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Montag, 17. März 2025

Motte Tagebuch - Geh nicht zum Grinderlach Teil 3.1

Wir haben es tatsächlich geschafft das Monster zu besiegen. Ich hätte es ob der vielen Unglücke und Widrigkeiten die wir erfahren haben nicht auf uns gewettet. Aber tatsächlich sitze ich jetzt auf einem Felsen, der das Schlachtfeld überblickt. Juri ist bereits mit den Dörflern aufgebrochen. Erst die Kinder holen. Sie will sie alle nach Isandras Wacht bringen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das eine gute Idee ist, habe ich doch meine Zweifel, ob sie so unschuldig sind, wie sie scheinen. Schließlich deuten viele Zeichen darauf hin, dass sie der Quell des Übel sein könnten. Denn immer noch ist die Frage nicht geklärt, wie der Grinderlach in unsere Welt gekommen ist. Die Erzählung der Wahnsinnigen aus dem Tempel deutet in diese Richtung. Vielleicht war ihre Idee, die Kinder als Köder zu nutzen, doch nicht so abwegig.

Aber ich wollte Juri nicht damit belasten, scheint die Gute doch gerade schon eine schwierige Zeit zu haben. Sie hat da so Andeutungen gemacht. Wenn wir wieder in Port Grimm sind, würde sie etwas wichtiges mit mir zu klären haben. Ich hoffe das wird nicht wieder eine ihrer Moral-Predigten über Meer, Gezeiten, Schiffe und den Kram, der mich nur langweilt, weil sie nicht auf den Punkt kommt, ist. Sei’s drum! Erstmal werden wir unsere Reise zum Steinernen Wächter fortsetzen. Vorher will ich aber noch von unserer Aventurie berichten, wie wir den Grinderlach überwinden konnten.

Nach unserer Niederlage beim Steinkreis kehrten wir zunächst nach Totholz zurück. Dort versorgten wir nicht nur unsere Wunden. Auch unsere Planung, die wir bereits auf dem Rückweg diskutierten, wurden ausgefeilt. Der Wahnsinn der Dorfbewohner, so wurde uns klar, hatte Methode. Alles was sie taten stand in Zusammenhang mit dem Kampf gegen den Grinderlach. Aber es war halt dilettantisch ausgeführt. Eine führende Hand fehlte. Zu schade, dass wir Sir Eisenhardt nicht bei uns haben. Etwas imperiale Kriegsplanung war genau, das was uns gefehlt hat. So entwickelten wir den Plan das Monster in einen Hohlweg zu locken, um es dort von allen Seiten angreifen zu können. Hartmuut kannte die Schlucht des Toten Titans, wo ein solches Unterfangen möglich wäre. Gesagt getan – wir musste nur noch Ausrüstung zusammenstellen und zu der Schlucht gelangen.

Um das Monster anzulocken, würden wir die Dorfbewohner in Schlaf versetzen, damit sie mit ihren Träumen den Grinderlach locken. Dazu mussten sie aber in Schlaf versetzt werden. Außerdem wäre es hilfreich wenn ein großer Geist sie begleiten würde, um sie tief in die Albtraumwelt zu führe. Denn so vermuteten wir richtig, das würde das Vieh anlocken. Natürlich fiel die Wahl auf mich, James ist zu fremdartige in seinen Gedanken, Juri verfügt über zwar ihre eigene Piratenschläue und  Hartmuut kennt sich in der Wildnis aus, ich aber habe eine akademische Ausbildung. Ich kenne mich zwar nicht im Traumlauf aus, aber ein wenig memoriere ich doch noch, was ich im Buch „Durch die Tore des Silberschlüssels – die 121 Stufen in den tiefen Schlummer“ gelesen habe. Das wollte ich aber nicht zum Besten geben. Ist Juri doch recht empfindlich, was meine Studien mit den Albträumen angeht.

Zunächst aber wurde alles an Material zusammengetragen, was brauchbar im Kampf gegen den Grinderlach erschien. Hacken, Axte und Hämmer, um eine Falle zu bauen. Teer und Fässer mit Rum, damit wir das Vieh in Brand stecken können. Natürlich durften Wagen und Zugtiere nicht fehlen. Auch wenn wir einen Wagen zurücklassen mussten, weil das beladene Gefährt nicht aus den Ruinen herauskam. Und natürlich die Dorfbewohner.

Das war ein dann doch erstaunlich einfaches Unterfangen. Wir versammelten alle, bis auf die Kinder in der Taverne - an diesen hat Juri einen Narren gefressen - Notiz am Rand des Text: Achte darauf wie das Verhältnis weitergeht, vielleicht manipulieren sie Juri, Wurzel allen Übels?! - um sie dort mittels des Schlafmohns zu betäuben. Wir konnten tatsächlich alle, bis auf den Fleischer im Schankraum versammeln. Auch das Betäuben klappte recht gut. Konnte ich die Menge beruhigen, weil ich selbst im Raum blieb, als der Mohn brannte – zur Reinigung vom Wahnsinn, wie ich behauptete. Nur eine wollte fliehen, aber wurde von Hartmuut niedergeschlagen. Damit war nahezu das gesamte Dorf in die Albtraumwelt gewechselt.

Zu meiner Freude hatte ich keine Probleme sie dort zu finden. Auch gelang es mit mit den Übungen aus dem Silberschlüssel-Buch die Welt um mich herum zu formen. Ich würde ihnen den wahnsinnigsten Albtraum bescheren, den ich mir in der kurzen Zeit vorstellen konnte.

Derweil wurden die Schläfer und ich von Hartmuut nach der Schlucht hin gefahren. Juri und James dann mit dem zweiten Wagen samt der Ausrüstung. Der aber, wie schon berichtet, in den Ruinen festgefahren war, so dass sie einen Teil der Ausrüstung tragen mussten. Mit viel weniger Material, als wir gehofft hatten, errichteten sie Fallen im Tal, das seinen Namen zurecht trägt, liegt dort doch das versteinerte Skelett eine Titanen. Nun jetzt nur noch die zerstörten Überreste, denn wir haben beim Kampf gegen den Grinderlach dort arg gewütet. Aber dazu gleich mehr.

Zunächst der Albtraum mit dem wir den Grinderlach auf seinen Weg nach Isandras Wacht abgelenkt und zu uns gelockt haben. Ich habe jetzt noch ein Schaudern, wenn ich mir die Bilder, die ich erschaffen habe ins Gedächtnis rufe. Aber gleichzeitig habe ich das wohligwarme Gefühl der Macht, was mich auch immer noch dazu verleitet, der Magie so häufig den Vorzug gegenüber der Axt zu geben.
Ich erträumte den Steinkreis vor der Höhle, die Dorfbewohner als Kultisten. Mich selbst gefesselt als Opfer auf einem Altarstein – natürlich nackt und mit rostigen Fesseln, wie ich es in den Berichten über einen Slaanesh-Opfer in einer Hexenjäger-Geschichte gelesen habe. Die Vettel aus dem Tempel gab die Hohepriesterin in einer samtenen lilafarbenen Robe mit gelben Runen der Verzückung. Die restlichen Dorfbewohner tanzten in dem seltsam sphärischen Licht der Albtraumwelt ekstatisch um uns herum und sangen einen infernalischen Kanon.

Ich spürte wir hatten die Aufmerksamkeit von etwas erregt und hoffte, dass es der Grinderlach war. Aber darum würde ich mich bei Zeiten kümmern, denn es galt den Albtraum auf die nächste Stufe zu heben. Jetzt ließ ich die Hohepriesterin herantreten. Mit dem aus sich selbst heraus glühenden Dolch schnitt sie mir den Bauch auf – die Schmerzen kann ich jetzt noch fühlen, zum Glück hat es keine Narbe in der wachen Welt hervorgerufen – und die Kultisten stürzten sich auf meine dampfenden Eingeweide. Diese rissen sie aus meinem Körper, begannen damit sie zu fressen. Eine wahrhaft schauderliche Erfahrung, die ich beinahe abgebrochen hätte, aber ich konnte das Monster fühlen, wie es uns suchte. Ich musste weiter machen.

Also wollte ich jetzt die Scharade beenden. Der Horror sollte nicht mich heimsuchen, die Dorfbewohner würden leiden müssen. Ich zerriss die Fesseln mit einer Leichtigkeit, als ob sie aus Pergament wären, begann zu schweben und ließ mir dazu Flügel wachsen. Dann erhob ich mein Haupt. Die Kultisten, mittlerweile von meinen Eingeweide und Blut besudelt kaum noch als Menschen zu erkenne, kauerten sich ängstlich um ihre Hohepriesterin. Diese drohte mit ihrem Dolch, verwünschte mich und macht lächerliche Versuche mich zu bannen. Ich stieß herunter und riss ihr den Kopf vom Leib. Kurz labte ich mich an dem hervor spritzenden Blut, um dann unter den Kultisten zu wüten. Ich bohrte meine Hand in Körper, riss Herzen hervor, die ich sogleich verspeiste. Mit bloßen Händen trennte ich Gliedmaßen von Torsi, spaltete Brustkörbe und ließ Schädel platzen. Ich konnte spüren, der Grinderlach war nahe.

Aber da war auch noch etwas anderes. Ich hatte die Aufmerksamkeit von etwas großem erregt. Im Abgrund regte sich etwas. Es zog an meinen Gedanken. Ich spürte die Kälte zwischen den Sternen, die Heimat der Entität zu sein scheint. Ich hatte zu lange und zu tief in den Abgrund gesehen. Zum Glück wurde ich durch den stechenden Geruch von Riechsalz aus den Albtraumlanden mitten in die Ankunft des Grinderlach geholt. Der Übergang war so abrupt, ich wähnte mich erst in einem anderen Teil der Katakomben des Schlafs.

 

Oh es geht weiter. Ich werde den Rest bei unserer nächsten Rast zu Ende schreiben.

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