Wir sind wieder im Dorf der Skrang. Was war das für ein Empfang! Ich habe das Gefühl nie wieder etwas Essen zu müssen. Mein Kopf ist ganz leicht. Obwohl es keinen Wein gab, fühle ich mich berauscht. Aber ich schweife schon wieder ab. Ich will von dem Rest unserer Aventurie berichten.
Wir erkundeten also den Gang, der uns mutmaßlich in Richtung der Ankheg bringen würde. Wir kamen an einen Durchgang, der uns zur Höhle führte, wo die Ankheg auf ihre Beute warteten. Bevor wir aber die Bedrohung für die Skrang beseitigen, wollten wir uns beraten. Darauf bestand Hartmuut. Juri wäre sicher Stolz auf uns. Denn wir machten nicht nur einen Plan, wir hielten uns auch daran!
Nun gut der Plan war auch äußerst simpel. Ich nahm einen Stein und warf ihn in den ersten Trichter. Damit wollten wir einen Ankheg hervorholen, den Hartmuut dann mit seinen neu entdeckten Kräften beeinflussen sollte. Das klappte wundervoll. Der Ankheg kam nicht nur hervor, er schleuderte auch den Stein in einen anderen Trichter, so dass gleich zwei Ankheg aus ihrem Versteck kamen.
Nun kein Plan überlebt den ersten Augenblick der Schlacht. Kazuug und James schafften es nicht, den heranstürmenden Ankheg im Fernkampf zu besiegen. Also nahm James seine Glefe und stellte sich dem Monster entgegen. Selbstverständlich nahm ich an seiner Seite Aufstellung. Schließlich dürstete meine Axt nach, was auch immer diese Viecher in ihren Adern haben.
Der Kampf der folgte, war kurz. James erledigte den ersten. Hartmuut ließ den von ihm kontrollierten Ankkheg einen anderen erledigen und erschoß einen weiteren. Nur Kazuug und ich taten nichts bei. Kazuug, weil sein Bogen nicht den Panzer durchdringen konnte. Ich dagegen wollte meine Axt nicht werfen, da ich dann ohne Waffe dagestanden hätte. So wurden alle Monster erledigt, bevor sie in Reichweite von Hansablitz waren.
Ich hätte den letzten Ankheg erledigen können, aber da er immer noch unter dem Einfluss von Hartmuut stand, wäre es eher die Arbeit eines Schlachters. Das war einer Barbarin nicht würdig, so verzichtete ich dankend. Dafür nutzte ich aber die Gelegenheit Hartmuut über die Schulter zu sehen, wie er die Säure eines erschlagenen Ankheg erntete. Wer weiß, wozu ich das Wissen dereinst gebrauchten kann.
Nun gab es die Frage – war damit unsere Auftrag erledigt. Hatten wir den Komplex gesichert? Wir wußten immer noch nicht, ob etwas im Bassin des Zentralraums lauerte. Sicher war, die Gänge nach dem Raum hin, waren nicht von den Ankheg gegraben worden. Also musste wieder ein Plan her!
Zunächst erkundeten wir wieder das Gelände. Die zähe Flüßigkeit, die Farbe und auch wozu die Runenmeister das Gebäude genutzt hatten, ließ James daran denken, dass dies ein Brutteich sein könnte. Der Legende nach hatten die Ahnen der Skrang diese Teiche genutzt, um bei Bedarf Armeen von Kriegern entstehen zu lassen. Daher war dies genau das, was wir suchten. Daher konnten wir das grüne, gallertige Wasser nicht einfach ablassen. Es war zu wertvoll für die Echsenmenschen.
Aber offensichtlich war es auch hochmutagen. Besser wir kamen ungeschützt nicht lange damit in Berührung. Trübe war es natürlich auch, so dass wir nicht einmal eine Fingerlänge weit in die Tiefe sehen konnten. Also mussten wir das Wesen wiedereinmal hervorlocken. Denn während wir den Teich beobachteten, konnten wir sehen, etwas großes bewegt sich in der Tiefe.
Wir wählten die einfachste Methode. Je einfacher ein Plan ist, desto weniger kann schief gehen. Wir warfen einen der Ankheg-Kadaver in die Brühe. Das sollte den Bewohner des Teichs hervorlocken. Natürlich verteilten wir uns entsprechend unserer kämpferischen Fähigkeiten, auf dass wir schnell und effektiv handeln konnten.
Tatsächlich lockten wir das Wesen hervor. Ein gigantischer Ankheg, mutiert mit mehreren Greiforganen und Mündern schnappte nach dem Kadaver. Als er uns gewahr wurde, richtete er sich auf, sicher drei Meter, um sich nun am Lebenden zu laben.
Wie abgesprochen schießt Kazuug sofort einen Pfeil ab, doch dieser prallt harmlos am Panzer der Bestie ab. Ich nutze meine Chance, als das Vieh sich in seine Richtung dreht. Schnell sprinte ich los und versenke meine Axt in eine weiche Verbindung von Klauen und Rumpf. Auch James springt vor. Er stößt und hackt mit seiner Waffe, so dass er tiefe Wunden schlägt. Rasend vor Schmerz schlägt das mutierte Monster dann um sich. Während James geschickt ausweichen kann, gelingt es mir nicht den säbelartigen Klauen auszuweichen. Ein tiefe Wunde am Arm lässt mich zurückweichen. Zum Glück. Denn hätte ich nicht meinen Arm gehoben und wäre erschrocken zurückgewichen, sicher wäre mein Kopf von den Schultern getrennt worden. Nun aber ist Hartmuut bei uns. Mit dem Adamant-Hammer werden Chitin-Panzer zerschlagen. Diese Lücken nutzt James und macht dann dem Vieh ein Ende.
Während James und Kazuug die Überreste des Monsters aus dem Teich bergen, verbindet Hartmuut meine Wunden. Ich muss meine ganze Kraft zusammen nehmen, um nicht los zu heulen. Denn nicht nur hat das Monster mir eine klaffende Wunde geschlagen. Damit in keinen Wundbrand bekommen schüttet Hartmuut mir etwas von seinem Tee-Spezial-Gewürz über die Wunde. Sicher hätte es auch gereicht die Wunde auszubrennen, der Schmerz wäre vermutlich der Gleiche. Leider hatte ich nicht schnell genug reagiert. Denn einen Heiltrank hatte ich noch in meinen Sachen. Sei’s drum. So gibt es hoffentlich eine dekorative Narbe.
Aber nun will ich schließen. Das Dorf erwacht mit Leben. Wir packen alles Wichtige zusammen, denn es geht jetzt zum neuen Heiligtum. Mutter Bogwin wird das Ritual vollführen und den Stamm in die Traumwelt führen, damit sie um Geschenke der Großen Brutmutter bitten können. Als Helden des Stammes sollen wir die Ehre haben daran teilnehmen zu können. Ein Chance Wissen jenseits aller Bücher zu erlangen. Ich habe bereits etwas neue Tinte hergestellt. Denn sicher habe ich viel zu dokumentieren. Ich bin so aufgeregt!
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Wieder bin ich in Eile, will ich doch schnell ein paar Zeilen auf das Papier werfen, bevor wir mit dem Ritual beginnen. Nachdem Naktok und Mutter Bogwin ein kurzes Ritual oder Dankesgebet durchgeführt hatten, setzte sich der ganze Stamm in Richtung der Ruinen in Bewegung. Mit großem Tamtam, seltsam melodischer Musik, schritten wir durch den Dschungel. Es war eine eigenartige Stimmung, die mich ergriffen hatte, als wir dann die Treppe in die Laboratorien herunterstiegen. Die Ahnung Teil eines großen Ereignis zu sein. Im Hintergrund, tief in meinen Eingeweiden, nagte aber auch die Angst vor dem Unbekannten.
Da wir keine Aufgabe hatten, beobachte ich genau, wie der Brutraum mit dem Teich für das Ritual vorbereitet wurde. Die Kampfspuren wurden beseitigt, Blumen und andere wohlduftende Pflanzen wurden in Mustern drapiert. Mit Farbe wurden Runen an Boden und Wände geschrieben. Diese habe ich so gut es ging kopiert. Später werde ich versuchen sie zu entschlüsseln.
Bevor dann das eigentlich Ritual starten sollte, wurde aber James nochmal als Held des Stammes geehrt. Er bekam einen Titel, der ihn sichtlich verlegen machte, den ich aber nicht verstand. Ich interpretiere mal, dass er jetzt so etwas wie ein Häuptling ist. Auf jeden Fall wurde er mit Blumen behängt und seine Haut mit farbigen Symbolen bemalt. Schließlich würde ihm jetzt zukommen den Stamm durch die Traumwelt zu leiten. Ich habe bemerkt, wie sich das warme Gefühl von Stolz in meiner Brust breit machte, dass ich so einen berühmten Lehrmeister habe.
Darauf wurden auch Hartmuut und ich gefragt, ob wir den Stamm zur Brutmutter begleiten wollten. Schließlich sind wir durch unsere Taten jetzt auch Kinder des Stammes. Natürlich war es für mich keine Frage. Die Möglichkeit die Traumwelt als Kollektiv zu bereisen und die Träume der Skrang zu sehen? Dafür würde ich meinen rechten Arm geben, nun gut den Linken, damit ich noch leserlich schreiben kann.
Hartmuut wollte auf keine Fall die Traumwelt betreten. Die reale Welt fand er beängstigend genug. Auch versuchte er es mit auszureden. Er hatte sichtlich Angst um „seinen Jungen“. Aber ich konnte ihm klar machen, dass dies ein Herzenswunsch von mir ist: Wissen zu erlangen, die Möglichkeit Teil eines Lieds zu werden, eine eigene Geschichte schreiben. Schließlich akzeptierte er meine Entscheidung. Auch Naktok fand es gut, dass Hartmuut wachen würde. Schließlich gibt es immer noch die Phasenspinnen.
So machte auch ich mich bereit dem Stamm in die Traumwelt zu folgen. Mein Körper wurde ebenfalls mit Symbolen bemalt. Zum Glück mußte ich mich dazu nicht ganz ausziehen. Ich wurde so schon angestarrt. Denn es war für die meisten Skrang seltsam genug, dass ich an dem Ritual teilnehme. Da hätte ich mich doch etwas geniert. Es war schon seltsam genug, dass das Lehrmädchen von Mutter Bodwin von meinen Brüsten fasziniert zu sein schien. Ihr war nicht klar, warum Weichhäuter Polster an der Brust brauchten. Sei’s drum. Vielleicht gebe ich ihr später noch eine Vorlesung zur menschlichen Anatomie. Die Theorie habe ich ja gelernt.
Nun geht es los. Mutter Bogwin ruft. Hartmuut macht sich bereit – sicher will er mich auch nochmals ermahnen vorsichtig zu sein und keine seltsamen Wünsche, wie einen dritten Arm oder zweiten Kopf, an die Brutmutter zu richten. Sei’s drum. Ich fühle die seltsame Erregung, wie ich sie immer vor dem Griff nach den Winden der Magie verspüre. Die pure Vorfreude auf die Energie, die mich durchfließen wird. Ich werde Teil von etwas Großem sein!
Sonntag, 11. Mai 2025
Mottes Tagebuch - In the temple of... Teil 3.1
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