klar hatte Juri, die sich vorher vornehm zurückhielt, wieder einige gute Ratschläge, wie die Illusion umgangen werden könnte. Und so lag es sicher auch an ihr, dass ich abgelenkt war und den Giftdorn übersah, der sich prompt in meine Hand bohrte. Doch nichts desto trotz - meine Sinne waren aufs Äußerste geschärft und so konnte ich meine Hand schnell genug zurückziehen, so dass ich nur wenig Gift abbekam.


Mittlerweile ist das taube Gefühl auch aus meiner Hand verschwunden, nur die Fingerspitzen kribbeln noch unangenehm. Aber für mich stellt sich dies nicht als Problem dar. Bin ich doch mittlerweile schlimmere Unannehmlichkeiten gewohnt.


Doch konnte ich auf die Vergiftung keine Rücksicht nehmen. Es gab eine weitere Sicherung: Eine alchemistische Feuerfalle. Jetzt war schnelles handeln gefragt. Und es zeigte sich – wenn es notwendig ist, kann diese Gruppe schnell und gezielt handeln. Wir gaben unser Bestes. Juri war geistesgegenwärtig und nutze ihre Elementarkräfte, um die Blätter mit Feuchtigkeit zu schützen. James hielt geistesgegenwärtig die Tür auf, während ich mittels meiner Zauberhand die Blätter aus dem Tresor riß und Hartmuut jeden Brandherd schnell mit seinen Händen erstickte. Nur Korva beteiligte sich nicht. Aber es hätte für sie auch keinen Platz zum Handeln gegeben, denn wir standen ihr im Weg. Doch konnte ich sehen, dass sie die Augen rollte und sicher verbarg sie ein Grinsen hinter ihrem Fächer. Ich kann es ihr jetzt, wo ich es niederschreibe nur wenig verübeln, musste unser hektischen Handel doch wie das von Dilettanten wirken. Sei's drum, wir hatten die Papiere. Jetzt mussten sie aufgewertet werden. Also machten wir usn – so unauffällig, wie es uns nun einmal möglich ist – auf den Weg zurück.


Wieder auf dem Schiff zeigte sich, dass die Papiere verschlüsselt waren. Ich war sofort begeistert. Wie nicht anders zu erwarten, wurde die allgemeine Standardverschlüsselung benutzt: eine magische Sicherung der es unmöglich machen sollte den mit einem Code verschlüsselten Text in alter Sprache lesen zu können. Eine Übung genau nach meinem Geschmack. Beinahe schon zu einfach. Leider konnte sich Juri nicht dafür begeistern, dabei hätte ich zu Abwechslung ihre magische Hilfe gut gebrauchen können.


Sei's drum, so ist das mit den Hexen. Es sollte mich nicht wundern. Aber Dank des Krauts und meines persönlichen Rumvorrats – den ich noch schnell aufgestockt habe – werde ich zur Not die ganze Nacht durcharbeiten. Das wird herrlich! Magie, Wissen und ein Rätsel, alles was ich Liebe. Wofür ich an der Akademie geschwärmt habe. Für das ich die letzten 10 Jahre meines Lebens geopfert habe. Meine Hand zittert ein wenig vor Aufregung.


- -


Wieder ein Albtraum – Ich muss es schnell aufschreiben – war der letzte Traum bizarr, ist dieserr überaus seltsam. Ich war gefangen. In einem Eingeborenendorf irgendwo im Süden der Umgebung und Pflanzen nach zu urteilen. Meine Hände waren auf den Rücken gebunden – es sollte ein Tribunal geben – mein Tribunal. Eine Schwarze Frau spricht: Du bist Liebling, der Hanse! Du bist Liebling, des Kriechers! Du bist Liebling, der Gesellschaft! Du bist Liebling, der Anderswelt! All das wurde gewogen und für zu leicht gefunden. Du willst unserer Ahnen entehren. Dir ist es egal, wenn unsere Geschichte vernichtet wird. Du denkst nur an dich selbst. Das ist dein Tod.


Ich habe keine Ahnung, was sie damit meint. Aber es rührt etwas in mir.


Dann bin ich auch schon gebunden. Gespannt zwischen zwei Säulen, Arme und Beine gespreizt. Die Frau tritt wieder vor, ein Dolch in ihrer Hand. Sie schlitzt meinen Bauch auf. Reißt mir die Geärme heraus. Dann stößt sie den Dolch in die Brust und schneidet mein Herz herraus. Sie hält es vor meine Augen – es geht in Flammen auf. Dann erst kommt die Dunkelheit und meine Leiden enden.


Doch der Albtraum ist noch nicht vorbei. Ich schwebe im Dunklen, es ist kalt. Dann erscheint die Eisprinzessin. Ihre Stimme ist eisiger als ich mich erinnere: „Du hast mich enttäuscht, Eirlys. Weder hast du deine Rache vollendet noch dich deinen Gefährten offenbart. Daher werde ich dich nicht in Schar meiner Wendigo aufnehmen. Dir soll das Los der Verräter zu Teil sein. Deine Seele wird zerschmettert.“ Die Enttäuschung trifft mich in meinem Innersten, ich falle und schiere Verzweiflung greift mein Herz. Unter mit dreht sich das Rad des Schicksals. Als Ich auf das Rad pralle wache ich auf.


Ich habe keine Ahnung, was mir dieser Traum sagen will. Aber ich bin wiedereinmal schweißnass, als ob mir ein Eimer Wasser über geschüttet worden wäre. Langsam gehen mir die Hemden aus.


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Zumindest bin ich gerade noch rechtzeitig vor der Rückkehr der Anderen erwacht. So konnte ich nicht nur noch schnell ein trockenes Hemd anziehen. Auch konnte ich meine Notizen ordnen und so den Anderen meine Ergebnisse präsentieren. Aber zuvor bin ich begierig die Geschichte der anderen zu hören. Und ich will sie auch schnell niederschreiben bevor wir anhand meiner Erkenntnisse überlegen, was zu tun ist.


Die anderen sind nicht sofort zum Haus Korta Hagen. Erst wurde eine kleine Verschnaufpause eingelegt. Diese nutzte Juri, um sich zum Stand der Hanse in der Stadt umzuhören. Wie es schien ist die Hanse unter Vielen in Okeno wohlgelitten, so wohl, dass sie sich wünschten Okeno würde ein Außenposten des Imperiums. Juri reizt der Umstand, dass sich ein Piratenhafen einfach der Hanse ergeben will, dass sie eine flammende Rede gegen die Hanse hält. Unter den Zuhörenden stimmen ihr Schmuggler und Piraten zu, während Andere sie ausbuhen. Heftige Diskussionen und Handgreiflichkeiten entbrennen. Die Menge ist aufgepeitscht.


Händel scheinen sich über die Stadt auszubreiten. Was dazu führt, dass auf dem weiteren Weg zum Haus Karta Hagen immer wieder Scharmützeln ausgewichen werden muss. Juri wird sogar von Hanseschlägern angegriffen. Es gelingt zwar, sie zu vertreiben, aber es zeigt auch, die Situation ist gefährlich geworden.


In der Niederlassung angekommen, übernimmt dann Korva die Führung. Sie überzeugt Novaria Karta Hagen, sie sei eine Abgesandte von Port Grimm, welche Verträge mit Karta Hagen verhandeln will. Für die Einrichtung von sicheren Wegen in oder aus der Stadt wird dem Haus ein guter Handelsvertrag angeboten. Dies seit notwendig, weil das Imperium in Gestalt der Hanse immer mehr die Macht übernehmen wollen. Die aktuellen Ereignisse - welche wir ja zum Teil angezettelt haben – zeige das nur zu deutlich. Dies würde sicher dann auch bald für den Handel von Haus Karta Hagen problematisch werden. Da wäre Port Grimm ein guter und sicherer Hafen.


Die Verantwortliche zeigt sich schon fest überzeugt. Sie sieht die Möglichkeit, hat aber eine Bedingung, weil sie von den Motiven der Gesellschaft nicht wirklich überzeugt ist. Denn es gibt Vorbehalte gegen die Gesellschaft. Daher soll ein Vertrauensbeweis her. Es gibt in der Stadt wohl eine Räuberin Umgala, welche immer wieder Artefakte von Haus Karta Hagen raubt. Es wäre im Interesse des Hauses, dass sie unschädlich gemacht wird. Am nächsten Morgen wäre ein Transport geplant. Hier könnten wir Eindruck machen und die Worte untermauert werden.


Alles könnte so schön einfach sein, aber Juri zeigte plötzlich ihre romantische Seite. Denn Umgala soll eine Freiheitskämpferin sein. Die Gerüchte, welche Korva und Juri eingeholt haben besagen. Sie würde nur Artefakte rauben, welche zuvor ihrem Volk gestohlen wurden. Offensichtlich aber verkauft die Organisation von Umgala die Artefakte dann den Völkern von denen sie stammen sollen wieder zurück.


Leider ist nicht klar, ob sie nicht sogar zuvor die Artefakte selbst an Karta Hagen über Mittelsleute selbst verkauft haben. Ein klassischer Kreislaufhandel in dem die Ware unendlich verkauft wird, ohne je gebraucht zu werden, wie Frederikus Celstialius sagen würde. Eines der wenigen merkantilistischen Gesetze, die ich tatsächlich behalten habe.


Und nicht zuletzt wissen wir nur wenig über die Völker von denen die Artefakte stammen. Sie können von den friedlichen Fischerkulturen ebenso stammen, wie von den chaosanbetenden Stämmen. Beides ist im Südmeer vertreten.


Ich wurde mich nur, dass kaum ruft jemand Freiheit und Juri ist Feuer und Flamme. Ich glaube nicht, dass es sie als Piratin sonst stört, ob sie die Hanse-Schiffe oder Kauffahrer aufbringt. Ob sie der Südmeer-Gesellschaft einen Schlag versetzt oder die Familien von kleinen Kaufleuten ins Elend stürzt. Sei's drum. Ich habe aufgegeben hier einen Sinn zu sehen, solange ihre Launenhaftigkeit nicht vom Chaos herrührt, soll es mir Recht sein. Ich hoffe nur mein Traum hat nicht zu sehr mit dieser Umgala zu tun.

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